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Situationsbedingte Selbstkonzeptaktivierung

Context dependent activation of gender role self-concept

Ursula Athenstaedt (ORCID: 0000-0003-3142-5506)
  • Grant-DOI 10.55776/P17658
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.02.2005
  • Projektende 31.01.2009
  • Bewilligungssumme 113.558 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Psychologie (100%)

Keywords

    Gender roles, Self-Concept, Status, Communication Behavior, Small Groups

Abstract Endbericht

Ein Schwerpunkt sozialpsychologischer Selbstkonzeptforschung liegt in der Erfassung von Zusammenhängen zwischen momentan aktiviertem Selbstwissen und individuellem Verhalten. Kognitionspsychologische Ansätze gehen davon aus, dass Selbstwissen in Form eines Assoziativen Netzwerkes im Gedächtnis repräsentiert ist. Momentan aktiviertes Selbstwissen resultiert aus der chronischen Verfügbarkeit und aus der situationsbedingten Aktivierung. Herkömmliche Persönlichkeitsfragebögen können als Instrumente zur Selbstkonzeptmessung angesehen werden. Zahlreiche Untersuchungen zeigten, dass Messungen dieser Instrumente in Abhängigkeit vom Kontext variieren können. Geschlechtsrollen-Selbstkonzept ist ein Teil unseres Selbstwissens, der gesellschaftliche Geschlechtsstereotype beinhaltet. Die Forschung hat gezeigt, dass Personen über zwei von einander unabhängige Selbstkonstrukte verfügen, ein feminines (FEM) und ein maskulines (MASC) Rollenselbstkonzept. Eigene Studien der Antragstellerin haben gezeigt, dass FEM und MASC in Abhängigkeit vom Kontext (Statusposition innerhalb einer Gruppe, Geschlecht der Interaktionspartner) variieren können. Ziel der geplanten Studien ist es momentane Selbstkonzeptaktivierung nicht nur mittels Fragebogenerhebung zu messen sondern zusätzlich über Reaktionszeitmessungen. Im Weiteren sollen Zusammenhänge zwischen Aktivierung von FEM und MASC mit beobachtetem Verhalten von Personen, die in Gruppen mit unterschiedlicher Größe interagieren, untersucht werden. Auswirkungen des Status der Gruppenmitglieder und der Geschlechtstypikalität zu bearbeitender Aufgaben für Zusammenhänge zwischen Geschlechtsrollen-Selbstkonzept und Verhalten sollen zusätzlich analysiert werden. In vier Studien werden folgende Forschungsziele verfolgt: (1) In Studie 1 soll die Reliabilität und Validität der Selbstkonzepterhebung am Computer überprüft werden. (2) Studie 2 untersucht den Einfluss des eigenes Status innerhalb einer Dyade und dem Geschlecht der Interaktionspartners auf die Aktivierung von FEM und MASC. (3) Das Ziel von Studie 3 ist die Untersuchung des Einflusses von Geschlechtstypikalität der Geprächsthemen und dem Geschlecht des Interaktionsparnters auf die Aktivierung von FEM und MASC sowie auf den Zusammenhang zwischen Selbstkonzeptaktivierung und beobachtetem Kommunikationsverhalten. (4) In Studie 4 werden 4- Personen Gruppen an Stelle von Dyaden untersucht. Ziel ist es die Ergebnisse von Studie 2 und Studie 3 auf größe Gruppen zu generalisieren und den Zusammenhang zwischen Statuspositionen innerhalb der Gruppen, sowie der Gruppensammensetzung (gleich- vs. gemischtgeschlechtlich) und der Geschlechtstypikalität einer Gruppenaufgabe mit der Aktivierung von FEM und MASC aufzuzeigen.

Das Projekt untersucht, inwieweit Geschlechtsrollen-Selbstkonzept (GRS) sich in Abhängigkeit von Situationsaspekten verändert und welche Bedeutung GRS für Kommunikationsverhalten hat. GRS wird darüber definiert, wie viele Eigenschaften bzw. Verhaltensweisen, die allgemein als eher typisch für Männer oder für Frauen gelten, Personen sich selbst zuschreiben. Feminines und maskulines Selbstkonzept sind zwei von einander unabhängige Teile des GRS, über die sowohl Frauen als auch Männer verfügen, wobei Männer sich maskuliner und weniger feminin beschreiben als Frauen. In einem ersten Schritt des Projektes wurde ein computerisierter Fragebogen entwickelt, mit dem nicht nur Selbstbeschreibungen erfragt sondern auch Reaktionszeiten erhoben werden. Es zeigt sich, dass Personen Eigenschaften und Verhaltensweisen umso schneller zustimmen je mehr solche sie sich zuschreiben. Reaktionszeiten können daher als Maß für die Zugänglichkeit (Aktivierung) eines Selbstkonzeptes dienen. In drei Studien wurde gezeigt, dass GRS sich in Abhängigkeit von Aspekten der Situation (Aktivierungsquellen) verändert. Für die Aktivierung von maskulinem Selbstkonzept ist vor allem der relative Status entscheidend - allerdings nur dann, wenn die höhere Statusposition nicht über externe Kriterien (z.B. bessere Eignung) legitimiert ist. Für die Aktivierung des femininen Selbstkonzeptes ist das Partnergeschlecht in Interaktion mit dem eigenen Geschlecht wichtig. Die Aktivierung zeigt an, inwieweit sich eine Person während der Interaktion um eine gute Beziehung bemüht. GRS-Aktivierung zeigte sich in beiden GRS-Massen, den Selbstbeschreibungen und Reaktionszeiten. Zum Beispiel stimmten statushohe Personen nach der Interaktion maskulinen Eigenschaften und Verhaltensweisen schneller zu als vor der Interaktion. Das Kommunikationsverhalten hängt einerseits von der generellen Ausprägung des GRS ab (z.B. sprechen Frauen und Männer umso mehr je maskuliner sie sich vor der Kommunikation beschrieben). Zusätzlich konnten wir zeigen, dass Kommunikationsverhalten selbst im Zusammenhang mit GRS-Aktivierung steht, wobei hier nicht nur das eigene Verhalten sondern auch das des Partners eine Rolle spielt. Als Nebenprodukt der Untersuchungen konnten wir Geschlechtsunterschiede für feminines Kommunikationsverhalten (soziale Unterstützer, abschwächende Ausdrucksweise, Nicken) zeigen. Maskulines Kommunikationsverhalten (Sprechen, Unterbrechen, visuelle Dominanz) ist wesentlich vom Status der Personen aber nicht von deren Geschlecht bestimmt. Zusammengefasst zeigten die Ergebnisse, dass GRS veränderbar ist und dass diese Veränderungen im Zusammenhang mit Situation und Verhalten stehen. Die Prozesse sind im Wesentlichen für Frauen und Männer gleich. Für das Verständnis von Kommunikationsverhalten ist GRS bedeutsam unabhängig vom Geschlecht der jeweiligen Person.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Graz - 100%

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