Kriegsfotografie im Ersten Weltkrieg
War Photography in World War I
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (70%); Geschichte, Archäologie (10%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (20%)
Keywords
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HISTORY OF PHOTOGRAPHY,
CONTEMPORARY HISTORY,
WAR PHOTOGRAPHY,
MEDIA STUDIES,
AUSTRIA,
HISTORICAL ARCHIVES
Das vorliegende Forschungsprojekt möchte sich mit einem noch kaum untersuchten Bestand der Kriegsfotografie aus dem Ersten Weltkrieg beschäftigen, nämlich jenen Fotografien, die in österreichischen öffentlichen Archiven lagern. Dabei spielen die Bestände des Bildarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek eine wichtige Rolle, weil diese Institution - über mehrere Umwege - das "Erbe" des Kriegspressequartiers angetreten hat, also jener Institution, die während des Krieges mit der Sammlung, Sichtung, Auswertung, Zensur und Verwendung u.a. von Kriegsbildern befaßt war. Heute umfaßt diese Sammlung mehr als 33.000 Fotografien. Diese Fotografien sind wichtig, weil sie eine der umfangreichsten (und gänzlich unerforschten) erhaltenen Sammlungen sowohl zur offiziellen wie auch zur privaten Fotografie des Ersten Weltkriegs nicht nur in Österreich, sondern in Europa darstellen. Zudem bilden diese Foto-Bestände aus dem Ersten Weltkrieg hervorragende Quellenmaterialien zur Mentalitätsgeschichte des Krieges, aber auch zur österreichischen Geschichte und Zeitgeschichte. Die Fotografien aus dem Ersten Weltkrieg werden im Rahmen dieses Projektes nicht isoliert betrachtet, sondern in ihrem medialen und zeitlichen Umfeld dargestellt werden. Die Analyse des Bildmaterials will in erster Linie die politisch-gesellschaftlichen Bedingungen und Hintergründe erhellen, unter denen die fotografischen Dokumente entstanden sind. Dazu gehört die - oft nicht immer einfache - Unterscheidung, in welchem Zusammenhang die Fotografien entstanden sind. Handelt es sich bei den Aufnahmen um private Aufnahmen oder Bilder, die in offiziellem Auftrag, etwa durch Fotoreporter, enstanden sind, handelt es sich um Bilder, die für propagandistische Zwecke hergestellt wurden oder etwa um Aufklärungs- oder Spionagebilder? Geht es um Fotos, die aus den "eigenen" Reihen stammen oder um solche, die gegenerischen Soldaten abgenommen wurden? Sind die privaten Bilder bereits während des Krieges (etwa freiwillig: durch Sammelaufruf oder mittels Zwang: durch Zensur) zusammengetragen worden oder erst nach dem Krieg? Wurden sie veröffentlicht oder waren sie dazu bestimmt, unter Verschluß gehalten zu werden? Handelt es sich um Serien (etwa Erinnerungsalben) oder um lose Einzelbestände? Als Dokumente des Krieges sind die untersuchten Aufnahmen lesbar nur in ihrer nationalen Einbettung. Aus diesem Grund ist es notwendig, die österreichischen Bilddokumente mit anderen Fotos unterschiedlicher nationaler Herkunft vergleichen. Die Kontextualisierung der Kriegsbilder aus dem Ersten Weltkrieg soll aber nicht nur in Form eines Ländervergleichs erfolgen. Um die gesellschaftliche Bedeutung dieser Bilder verstehen und einschätzen zu können, ist auch eine Untersuchung über den Zeitraum des Krieges hinaus notwendig. Es soll gezeigt werden, daß die Wirkung und Rezeption vieler offizieller aber auch privater Fotografien nicht auf die unmittelbare Zeit des Krieges beschränkt blieben, sondern daß diese Bilder das Geschichtsbild der Nachkriegszeit über einen sehr langen Zeitraum hinweg tiefgreifend geprägt haben.
Im Ersten Weltkrieg wurde die Fotografie zum ersten Mal umfassend für Propagandazwecke eingesetzt. Bilder dienten dazu, die eigene Stärke zu beweisen und die Schwäche des Kriegsgegners darzustellen. Ziel des Forschungsprojekts war es, die Sammlung von über 33.000 österreichischen Kriegsfotografien (Original- Glasnegative und Abzüge), die im Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek (Wien) aufbewahrt wird, zu untersuchen. Dieser Bildbestand ist im internationalen Vergleich bedeutsam, er ist sehr umfangreich und die Bilder sind bestens erhalten. Die Untersuchung stützte sich vorwiegend auf fotohistorische Forschungsmethoden und erweiterte dadurch die herkömmlichen text-zentrierten Zugänge zur Kriegsgeschichte. Der Großteil des Bildmaterials stammt aus den Kriegsgebieten in Ost- und Südosteuropa. In einem ersten Schritt wurden zusätzliche Informationen zu den einzelnen Bildern gesammelt: Hinweise zu den Fotografen, zur Gegend, in der die Aufnahmen entstanden, zum Bildinhalt und zu den historischen Hintergründen. Zusätzlich wurden vergleichende Zusatzrecherchen in Archiven in Ost- und Südosteuropa unternommen, die wichtiges ergänzendes Material lieferten. Die Untersuchung beschränkte sich nicht nur auf das Bildmaterial, sondern ging über die Fotografien hinaus: biografische Informationen über Kriegsfotografen wurden ebenso zusammengetragen wie Hinweise über ihre täglichen Arbeitsbedingungen, ihre Herkunft usw. Genauer untersucht wurde die propagandistische Verwendung der Fotografie im Krieg. Berufs- und Pressefotografen arbeiteten im Auftrag des k.u.k. Kriegspressequartiers, das für die Kriegspropaganda zuständig war. Die von den Fotografen abgelieferten Bilder wurden einer systematischen Zensur unterzogen bevor sie an die einheimische und ausländische Presse weitergeleitet, in Ausstellungen gezeigt oder als Poster ausgehängt wurden. In der zweiten Kriegshälfte wurden zunehmend auch Amateurfotografen für Propagandaaufnahmen in den Dienst genommen. Die Untersuchung des Bildmaterials im historischen Kontext ermöglichte die Rekonstruktion des Medienkrieges im Detail. Biografien von fast allen Kriegsfotografen konnten zusammengestellt werden. Ebenso wurde die Wirkungs- und Erinnerungsgeschichte der österreichischen-ungarischen Kriegsfotografien während und nach dem Krieg untersucht. Es wurde deutlich, dass der Einsatz visueller Medien während des Krieges nicht nur stark anstieg, sondern sich auch im Laufe des Krieges deutlich veränderte. So schlug sich die Kriegsfotografie etwa in der Entwicklung der illustrierten Zeitungen und Zeitschriften nieder. Die Verwendung von modernen Formen der Fotoreportage begann während des Krieges. Nach dem Krieg hatten die illustrierten Zeitungen ein anderes Aussehen als vorher. Sie waren aktueller und im lay-out moderner. Zu einem guten Teil ist diese Entwicklung eine Folge des Medienkrieges im Ersten Weltkrieg.
- Gerhard Hirschfeld, Universität Stuttgart - Deutschland
Research Output
- 10 Zitationen
- 1 Publikationen
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2016
Titel Distinct galactofuranose antigens in the cell wall and culture supernatants as a means to differentiate Fusarium from Aspergillus species DOI 10.1016/j.ijmm.2016.05.002 Typ Journal Article Autor Wiedemann A Journal International Journal of Medical Microbiology Seiten 381-390