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Russische Moderne im europäischen Vergleich

Russian Modernity on an European Scale

Maria Deppermann (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P15505
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.03.2002
  • Projektende 15.07.2005
  • Bewilligungssumme 198.881 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)

Keywords

    RUSSIAN MODERNITY, PUSHKIN, EUROPEAN MODERNISM, CHEKHOV, REVOLUTION AND RENAISSANCE, DOSTOEVSKIJ

Abstract Endbericht

Die Russische Moderne als Makroepoche wird in der Forschung noch immer zu sehr als nationale Sonderentwicklung und zu wenig im internationalen Vergleich betrachtet. Ihre herausragende Leistung im Rahmen der "ästhetischen Moderne" (Adorno, 1970) ist bislang nicht angemessen erkannt und dokumentiert. Sie ist im europäischen Maßstab komparatistisch neu zu bewerten, und zwar ohne ideologische Scheuklappen. Die kulturelle Einheit der spannungsgeladenen Epoche muß dringend methodisch rekonstruiert und neu perspektiviert werden als "une composante contrastée" (Chevrel, 1990). Die Russische Moderne mit den konkurrierenden Zentren Moskau und St. Petersburg hat ihre Basis in der Ästhetik und Poetik der Romantik, ihre philosophische Grundlegung in der Westler-Slavophilen-Debatte und im großen russischen Roman. Sie umfaßt drei Stadien: die Literatur, Kunst und Kultur der nationalen Bewußtwerdung (1860-1890), des kosmopolitischen Fin de siècle (1890-1921) und der Historischen Avantgarde der Zwanziger Jahre, also den Zeitraum von 1860-1930 (Gray, 1974). Ihr reiches Anregungspotential für die europäischen Moderne und Postmoderne ist im interkulturellen Maßstab zu dokumentieren. Dazu muß man abgehen vom Literaturzentrismus, denn die Russische Moderne wurde um 1900 zunehmend intermedial. Literatur und andere Künste sind in ihren Interdependenzen zu untersuchen, sowohl diachron als auch synchron. Zentrale Arbeitshypothesen sind: das "Experiment der Freiheit" als Leitidee, künstlerisches Credo und Impuls für ästhetische Innovationen; die Problemspannung von "Renaissance und Revolution" (Stepun, 1968) als heuristisches Begriffspaar der Kulturtypologie. Sie verbinden exemplarisch Autoren wie Puschkin als Gründerfigur, Dostoevskij als Portalfigur und Tschechov als Integrationsfigur der ästhetischen Moderne in Rußland. Die Kultursynthese des "Silbernen Zeitalters" und ihre Ausstrahlung nach Westeuropa bezeugen "russische Europäer" wie Kandinskij, Skrjabin, Chagall, Djagilev und Stravinskij. Ziel des Projektes ist es, nach dem neuesten Stand der Forschung (zur Semiotik, Komparatistik, Slavistik, zur ästhetischen Moderne, zu Avantgarde und kulturellem Gedächtnis) die Russische Moderne als wesentlichen, aber sträflich vernachlässigten Bereich des kulturellen Gedächtnisses in Europa im komparatistischen Maßstab zu analysieren. Eine maßgebliche Monographie zur Russischen Moderne gibt es bislang nicht. Das Projekt wird einen umfangreichen Beitrag leisten, um diese Lücke zu füllen.

Das Projekt 15505 stand im Zeichen einer komparatistischen Neubewertung der Russischen Moderne, die zwar in der europäischen Moderne eine herausragende Stellung einnimmt, im Rahmen der neuen, auf Westeuropa fixierten Forschung zur ästhetischen Moderne bislang jedoch vernachlässigt wurde. Grundprämisse des Projekts war es, die Entwicklungstendenzen der Russischen Moderne im internationalen Vergleich zu betrachten und sie von ihrem bisherigen Status als nationale Sonderentwicklung zu befreien. Versteht man die Russische Moderne als Makroepoche, so beginnt sie - wie die westeuropäische - in der ersten "Sattelzeit" um 1800 und ist - wie diese - ein nationales und universales Kulturphänomen, welches auf der Ästhetik und Poetik der Romantik (1820-1850) basiert. Ihr entstammt das nationale Spezifikum der russischen Moderne: die Identitätsdebatte zwischen Westlern und Slavophilen, die die Thematik des "realistischen" Romans (insbesondere Dostoevskijs) speiste. Auf der Basis der Romantik entfaltet sie sich in drei Stadien: 1. die Literatur, Kunst und Kultur der nationalen Bewusstwerdung (18601890), 2. des kosmopolitischen Fin de siecle (1890-1921) und 3. der Historischen Avantgarde der Zwanziger Jahre. Das reiche Innovationsangebot der Russischen Moderne für die gesamteuropäische Kultur wurde im Rahmen des Projekts im interkulturellen Maßstab untersucht. Dabei galt es - da die Russische Moderne um 1900 zunehmend intermedial wird - jede Form von Literaturzentrismus zu vermeiden. Im russischen Fin de siecle liegt die Basis für die Intermedialität der Russischen Avantgarde. Wie die im Rahmen des Projekts erschienenen Publikationen belegen (siehe Sammelband "Russische Moderne Interkulturell. Von der Blauen Blume zum Schwarzen Quadrat". Innsbruck, Wien 2005), wurden Literatur und andere Künste in ihren Interdependenzen untersucht, sowohl diachron als auch synchron. Die zentralen Leitthesen lauteten: das "Experiment der Freiheit" als künstlerisches Credo und Impuls für ästhetische Innovationen und die Problemspannung von "Renaissance und Revolution" als heuristisches Begriffspaar der Kulturtypologie. Sie verbinden exemplarisch drei zentrale Autoren: Puschkin als Gründerfigur, Dostojewskij als Portalfigur und Tschechow als Integrationsfigur der ästhetischen Moderne in Russland: Ziel des Projektes war es, die Russische Moderne nach dem neuesten Stand der Forschung (zur Semiotik, Komparatistik, Slawistik; Intermedialität, nonverbalen Kommunikation, zur Ästhetischen Moderne, zu Avantgarde und kulturellem Gedächtnis) als wesentlichen, aber vernachlässigten Bereich des kulturellen Gedächtnisses in Europa aus komparatistischer Perspektive neu zu bewerten.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Innsbruck - 100%

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