Transnationale Migration in Zentraleuropa, 1860-1914
Transnational migration in Central Europa, 1860-1914
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (10%); Soziologie (80%); Wirtschaftswissenschaften (10%)
Keywords
-
Migration History,
Transnational Migration,
Austrian Empire,
Temporary Migration,
Historic Central Europe,
Migration Systems
Ziel des geplanten Projekts ist eine systematische Rekonstruktion der vielfältigen Formen und Muster zwischenstaatlicher Migration zwischen der österreichischen Hälfte der Habsburgermonarchie und ihren Nachbarstaaten (Deutsches Reich, Schweiz, Königreich Italien, Russisches Reich und die ungarische Hälfte der Habsburgermonarchie) für den Zeitraum von etwa 1860/70 bis zum Ersten Weltkrieg. Grenzüberschreitende Wanderbewegungen werden in ihrem Umfang, ihrem Verlauf und ihrer wechselseitigen Abhängigkeit analysiert. Die Geschichte transnationaler Migrationen ist in den letzten Jahren auf Grund der gegenwärtig hohen Aktualität des Themas in vielen europäischen Staaten, bisher jedoch nicht in Österreich, zu einem zentralen Themenbereich der historischen Forschung geworden. Das Projekt versteht sich als wesentlicher Beitrag zur Überwindung der zumeist isoliert nationalstaatlich betriebenen Historischen Migrationsforschung, die tendenziell eine Unterbewertung transnationaler Migrationsbeziehungen bewirkte. Migrationsbeziehungen bestanden zwischen Regionen und nicht zwischen Nationalstaaten. In einem Migrationssystem` miteinander verbundene Regionen werden daher im geplanten Forschungsvorhaben als eine zusammengehörige Untersuchungseinheit analysiert. Innovativ wird insbesondere die konsequente Analyse der Frage nach der Gleichzeitigkeit von Wanderungen in beide Richtungen innerhalb eines Migrationssystems` sein. Zu diesem Zweck wird eine umfassende statistische Datenbank angelegt und analysiert, die auf den publizierten Ergebnissen der staatlichen Volkszählungen aller genannten Staaten und zahlreicher auf regionaler Ebene erschienener statistischer Publikationsreihen basieren wird. Die regionale Entwicklung transnationaler Migrationen wird im Kontext von Veränderungen sowohl innerstaatlicher als auch transkontinentaler Migrationen untersucht. Durch den gewählten Ansatz einer systematische Analyse aller dokumentierten Wanderungsbewegungen auf beiden Seiten der Staatsgrenze und vor allem einer möglichst umfassenden Berücksichtigung auch der saisonalen Migration wird die bisherige Privilegierung einzelner ausgewählter Migrationsbeziehungen in der Historischen Forschung überwunden. Insgesamt wird das Projekt zu einer entscheidenden Neubewertung der historischen Bedeutung transnationaler Migrationen in Mitteleuropa beitragen.
Ziel des Forschungsprojektes war eine systematische Rekonstruktion verschiedenster Migrationsformen und - muster zwischen der österreichischen Reichshälfte der Habsburgermonarchie und den angrenzenden Nachbarstaaten im Zeitraum von 1860 bis 1914. Damit sollten erhebliche Forschungslücken gefüllt werden, da gerade diese europäischen Wanderungen zwischen Nationalstaaten lange Zeit von der historischen Forschung ignoriert wurden. Soweit aufgrund der Quellenlage möglich, wurde eine möglichst systematische Beschreibung der Mobilitätsvorgänge zwischen den Staaten erstellt. Transnationale Migrationen innerhalb Zentraleuropas wurden in ihrem lokalen Kontext verortet und die demographischen sowie sozialen und wirtschaftlichen Charakteristika der MigrantInnen der Gesamtbevölkerung gegenüber gestellt. Angelehnt an neuere Diskussionen in der internationalen Migrationsforschung versteht unsere Forschungsgruppe europäische Wanderungen als Teil von miteinander in Verbindung stehender Migrationsprozesse, die in den sozialen Strukturen der Ausgangs- und Zielregionen verankert werden müssen. Damit konnten veraltete Forschungsansätze, wie etwa die Annahme, dass zu Ende des 19. Jahrhunderts die Hauptmigrationsroute nach Amerika führte, widerlegt werden. Neue Zusammenhänge zwischen sich verändernden Migrationsmustern konnten aufgezeigt werden. Zum ersten Mal wurden systematisch Daten zu historischen Wanderungen aus der Habsburgermonarchie in andere Staaten Zentraleuropas erhoben. Im Gegensatz zu älteren Studien, war unser Fokus nicht auf isolierte Migrationsvorgänge gerichtet, sondern die Gesamtheit unterschiedlicher Migrationsmuster auf der Ebene der Provinzen, wenn möglich auch auf der Ebene von politischen Bezirken, sollten in den Blickwinkel gerückt werden. Dieser Ansatz mündete einerseits in einem wesentlich komplexeren Bild transnationaler Wanderungen und andererseits in neuen Erkenntnissen eines übernationalen Migrationsprozesses. Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse Einfluss auf weitere und auch aktuelle Studien von SoziologInnen und BevölkerungswissenschafterInnen haben werden. Die Erforschung historischer Migrationsvorgänge ist von wesentlicher Bedeutung für das Verständnis aktueller Wanderungsbewegungen. Die Erkenntnisse, dass auch im 19. Jahrhundert Wanderungen keine Zeichen von wirtschaftlichen Krisen waren und Industrialisierung keinesfalls Entwurzelungen auslöste, konnten einmal mehr bestätigt werden. Migrationen fanden vielmehr in einem Raum von Möglichkeiten statt, der fast allen BewohnerInnen der Monarchie offen stand. Während einige Migrationsrouten eine lange Tradition über Jahrhunderte hatten, sind im Untersuchungszeitraum auch neue Wege entstanden. Dennoch sollten historische Kontinuitäten nicht überbewertet werden. Unser Projekt träge ebenfalls zu aktuellen Debatten internationaler Migrationen bei, insofern dass vorgeblich allgemein gültige Erkenntnisse einer Überprüfung unterzogen wurden.
- Universität Wien - 100%
- Klaus Tenfelde, Ruhr-Universität Bochum - Deutschland
- Dirk Hoerder, Universität Bremen - Deutschland
- Andreina De Clementi, Universita degli studi di Napoli - Italien
- Adam Walaszek, Uniwersytet Jagiellonski - Polen
- Tibor Frank, Eötvös Loránd University - Ungarn
Research Output
- 18 Zitationen
- 4 Publikationen
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2022
Titel Cilgavimab/Tixagevimab as alternative therapeutic approach for BA.2 infections DOI 10.3389/fmed.2022.1005589 Typ Journal Article Autor Dichtl S Journal Frontiers in Medicine Seiten 1005589 Link Publikation -
2022
Titel Immune Responses Against SARS-CoV-2 WT and Delta Variant in Elderly BNT162b2 Vaccinees DOI 10.3389/fimmu.2022.868361 Typ Journal Article Autor Jäger M Journal Frontiers in Immunology Seiten 868361 Link Publikation -
2019
Titel Co- but not Sequential Infection of DCs Boosts Their HIV-Specific CTL-Stimulatory Capacity DOI 10.3389/fimmu.2019.01123 Typ Journal Article Autor Schönfeld M Journal Frontiers in Immunology Seiten 1123 Link Publikation -
2021
Titel SARS-CoV-2–infected primary human airway epithelia illustrate mucus hypersecretion DOI 10.1016/j.jaci.2021.05.047 Typ Journal Article Autor Posch W Journal Journal of Allergy and Clinical Immunology Seiten 909 Link Publikation