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Räumliche Verteilung der Nester beim Kiebitz

Variation in Lapwing Breeding Densities

Richard H. Wagner (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P15988
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.01.2003
  • Projektende 31.12.2006
  • Bewilligungssumme 224.407 €

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (100%)

Keywords

    Colony, Display flight, Sexual Selection, Extra-pair paternity, Lapwing, Shorebirds

Abstract Endbericht

Das Ziel dieses Projektes ist die Untersuchung von zwei Fragen, die sich auf die Koloniebildung bei Vögeln beziehen. Erstens, was sind die Ursachen dafür, daß Kiebitze (Vanellus vanellus) entweder in Aggregationen oder allein brüten? Zweitens, zeigen der männliche Balzflug und das ,,Hassen" gegenüber Feinden die Fähigkeit des Männchens Feinde abzuwehren, oder - wie schon einmal vermutet - sind diese Verhaltensweisen allgemeinere Indikatoren von Männchenqualität? Ein eindeutiger Nutzen des Brütens in Aggregationen wurde bereits festgestellt: Kiebitze ,,hassen" Luftfeinde, wie Krähen, effektiver, wenn sie in Gruppen und nicht allein brüten. Dieser Nutzen erzeugt die rätselhafte Frage, warum viele Kiebitze allein abseits von Aggregationen brüten, obwohl genug Brutplätze in der Nähe ihrer Artgenossen vorhanden sind. Um diese Frage zu beantworten, werden wir eine Reihe möglicher Kosten untersuchen, die beim Brüten in Aggregationen entstehen. Ein möglicher, nicht untersuchter Kostenpunkt ist die Annahme, daß Nest-Aggregationen größere Säugetiere als Nesträuber anziehen. Diese Hypothese werden wir experimentell prüfen. In Nest-Aggregationen könnten Fremdvaterschaften für einige Männchen Kosten verursachen, während andere davon profitieren würden. Wir werden diese Frage mit Hilfe von DNA-Untersuchungen beantworten. Wir werden Vaterschafts-mit Verhaltensdaten kombinieren, um festzustellen, ob bei erhöhter Nestdichte bestimmte Männchen ihren Reproduktionserfolg auf Kosten ihrer Nachbarn steigern. Wir werden auch zeigen, ob Weibchen versuchen, mit Männchen höherer Qualität zu kopulieren. Männchenqualität steht in Beziehung zur Koloniebildung bei der ,,hidden lek"-Hypothese, die vorraussagt, daß Männchen in der Nähe attraktiverer Männchen aggregieren, um Partner zu bekommen. Das testen wir, indem wir untersuchen, ob einzelne, monogame Männchen sich in der Nähe polygyner Männchen früher verpaaren als solitär nistende Männchen. Zusammenhängend damit, werden wir experimentell einen anderen möglichen Indikator für Männchenqualität untersuchen, nämlich die Anzahl von Nestmulden, die von einem Männchen in seinem Brut- Territorium angelegt wird.

Unser Projekt beschäftigte sich mit dem Kiebitz (Vanellus vanellus), ein zu den Regenpfeifern bzw. Limikolen gehörender einheimischer Vogel, der wegen seiner weiten Verbreitung und auffälligen Flugrufen im Frühling allgemein bekannt ist. Viele Kiebitze brüten in sozialer Einehe, bei der das Männchen und das Weibchen sich die elterlichen Pflichten, wie Brüten und den Schutz von Eiern und Jungen vor Raubfeinden, teilen. In unserer Population auf der schwedischen Ostseeinsel Öland fanden sich auch viele polygyne Männchen, die mit zwei oder drei (in einem Fall sogar vier) Weibchen in ihrem Territorium brüteten. Das ergab für uns eine hervorragende Gelegenheit Polygynie zu untersuchen, ein Paarungssystem, das trotz vieler Untersuchungen in den letzten 40 Jahren noch immer unzureichend erklärt ist. Die gängige Erklärung für die Variation in der Haremsgröße lautet, dass polygyne Männchen qualitativ hochwertiger als monogome oder unverpaarte sind. Das könnte dazu führen, dass polygyne Männchen besser Weibchen anlocken können als monogame. Überraschenderweise widerspricht unsere Untersuchung dieser Annahme. Wir fanden, dass polygyne und monogame sich bezüglich zahlreicher Merkmale, wie Körpergröße, körperliche Verfassung, Beinfarbe (ein Anzeiger für körperliche Verfassung), Ankunft im Brutgebiet und jährliches Überleben, glichen. Kiebitze haben einen auffälligen Schopf, der bei Männchen viel länger als bei Weibchen ist und anscheinend einen Schmuck zum Anlocken von Weibchen darstellt. Die Schopflängen von monogamen und polygamen Männchen unterschieden sich jedoch nicht. Wir sahen uns auch ein weiteres Kriterium des Bruterfolgs der Männchen näher an, nämlich ob die zwei Männchentypen sich bezüglich in der Zahl der Jungen, die von anderen Männchen gezeugt worden waren, unterscheiden. Seit der Erfindung genetischer Methoden wie dem DNS-Fingerabdruck haben Verhaltensökologen entdeckt, dass "Ehebruch" bei Vögeln weit verbreitet ist. Wir führten die ersten solchen Analysen bei Kiebitzen durch, indem wir Proben von etwa hundert Familien im Laufe von drei Jahren sammelten. Wir fanden für eine Limikole extrem hohes Niveau an Fremdvaterschaften: 19% der Bruten enthielten mindestens ein Junges, das nicht vom ansässigen Männchen stammte. Dennoch verloren monogame und polygyne. Männchen gleich viel Vaterschaften, ein weiterer Beleg gegen die Annahme eines Qualitätsunterschieds. Also blieb die Frage offen, was die Varianz der Haremsgröße aufrecht hält. Wir sahen uns daraufhin die Körpergröße beider Geschlechter gemeinsam an und entdeckten, dass monogame Männchen mit Weibchen ihrer eigenen Größe verpaart waren während die ersten Weibchen polygyner Männchen deutlich kleiner als ihre Partner waren. Weil die ersten Weibchen versuchen potenzielle Zweitweibchen aggressiv zu vertreiben, lassen unsere Befunde vermuten, dass kleinere Weibchen im Gegensatz zu ihren größeren Geschlechtsgenossinen ihre Partner nicht daran hindern können ein zweites Weibchen zu erwerben. Daher schlagen wir vor, dass der Kampf der Geschlechter die Variation in der Haremsgröße von Kiebitzen bewirkt.

Forschungsstätte(n)
  • Veterinärmedizinische Universität Wien - 100%

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