Meinongsche Objekte: Ontologie und Logik der Intentionalität
Meinongian Objects: Ontology and Logic of Intentionality
Wissenschaftsdisziplinen
Mathematik (40%); Philosophie, Ethik, Religion (60%)
Keywords
-
Meinong,
Ontology,
Nonexistent Objects,
Free Logic,
Intentionality,
Ontological Commitments
Das Hauptziel des Projekts ist ein Buch über Meinongs Gegenstandstheorie, das aus drei Teilen bestehen wird. Im ersten Teil wollen wir den historischen Hintergrund der Meinongschen Theorie darstellen, sowie die innere Logik der Entwicklung eruieren, die von Brentanos Theorie des immanenten Objekts zu Meinongs Theorie von den Entitäten "jenseits des Seins und Nichtseins" führte. Meinongs Werk wird im weiten Kontext der sogenannten "Österreichischen Philosophie" situiert, der sowohl Franz Brentano und seine Schule als auch Bolzano und Zimmermann umfaßt. Sehr oft können die Thesen Meinongs erst in Hinblick auf diesen Kontext klar interpretiert werden. Im besonderen werden wir zeigen, daß man in den unpublizierten Manuskripten Brentanos viele Ideen findet, die als eine (nicht erwähnte) Inspirationsquelle für Meinongs Intentionalitätstheorie und für den großen Teil seiner Gegenstandstheorie dienten. Im zweiten Teil des Buchs versuchen wir, eine kohärente Interpretation der Intentionalitätstheorie und der Gegenstandstheorie Meinongs zu geben. Das Hauptziel dieses Teils ist es, die Meinongsche Theorie so klar wie möglich zu machen, entsprechend den methodologischen Standards der zeitgenössischen analytischen Philosophie. In diesem Teil werden wir versuchen, ein Gleichgewicht zwischen dem historischen und dem systematischen Standpunkt zu finden. Im dritten Teil möchten wir die Frage stellen, welche Art der Logik den Meinongschen Gegenständen am besten Rechnung trägt. In diesem Teil wird eine Sprache mit der Meinongschen Semantik untersucht werden. Die kontroversen Probleme der ontologischen Verpflichtungen, der Logik der Quantifizierung und der free logic werden aufgerollt. Dieser Teil wird eine systematische Unteruchung enthalten, die die Anwendung von diesen Theorien auf die Meinongsche Ontologie, sowie die Abweichungen, die aus einer solchen Anwendung resultieren, betrifft. Es gibt drei Interpretationsmöglichkeiten, die als besonders vielversprechend erscheinen: (i) Meinongs Entitäten jenseits des Seins und Nichtseins können so interpretiert werden, als ob sie in einer ontologisch verpflichtenden Weise quantifiziert werden könnten (die resultierende Interpretation ist eine Meinongische Version der Ontologie der möglichen Welten); (ii) man kann jedoch darauf bestehen, daß die Meinongschen Gegenstände nur dann quantifiziert werden dürfen, wenn die Quantifizierung als ontologisch unverpflichtend interpretiert wird; und schließlich (iii) man kann sogar die Möglichkeit ihrer Quantifizierung bestreiten (was zu einer Meinongschen free logic führt).
Das Hauptziel des Projekts war ein Buch über Meinongs Gegenstandstheorie, das sowohl der historischen als auch der systematischen Perspektive Rechnung tragen würde. Das vom Mitarbeiter des Projekts - Dr. Arkadiusz Chrudzimski - geschriebene Buch unter dem Titel Eine Reise ins Jenseits von Sein und Nichtsein. Intention und Gegenstand bei Alexius Meinong wurde zur Publikation eingereicht. Die Untersuchungen des Autors gehen in drei Hauptrichtungen. Zum ersten wird der historische Hintergrund der Theorie Meinongs untersucht und zwar in erster Linie die Entwicklung von der Brentanoschen Lehre vom immanenten Objekt zur Meinongschen Theorie der Gegenstände "jenseits von Sein und Nichtsein". Zum zweiten werden einige mögliche Rekonstruktionen der Meinongschen Gegenstandstheorie dargestellt. Zum dritten wird die Frage gestellt, welche Art der Logik der Gegenstandstheorie Meinongs am besten Rechnung tragen würde. Dementsprechend hat das Buch drei Dimensionen: eine historische, eine exegetische und eine systematische. Die berühmteste Idee von Meinong, die er um 1904 formuliert hat, war, dass es neben den uns vertrauten Alltagsgegenständen noch viele nicht-existierende Gegenstände gibt. Ihren ontologischen Status beschreibt er als "jenseits von Sein und Nichtsein". Nach Meinong sind wir gezwungen, solche Gegenstände zu postulieren, wenn wir den Mechanismus unserer intentionalen Zustände (wie eine Vorstellung, ein Glaube oder eine Annahme) erklären wollen. Die Analysen Chrudzimskis betonen, dass sich Meinongs Gegenstandstheorie in einer strikten Dependenz von seiner Intentionalitätstheorie entwickelte, die ihrerseits am Anfang seiner Karriere eindeutig Brentanosche Wurzeln hatte. Chrudzimski beginnt mit einem einführenden Kapitel über Brentano und skizziert dann die Entwicklung von Meinongs frühen (in mancher Hinsicht sehr Brentanoschen) Studien bis zu seiner reifen Gegenstandstheorie. In den abschließenden Kapiteln versucht er, die Lehre Meinongs zu systematisieren und zu bewerten. Er vereinfacht seine Intentionalitätstheorie, schlägt einige Systematisierungen der von Meinong eingeführten ontologischen Kategorien vor, und bespricht drei mögliche Interpretationen des ontologischen Status "jenseits von Sein und Nichtsein". Das Buch enthält eine sehr ausführliche Analyse der Meinongschen Gegenstandstheorie, ist bibliographisch gut begründet und verwendet die Werkzeuge der zeitgenössischen analytischen Ontologie und Logik.
- Universität Salzburg - 100%