Monographie: Der österreichische Schriftsteller Fritz Habeck
Monography: The Austrian writer Fritz Habeck
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (25%); Philosophie, Ethik, Religion (20%); Soziologie (15%); Sprach- und Literaturwissenschaften (40%)
Keywords
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Fritz Habeck,
Ernest Hemingway,
Austrian Postwar Literature,
War Literature,
Existentialism
Fritz Habeck (1916-1997) ist einer der wenigen ernsthaften Existentialisten der österreichischen Literatur nach 1945, die er maßgeblich mitgeprägt hat. Dennoch hat sich die germanistische Forschung noch kaum mit Werk und Autor auseinander gesetzt. Das ist erstaunlich, weil sein Werk ein einzigartiges Zeitzeugnis zur Ära des Österreichischen Wiederaufbaus darstellt - z.B. seine als die "österreichischen Buddenbrocks" gefeierte Familiensaga "Der Ritt auf dem Tiger". Habecks Person ist ein Paradigma für alle ungelösten Widersprüche der österreichischen Nachkriegszeit, die sich hier exemplarisch personifizieren und literarisch manifestieren: Einerseits repräsentiert er das geistige Klima der sich an konservativen Werten orientierenden Kulturpolitik des österreichischen Wiederaufbaus, andererseits ist in seinem Werk der Einfluss des französischen Existentialismus deutlich erkennbar. Hinter Habecks literarischem Selbstverständnis stand jene realistische Erzähltradition in der österreichischen Literatur, von der sich die experimentell avantgardistische Literatur der 1960er Jahre absetzte. In diesem Spannungsfeld ist das Werk Habecks besonders interessant, weil er sich weigerte, im Sinne des herrschenden "Zeitgeistes" traditionelle Werte zu propagieren. Der Einfluss Ernest Hemingways auf die österreichische Literatur der 1950er Jahre ist noch wenig erforscht. Die Darstellung der Geschichte von Habecks lebenslanger geistiger Beziehung zu Hemingway und der Konsequenzen für Leben und Werk Habecks bietet die Möglichkeit, dieses Forschungsdefizit auszugleichen. Der Autor sagte zur Bedeutung von Hemingways Tod: "Es war, als ob ein Bruder gestorben wäre." Ziel des Projekts ist eine Monographie zu Leben und Werk Fritz Habecks. Das Hauptinteresse gilt der Darstellung der historisch soziokulturellen Kontexte dieses Schriftstellerlebens, das mit allen Epochen der jüngeren österreichischen Geschichte zu tun hat. Fritz Habeck steht an der Schnittstelle von zeithistorischen (Wiederaufbau, Vergangenheitsbewältigung), literarhistorischen (Realismus versus Avantgarde) und philosophischen (Wertediskussion, Existenzialismus) Fragestellungen. Daraus ergibt sich ein methodischer Ansatz, der die zitierten Wissenschaftsfelder verbindet. Dadurch werden Desiderate der bisherigen Forschung zur österreichischen Literatur- und Zeit- bzw. Mentalitätsgeschichte aufgearbeitet.
Fritz Habeck (1916 - 1997) ist ein nachhaltig von seiner Kindheit und Jugend im österreichischen Ständestaat geprägter Schriftsteller, der sich durch das Erlebnis der nationalsozialistischen Diktatur sozialistischen Ideen verpflichtet fühlte, dabei zeitlebens beeinflusst von seinem Vater Karl, einem bekennenden Sozialdemokraten, im austro-faschistischen Regime bekannt als der "rote Richter". Habeck schrieb 36 Romane, die bekanntesten Titel sind Der Scholar vom linken Galgen (1941) über Francois Villon, der Anti-Kriegsroman Das Boot kommt nach Mitternacht (1951) und der von der Kritik als die "österreichischen Buddenbrocks" gefeierte Roman Der Ritt auf dem Tiger (1958), der als sein Hauptwerk gilt. Wandel und Verfall von Werten, Familie als Lebensform, Krieg als ultimative Katastrophe, Geschichte als Medium gegenwärtiger Sinnstiftung, die Auseinandersetzung mit seinem Brieffreund Hemingway und mit der mehr legendär als historisch gesicherte Person des Dichters, Rebellen und Vaganten Francois Villon (1431-1463) sind die Lebensthemen von Fritz Habeck, der in seinen Texten keine definitiven Antworten gibt. Während in den frühen, historischen Romanen der Einfluß französischer Existenzphilosophie (Camus, Sartre) deutlich erkennbar ist - als Bemühen, ein Gegenkonzept zu den durch die Kriegserfahrung motivierten, nihilistischen Strömungen der fünfziger Jahre zu entwickeln -, erscheint Habecks Existentialismus später geprägt von Sören Kierkegaards Hauptwerk Entweder - Oder. Auch Habeck entwickelt in seinen großen, dialogisch strukturierten Thesen-Romanen konkurrierende Weltbilder. Die Texte sind aufge-laden mit vielschichtiger Realität, Habeck geht es um die "Wahrheit" und die Pflicht zum Kampf gegen Zeitgeist und Geschichtsverlust. In Opposition zu einer jüngeren avantgardistischen Autorengeneration glaubte Habeck an die Veränderbarkeit der Welt durch sein Schreiben. Aktualität und Gültigkeit erfährt Habecks Gesamtwerk durch seinen paradigmatischen Charakter in Hinblick auf den Status sogenannter "realistischer" Literatur sowie durch die Spannung zwischen (realistischen) Verfahren und den Mechanismen des literarischen Marktes.