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Transnationale Migration in Zentraleuropa, 1860-1914

Transnational migration in Central Europa, 1860-1914

Josef Ehmer (ORCID: 0000-0001-6684-0254)
  • Grant-DOI 10.55776/P17614
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2004
  • Projektende 31.12.2006
  • Bewilligungssumme 212.394 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (10%); Soziologie (80%); Wirtschaftswissenschaften (10%)

Keywords

    Migration History, Transnational Migration, Austrian Empire, Temporary Migration, Historic Central Europe, Migration Systems

Abstract Endbericht

Ziel des geplanten Projekts ist eine systematische Rekonstruktion der vielfältigen Formen und Muster zwischenstaatlicher Migration zwischen der österreichischen Hälfte der Habsburgermonarchie und ihren Nachbarstaaten (Deutsches Reich, Schweiz, Königreich Italien, Russisches Reich und die ungarische Hälfte der Habsburgermonarchie) für den Zeitraum von etwa 1860/70 bis zum Ersten Weltkrieg. Grenzüberschreitende Wanderbewegungen werden in ihrem Umfang, ihrem Verlauf und ihrer wechselseitigen Abhängigkeit analysiert. Die Geschichte transnationaler Migrationen ist in den letzten Jahren auf Grund der gegenwärtig hohen Aktualität des Themas in vielen europäischen Staaten, bisher jedoch nicht in Österreich, zu einem zentralen Themenbereich der historischen Forschung geworden. Das Projekt versteht sich als wesentlicher Beitrag zur Überwindung der zumeist isoliert nationalstaatlich betriebenen Historischen Migrationsforschung, die tendenziell eine Unterbewertung transnationaler Migrationsbeziehungen bewirkte. Migrationsbeziehungen bestanden zwischen Regionen und nicht zwischen Nationalstaaten. In einem Migrationssystem` miteinander verbundene Regionen werden daher im geplanten Forschungsvorhaben als eine zusammengehörige Untersuchungseinheit analysiert. Innovativ wird insbesondere die konsequente Analyse der Frage nach der Gleichzeitigkeit von Wanderungen in beide Richtungen innerhalb eines Migrationssystems` sein. Zu diesem Zweck wird eine umfassende statistische Datenbank angelegt und analysiert, die auf den publizierten Ergebnissen der staatlichen Volkszählungen aller genannten Staaten und zahlreicher auf regionaler Ebene erschienener statistischer Publikationsreihen basieren wird. Die regionale Entwicklung transnationaler Migrationen wird im Kontext von Veränderungen sowohl innerstaatlicher als auch transkontinentaler Migrationen untersucht. Durch den gewählten Ansatz einer systematische Analyse aller dokumentierten Wanderungsbewegungen auf beiden Seiten der Staatsgrenze und vor allem einer möglichst umfassenden Berücksichtigung auch der saisonalen Migration wird die bisherige Privilegierung einzelner ausgewählter Migrationsbeziehungen in der Historischen Forschung überwunden. Insgesamt wird das Projekt zu einer entscheidenden Neubewertung der historischen Bedeutung transnationaler Migrationen in Mitteleuropa beitragen.

Ziel des Forschungsprojektes war eine systematische Rekonstruktion verschiedenster Migrationsformen und - muster zwischen der österreichischen Reichshälfte der Habsburgermonarchie und den angrenzenden Nachbarstaaten im Zeitraum von 1860 bis 1914. Damit sollten erhebliche Forschungslücken gefüllt werden, da gerade diese europäischen Wanderungen zwischen Nationalstaaten lange Zeit von der historischen Forschung ignoriert wurden. Soweit aufgrund der Quellenlage möglich, wurde eine möglichst systematische Beschreibung der Mobilitätsvorgänge zwischen den Staaten erstellt. Transnationale Migrationen innerhalb Zentraleuropas wurden in ihrem lokalen Kontext verortet und die demographischen sowie sozialen und wirtschaftlichen Charakteristika der MigrantInnen der Gesamtbevölkerung gegenüber gestellt. Angelehnt an neuere Diskussionen in der internationalen Migrationsforschung versteht unsere Forschungsgruppe europäische Wanderungen als Teil von miteinander in Verbindung stehender Migrationsprozesse, die in den sozialen Strukturen der Ausgangs- und Zielregionen verankert werden müssen. Damit konnten veraltete Forschungsansätze, wie etwa die Annahme, dass zu Ende des 19. Jahrhunderts die Hauptmigrationsroute nach Amerika führte, widerlegt werden. Neue Zusammenhänge zwischen sich verändernden Migrationsmustern konnten aufgezeigt werden. Zum ersten Mal wurden systematisch Daten zu historischen Wanderungen aus der Habsburgermonarchie in andere Staaten Zentraleuropas erhoben. Im Gegensatz zu älteren Studien, war unser Fokus nicht auf isolierte Migrationsvorgänge gerichtet, sondern die Gesamtheit unterschiedlicher Migrationsmuster auf der Ebene der Provinzen, wenn möglich auch auf der Ebene von politischen Bezirken, sollten in den Blickwinkel gerückt werden. Dieser Ansatz mündete einerseits in einem wesentlich komplexeren Bild transnationaler Wanderungen und andererseits in neuen Erkenntnissen eines übernationalen Migrationsprozesses. Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse Einfluss auf weitere und auch aktuelle Studien von SoziologInnen und BevölkerungswissenschafterInnen haben werden. Die Erforschung historischer Migrationsvorgänge ist von wesentlicher Bedeutung für das Verständnis aktueller Wanderungsbewegungen. Die Erkenntnisse, dass auch im 19. Jahrhundert Wanderungen keine Zeichen von wirtschaftlichen Krisen waren und Industrialisierung keinesfalls Entwurzelungen auslöste, konnten einmal mehr bestätigt werden. Migrationen fanden vielmehr in einem Raum von Möglichkeiten statt, der fast allen BewohnerInnen der Monarchie offen stand. Während einige Migrationsrouten eine lange Tradition über Jahrhunderte hatten, sind im Untersuchungszeitraum auch neue Wege entstanden. Dennoch sollten historische Kontinuitäten nicht überbewertet werden. Unser Projekt träge ebenfalls zu aktuellen Debatten internationaler Migrationen bei, insofern dass vorgeblich allgemein gültige Erkenntnisse einer Überprüfung unterzogen wurden.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Klaus Tenfelde, Ruhr-Universität Bochum - Deutschland
  • Dirk Hoerder, Universität Bremen - Deutschland
  • Andreina De Clementi, Universita degli studi di Napoli - Italien
  • Adam Walaszek, Uniwersytet Jagiellonski - Polen
  • Tibor Frank, Eötvös Loránd University - Ungarn

Research Output

  • 18 Zitationen
  • 4 Publikationen
Publikationen
  • 2022
    Titel Cilgavimab/Tixagevimab as alternative therapeutic approach for BA.2 infections
    DOI 10.3389/fmed.2022.1005589
    Typ Journal Article
    Autor Dichtl S
    Journal Frontiers in Medicine
    Seiten 1005589
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Immune Responses Against SARS-CoV-2 WT and Delta Variant in Elderly BNT162b2 Vaccinees
    DOI 10.3389/fimmu.2022.868361
    Typ Journal Article
    Autor Jäger M
    Journal Frontiers in Immunology
    Seiten 868361
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Co- but not Sequential Infection of DCs Boosts Their HIV-Specific CTL-Stimulatory Capacity
    DOI 10.3389/fimmu.2019.01123
    Typ Journal Article
    Autor Schönfeld M
    Journal Frontiers in Immunology
    Seiten 1123
    Link Publikation
  • 2021
    Titel SARS-CoV-2–infected primary human airway epithelia illustrate mucus hypersecretion
    DOI 10.1016/j.jaci.2021.05.047
    Typ Journal Article
    Autor Posch W
    Journal Journal of Allergy and Clinical Immunology
    Seiten 909
    Link Publikation

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