Interregionalismus in der Levante: Tell el`Ajjul, Gaza
Cosmopolitan Societies in the Levant: Tell el`Ajjul, Gaza
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (50%); Philosophie, Ethik, Religion (30%); Soziologie (10%); Sprach- und Literaturwissenschaften (10%)
Keywords
-
TELL ´AJJUL,
INTERNATIONAL TRADE,
LATE BRONZE AGE,
EASTERN MEDITERRANEAN,
MIDDLE BRONZE AGE,
SYNCHRONIZATION
Das Projekt verolgt gleichzeitig mehrere Ziele: 1. Die Aufarbeitung, Katalogisierung, Digitalisierung und Publikation der bislang nicht dokumentierten Funde von Sir William Flinders Petrie, die derzeit im University College in London, England, aufbewahrt werden. 2. Die Aufnahme und Interpretation der Befunde aus den Ausgrabungskampagnen 1999, 2000 und 2001 mit dem Ziel eines umfassenderen Verständnisses der gesellschaftlichen Mechanismen einer mittel- und spätbronzezeitlichen Großstadt in Palästina sowie der Neuinterpretation der Befunde aus den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. 3. Die Analyse der internationalen Handelsbeziehungen, in welche die Gesellschaften von Tell el-`Ajjul eingebunden waren, mit besonderer Berücksichtigung der Importkeramik aus Ägypten, Zypern, Kreta, Griechenland, Syrien und anderen Regionen der Levante. 4. Die Seriation der Importkeramik mit der lokal produzierten Gebrauchskeramik mit dem Ziel eines umfassenderen Verständnisses der Dichotomie zwischen starker Außenorientierung und Verflechtung in das lokale Stadtstaatensystem. 5. Der Versuch einer historischen Identifikation von Tell el- `Ajjul anhand der verfügbaren historisch - geographischen Daten und der Erkenntnisse, die aus der Analyse der materiellen Kultur gewonnen werden können. 6. Die Weiterentwicklung und Perfektionierung der Datenbank POLDI, mit deren Hilfe die Untersuchungen möglichst effizient abgewickelt werden sollen. 7. Die zügige Veröffentlichung der Ergebnisse in einem Abstand von höchstens zwei bis drei Jahren sowie die Verfassung einer Endpublikation innerhalb von drei Jahren nach Abschluß der Befunderhebung.
Das Aufspüren und die Beabreitung des Fundmaterials von Tell el-cAjjul war die Basis für das Projekt: wir konnten beinahe 9000 Funde in Großbritannien, Irland, U.S.A., Australien und Israel aufnehmen. Tell el-cAjjul ist eine der reichsten antiken Großstädte in Gaza, Palästina. Die an der Mittelmeerküste gelegene Stadt, hatte ihre Blütezeit in der späteren Mittel- und Spätbronzezeit, d.h. zwischen dem 17. und 13. Jahrhundert v. Chr. Die Stadt und einige Friedhöfe wurden zwischen 1930 und 1934 vom britischen Archäologen F. Petrie teilweise ausgegraben. Die Ergebnisse Petries und seine Publikationen sind zweifelhafter Natur. Es ist deswegen die Aufgabe der wiederaufgenommenen Ausgrabungen, die in den Jahren 1999 und 2000 unter der Leitung des Projektleiters stattfanden, mit der Hilfe des neuen, gutstratifizierten Materials, Petries Ergebnisse zu revidieren. In den 1930er Jahren wurde das Fundmaterial zwischen lokaler Antikenverwaltung und Ausgräber aufgeteilt. Das führte mit sich, dass eine bedeutende Fundmenge Palästina verließ. Sämtliche aufgespürten Funde - und die Funde der neuen Ausgrabungen - wurden digitalisiert und in die Bilddatenbank "MontAjjul" eingegeben. Dadurch konnte zum ersten Mal seit den 1930ern der Großteil aller Funde wieder gesammelt werden. Die neuen, begrenzten, Ausgrabungen bestätigen den kosmopolitischen Charakter der Gesellschaften von Tell el- cAjjul: die neuen Ausgrabungen produzierten über tausend Funde von Zypern, weitere aus Jordanien, Ägypten, Griechenland, Libanon, Syrien, Anatolien, Mesopotamien und Kreta. Zahlreiche Funde sind feingearbeiteter Schmuck aus Gold und anderen Metallen, Skarabäen, und Glasobjekte: keine andere Stadt in der südlichen Levante kann auch nur annähernd ein so reiches Fundmaterial von so vielen verschiedenen Kulturen aufweisen. Wir kamen zu dem Ergebnis, dass der Reichtum der Gesellschaften von Tell el-cAjjul auf internationalem Handel beruhte. Die meisten Funde stammen aus Zypern, was darauf hinweist, dass Tell el-cAjjul der wichtigste Umschlagplatz für zyprische Güter in der Levante war. Die Zahl der dokumentierten Skarabäen ist inzwischen auf 1249 gestiegen. Einige wurden von Ägypten importiert, aber die Mehrheit wurde in Tell el-cAjjul angefertigt und auch exportiert. Rohmaterial aus Gold, das in Werkstätten gefunden wurde, wurde für die Anfertigung von avancierten Schmuckstücken verwendet und u.a. nach Kreta und Zypern exportiert.
- Universität Wien - 100%