Materialität und Zeitlichkeit performativer Sprechakte
Materiality and Temporality of Performative Speech Acts
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (25%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (25%); Philosophie, Ethik, Religion (25%); Sprach- und Literaturwissenschaften (25%)
Keywords
-
Speech Act theory,
Resistance and automation: in passive,
Performative concept of truth,
Performing arts,
Passive Synthesis,
Art as a new paradigm of truth
In seinem 2002 erschienenen Sammelband "Performanz" hat Uwe Wirth überzeugend darlegt, dass dieser Terminus im 20. Jahrhundert nicht nur zu einem zentralen Thema sprachphilosophischer, sondern auch kulturphilosophischer Überlegungen geworden ist. Mit der Frage "How to do things with Words?" hat Austin offensichtlich einen Diskurs ins Rollen gebracht, der Vertreter unterschiedlichster philosophischer, sprach- und kulturwissenschaftlicher Traditionen zu heftigen Reaktionen provoziert hat. Paradigmatisch dafür steht der leidenschaftliche Disput zwischen Searle und Derrida, in dem zwei führende Vertreter der Philosophie des 20. Jahrhunderts verbal in den Krieg gezogen sind, um ihre heterogenen Lesarten in Bezug auf das Erbe der Austin`schen Sprechakttheorie aufs Heftigste zu verteidigen. Ein Sachverhalt, der darauf hinweist, dass diese Theorie an elementare Bedürfnisse rührt (passive Synthesen), die von dieser Lehre in ihrer Geltung in Frage gestellt werden. In unserem Forschungsvorhaben sollen daher primär auch nicht Fragen gestellt werden wie "Wie soll das Austin`sche Erbe "richtig" (auf)gelesen und der philosophische Rechtsstreit unter den Erben seiner Lehre möglichst "gerecht" geschlichtet werden?" Vielmehr wird es uns um Fragen gegangen sein wie "Warum ist diese Theorie überhaupt in der Lage, so heftige Reaktionen bei den Lesern auszulösen?", "Sollte sich die Performanz der Sprache etwa als ein Phänomen erweisen, das ganz besonders dafür prädestiniert ist, bei den Interpreten auf heftige Widerstände zu stoßen, die sich zu Wort melden, sobald diese Lehre aufgelesen und ausgelegt wird?" Es wird ein zentrales Anliegen unseres Forschungsprojekts sein, aufzuzeigen, dass es die "all zu einfache Vorstellung von Wahrheit" (Austin) als adaequatio intellectus ad rem bzw. rei ad intellectum ist, die in "How to do things with words" auf dem Spiel steht. Dieses tief eingefleischte Bild von Wahrheit setzt aber eine quasi-prästablisierte Harmonie zwischen dem realen Akt der Verbalisierung und dem, was darin ausgedrückt wird, voraus. Eine Unterscheidung, die bei performativen Äußerung notwendig verwischt wird, da der reale Akt einer performativen Sprechhandlung selbst ein konstitutives Moment der idealen Bedingungen darstellt, die erfüllt werden müssen, damit ein performativer Sprechakt überhaupt stattfinden kann. Haben wir uns aber erst einmal von der metaphysischen Vorstelllung von Wahrheit als "Vorstellung von der Entsprechung zu den Tatsachen" gelöst, dann drängt sich die Frage auf, wie ein Wahrheitskonzept aussehen könnte, das den performativen Charakter Sprache ausdrücklich reflektiert. Würde ein solches Wahrheitskonzept nicht mit dem konfrontiert, was uns die Künste zu denken geben?
In seinem 2002 erschienenen Sammelband "Performanz" hat Uwe Wirth überzeugend darlegt, dass dieser Terminus im 20. Jahrhundert nicht nur zu einem zentralen Thema sprachphilosophischer, sondern auch kulturphilosophischer Überlegungen geworden ist. Mit der Frage "How to do things with Words?" hat Austin offensichtlich einen Diskurs ins Rollen gebracht, der Vertreter unterschiedlichster philosophischer, sprach- und kulturwissenschaftlicher Traditionen zu heftigen Reaktionen provoziert hat. Paradigmatisch dafür steht der leidenschaftliche Disput zwischen Searle und Derrida, in dem zwei führende Vertreter der Philosophie des 20. Jahrhunderts verbal in den Krieg gezogen sind, um ihre heterogenen Lesarten in Bezug auf das Erbe der Austin`schen Sprechakttheorie aufs Heftigste zu verteidigen. Ein Sachverhalt, der darauf hinweist, dass diese Theorie an elementare Bedürfnisse rührt (passive Synthesen), die von dieser Lehre in ihrer Geltung in Frage gestellt werden. In unserem Forschungsvorhaben sollen daher primär auch nicht Fragen gestellt werden wie "Wie soll das Austin`sche Erbe "richtig" (auf)gelesen und der philosophische Rechtsstreit unter den Erben seiner Lehre möglichst "gerecht" geschlichtet werden?" Vielmehr wird es uns um Fragen gegangen sein wie "Warum ist diese Theorie überhaupt in der Lage, so heftige Reaktionen bei den Lesern auszulösen?", "Sollte sich die Performanz der Sprache etwa als ein Phänomen erweisen, das ganz besonders dafür prädestiniert ist, bei den Interpreten auf heftige Widerstände zu stoßen, die sich zu Wort melden, sobald diese Lehre aufgelesen und ausgelegt wird?" Es wird ein zentrales Anliegen unseres Forschungsprojekts sein, aufzuzeigen, dass es die "all zu einfache Vorstellung von Wahrheit" (Austin) als adaequatio intellectus ad rem bzw. rei ad intellectum ist, die in "How to do things with words" auf dem Spiel steht. Dieses tief eingefleischte Bild von Wahrheit setzt aber eine quasi-prästablisierte Harmonie zwischen dem realen Akt der Verbalisierung und dem, was darin ausgedrückt wird, voraus. Eine Unterscheidung, die bei performativen Äußerung notwendig verwischt wird, da der reale Akt einer performativen Sprechhandlung selbst ein konstitutives Moment der idealen Bedingungen darstellt, die erfüllt werden müssen, damit ein performativer Sprechakt überhaupt stattfinden kann. Haben wir uns aber erst einmal von der metaphysischen Vorstelllung von Wahrheit als "Vorstellung von der Entsprechung zu den Tatsachen" gelöst, dann drängt sich die Frage auf, wie ein Wahrheitskonzept aussehen könnte, das den performativen Charakter Sprache ausdrücklich reflektiert. Würde ein solches Wahrheitskonzept nicht mit dem konfrontiert, was uns die Künste zu denken geben?
- Universität Wien - 100%
- Hans-Dieter Bahr, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Susanne Valerie Granzer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Sybille Krämer, Freie Universität Berlin - Deutschland
- Volker Gerhardt, Humboldt-Universität zu Berlin - Deutschland
- Christian Bermes, Universität Trier - Deutschland
- Fawzi Boubia, Ecole Nationale Superieure d Ingenieurs de Caen - Frankreich
- Robin Kelly, Columbia University New York - Vereinigte Staaten von Amerika
- Avital Ronell, New York University - Vereinigte Staaten von Amerika
- Thomas Pepper, University of Minnesota Medical School - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 250 Zitationen
- 6 Publikationen
-
2020
Titel ß-catenin regulates FOXP2 transcriptional activity via multiple binding sites DOI 10.1111/febs.15656 Typ Journal Article Autor Richter G Journal The FEBS Journal Seiten 3261-3284 Link Publikation -
2020
Titel MAPK signaling determines lysophosphatidic acid (LPA)-induced inflammation in microglia DOI 10.1186/s12974-020-01809-1 Typ Journal Article Autor Plastira I Journal Journal of Neuroinflammation Seiten 127 Link Publikation -
2020
Titel Myeloperoxidase-Derived 2-Chlorohexadecanal Is Generated in Mouse Heart during Endotoxemia and Induces Modification of Distinct Cardiomyocyte Protein Subsets In Vitro DOI 10.3390/ijms21239235 Typ Journal Article Autor Prasch J Journal International Journal of Molecular Sciences Seiten 9235 Link Publikation -
2019
Titel Astaxanthin exerts protective effects similar to bexarotene in Alzheimer's disease by modulating amyloid-beta and cholesterol homeostasis in blood-brain barrier endothelial cells DOI 10.1016/j.bbadis.2019.04.019 Typ Journal Article Autor Fanaee-Danesh E Journal Biochimica et Biophysica Acta (BBA) - Molecular Basis of Disease Seiten 2224-2245 Link Publikation -
2018
Titel Pharmacological Inhibition of Serine Palmitoyl Transferase and Sphingosine Kinase-1/-2 Inhibits Merkel Cell Carcinoma Cell Proliferation DOI 10.1016/j.jid.2018.10.024 Typ Journal Article Autor Bhat V Journal Journal of Investigative Dermatology Seiten 807-817 Link Publikation -
2020
Titel Serum amyloid A is a soluble pattern recognition receptor that drives type 2 immunity DOI 10.1038/s41590-020-0698-1 Typ Journal Article Autor Smole U Journal Nature Immunology Seiten 756-765 Link Publikation