Finanzgeschichtliche Aspekte der traianischen Münzprägung
Finances and coinage in the reign of Trajan
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Technische Wissenschaften (20%); Geschichte, Archäologie (70%); Wirtschaftswissenschaften (10%)
Keywords
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Traianus,
Rom,
Finanzen,
Münzprägung,
Metallanalysen,
Wirtschaft
In diesem Projekt wurden durch interdisziplinäre Arbeit grundlegende neue Forschungsergebnisse hinsichtlich der Finanzpolitik des römischen Kaisers Traian (98-117 n. Chr.) erzielt, dessen Regierung aufgrund der Quellenlage seit jeher das besondere Interesse der Wirtschaftshistoriker auf sich zieht. Neben literarischen Testimonien stellen die traianischen Reichsmünzen, deren System und Chronologie von Bernhard Woytek im Rahmen eines mehrjährigen Forschungsvorhabens von 2001-2004 erstmals zuverlässig erschlossen wurde, die wichtigsten Quellen zur Finanzgeschichte der Periode dar. Auf diesen seinen früheren Forschungen aufbauend konnte der Projektbearbeiter im Rahmen des nun abgeschlossenen Projekts "Finanzgeschichtliche Aspekte der traianischen Münzprägung" die Staatsfinanzen der Regierung Traians in erstmaliger Synopse des gesamten relevanten antiken Materials neu untersuchen: Abgesehen von der eingehenden Analyse der literarischen (und papyrologischen) Quellen war dabei vor allem der aus numismatischer Sicht zentrale Fragenkomplex der Legierungsentwicklung der traianischen Silberprägung zu bearbeiten. In Kooperation mit dem Institut für Naturwissenschaften und Technologien in der Kunst an der Akademie der Bildenden Künste Wien (Prof. DI Dr. M. Schreiner, Dr. K. Uhlir) wurden dazu insgesamt 68 antike Silbermünzen Kaiser Traians (67 Denare und eine Drachme) sowie drei Denare seines Amtsvorgängers Nerva mit Hilfe von Mikro-Röntgenfluoreszenzanalyse untersucht. Die Stücke, die speziell zum Zweck der metallanalytischen Untersuchung angekauft worden waren, wurden innovativer Weise zerstörerisch analysiert, da nur auf diesem Wege die Verläßlichkeit der Meßergebnisse sichergestellt werden konnte: Die Münzen wurden an der Stelle des höchsten Reliefs durchgeschnitten, und der Silbergehalt ihrer Legierung wurde jeweils an sechs Meßpunkten an der Schnittstelle gemessen. Durch das Messen im Kern der Münze konnten alle Unsicherheitsfaktoren ausgeschaltet werden, mit denen die bisher veröffentlichten, nicht-zerstörerischen Oberflächenanalysen traianischer Silbermünzen behaftet waren. Die erzielten Resultate sind in sich kohärent und gestatten es, ein ganz neues Bild der traianischen Geldpolitik zu zeichnen: Nachdem die stadtrömische Denarprägung in den ersten beiden Regierungsjahren des Kaisers - wie unter seinem Vorgänger Nerva - aus einer Legierung mit einem Anteil von ca. 85-94 % Silber bestritten wurde, kam es im Jahre 100 zu einer markanten Senkung des Feingehalts auf ca. 80%; dieser Standard wurde in der Mehrzahl der Emissionen während der gesamten weiteren Regierungszeit beibehalten. Die Umstellung ist im Kontext der Vorbereitung des ersten Dakerkriegs (101-102 n. Chr.) zu sehen und wird wohl auf eine persönliche Initiative des Kaisers bzw. seines engsten Beraterkreises zurückzuführen sein, da Traian die Hauptstadt in seiner Regentschaft nach mehrjähriger Abwesenheit erstmals Ende 99 n. Chr. betrat.