Umwelt und Ernährung prähistorischen Bergleute in Hallstatt
Environment and nutrition of prehistoric miners in Hallstatt
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Naturwissenschaften (100%)
Keywords
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Palaeodiet,
Bronze age,
Vegetation History,
Iron age,
Hallstatt,
Archaeobotany
Mit seinen reichhaltigen und kostbaren Funden aus dem Gräberfeld und aus dem Bergbau zählt Hallstatt zu den bedeutendsten prähistorischen Salzabbaugebieten Europas, das dadurch auch namensgebend für eine gesamte kulturelle Epoche Mitteleuropas wurde. Das im salzhältigen Gestein des Bergbaus eingebettete organische Material zeigt eine hervorragende Erhaltung und beinhaltet eine Menge an Information über den Lebensstil der prähistorischen Siedler. Zu den bemerkenswertesten Funden zählen die im Berg ausgegrabenen Exkremente prähistorischer Bergleute. Solche Funde sind in der temperaten Zone extrem selten erhalten. Obwohl etwas eklig bieten diese Faezes eine reichhaltige direkte Information über die prähistorische Diät der Bergleute, die Umwelt und die Saisonalität der Bergbauaktivitäten in Hallstatt. Eine Korpolithenanalyse dieser Faezes ist damit in der Lage, zahlreiche Details über das tägliche Leben dieser prähistorischen Bergleute zu liefern. Eine weitere Stärke dieser Loklaität ist außerdem die gute und zahlreiche Erhaltung menschlicher und tierischer Knochen. Dies ermöglicht zusätzlich die Analyse der prähistorischen Ernährungsgewohnheiten mittels stabiler Isotopen (13C, 15N). Dieser Ansatz gestattet einen noch nie durchgeführten Vergleich zweier Methoden zur Rekonstruktion prähistorischer Ernährungsweise. Während die Koprolithenanalyse eine kurzfristige Information über die Ernährungsweise liefert, besitzt die Isotopenanalyse eine langfristige. Da die Erhaltung von Faezes und Knochen an ein und der selben Lokalität eine absolute Rarität darstellt, konnte eine derartige beide Methoden vergleichende Studie noch nie vorgenommen werden. Es steht daher zu erwarten, dass die Ergbnisse dieser vergleichenden Untersuchung maßgeblichen Einfluss auf die Interpretation von Paläodiätstudien haben wird, die mit nur einer dieser beiden Methoden gewonnen wurden. Die Bergbauaktivitäten in Hallstatt reichen bis in die Bronzezeit zurück, aber der Beginn der anthropogenen Beinflussung dieser Landschaft ist noch unklar. Deshalb wird die Pollenanalyse einer Moorablagerung am Eingang zum Salzbergtal die bisher unbekannte Vegetationsgeschichte des Gebietes erschließen. Zusätzlich liefert diese palynologische Studie neue Ergebnisse über die Siedlungsentwicklung in Hallstatt, und darüberhinaus noch zusätzliche Daten über die prähistorische Vegetation, die essentiell für die Auswertung der Koprolithenanalyse in Bezug auf Umwelt und Saisonalität sind. Die neu gewonnenen Erkenntnisse werden mit den bisherigen archäologischen Kenntnissen verglichen und diskutiert, um neue Details über das tägliche Leben der prähistorischen Siedler in Hallstatt zu liefern.
Anhand der Analyse von stabilen Isotopen ( 13C, 15N) aus Knochen und von Blütenstaub und Pflenzenresten aus Exkrementen von archäologischen Grabungen in Hallstatt und Dürrnberg bei Hallein wird versucht die Ernähungsweise der prähistorischen Bergleute in diesen beiden bedeutendsten Salzabbaugebieten Österreichs zu rekonstruieren. Im Großen und Ganzen liefern beide Methoden die gleichen Ergebnisse, dass die Prähistorischen Bergleute sich aus einer Mischung von pflanzlichen und tierischen Nahrungsmitteln ernährt haben. Die Mikro- und Makrofossilanalyse ermöglicht dabei ein detaillierteres Bild als die Isotopenanalyse. Gerste (Hordeum vulgare), Rispenhirse (Panicum miliaceum), Emmer (Triticum dicoccum), Dinkel (Triticum spelta) und Ackerbohne (Vicia faba) wurden neben Wildobst und Fleisch bevorzugt gegessen. Darüber hinaus zeichnen sich etliche Exkremente durch hohe Werte an insekten-bestäubten Kräutern (Kornblume, Klee, Linde, Mädesüß, Pfefferminze, Rosengewächse, Weiden, etc.), die gängige Bienentrachtpflanzen und Bestandteile des Blütenstaubs von Honigen aus dem Alpenraum sind, aus. Ihr gehäuftes Vorkommen in den Exkrementen weist auf den Konsum von Honig bzw. Honigprodukten (Met) hin. In den Exkrementen von Dürrnberg wurde außerdem Beifuß (Artemisia) in unnatürlich hohen Werten festgestellt. Dieser Pollen korreliert signifikant mit den nachgewiesenen Eiern von Darmparasiten, und lässt auf eine absichtliche Aufnahme von Beifuß, um Endoparasiten bedingte Verdauungsbeschwerden zu mindern, schließen. In den Isotopenanalysen ( 13C, 15N) ist eine unerwartet hohe Differenz von +3.9-4.5 zwischen den durchschnittlichen Stickstoff-Isotopenwerten der Menschen und der Tiere zusammen mit höher als erwarteten Kohlenstoff-Isotopenwerten festgestellt. Dies lässt entweder auf eine zusätzliche Proteinquelle (z.B. Geflügel, Fisch) neben den nachgewiesenen Rind, Schwein, Schaf und Ziege schließen, oder die bisher angenommene Stickstoff-Isotopendifferenz zwischen Mensch und Tier (z.Zt. werden 3-4 angenommen) ist zu gering. Im letzteren Fall hätten die Bergleute deutlich weniger Fleisch bzw. tierische Produkte (Milch, Käse) zu sich genommen, was sich zwar für die Hallstatt aber nicht für die Dürrnberg Population anhand der gezählten Muskelfasern und Darmparasiten bestätigen lässt. Hier sind weitere Untersuchungen zur Klärung nötig. Zusätzlich wurde auch die Vegetations- und Siedlungsgeschichte des Salzbergtales bei Hallstatt durch Pollenanalysen aus zwei Moorablagerungen erhoben. Sie bestätigen die aus archäologischen und historischen Daten bekannten Erkenntnisse. Im 4. Jt. v. Chr. sind erste Spuren des Menschen festzustellen. Ab 1500 v. Chr. erfolgen massive Rodungen sowohl in 1000 als auch 1400 m Seehöhe, die bis zur Römerzeit andauern. Eine neuerliche intensive Aufnahme des Salzabbaus zeichnet sich im 16. Jh. AD ab.
- Universität Innsbruck - 100%
- Tamsin O Connell, University of Cambridge - Vereinigtes Königreich