Kaiser Friedrich III. und König Matthias von Ungarn
Emperor Friedrich III. and the King Matthias of Hungary
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (90%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (10%)
Keywords
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Kaiser Friedrich III (1440-1493),
König Matthias Corvinus von Ungarn,
Spätmittelalter,
Diplomatie,
Außenpolitik
Die Regierungsjahre 1475 bis 1485 Kaiser Friedrichs III. (gestorben 1493) waren im Osten seines Herrschaftsgebietes durch seine Differenzen mit König Matthias Corvinus von Ungarn (gestorben 1490) gekennzeichnet: Ausgehend von der Situation, daß beide von unterschiedlichen Parteien zum König von Ungarn gewählt worden waren, verschärfte sich das ohnehin bereits gespannte Verhältnis zwischen den beiden Fürsten, das sich während des zu untersuchenden Zeitraumes insofern noch zuspitzte, als Matthias Corvinus sich um die Königskrone von Böhmen bemühte und in den 1470er Jahren weite Teile Ostösterreichs einschließlich der von Friedrich III. bevorzugten Aufenthaltsorte Wien und Wiener Neustadt eroberte. Ziel dieses Projektes ist eine neue Analyse des Verhältnisses zwischen dem in seinen Entscheidungen oftmals gebundenen Kaiser und dem wendigen König von Ungarn aus einer bisher wenig beachteten Perspektive. Hierbei sollen die von beiden Seiten eingesetzten Herrschaftsinstrumente in Sicht gebracht werden. Dahingehende Studien korrelieren mit der in der internationalen Mediävistik derzeit eifrig diskutierten Frage nach dem "auswärtigen Handeln", nach den "außenpolitischen Beziehungen" im Spätmittelalter. Denn im Zuge der Erreichung seiner ambitionierten Ziele - des Machtausbaus und der Expansion seines Herrschaftsgebietes - dienten interregionale Bündnisgeflechte beispielsweise dem geschickt taktierenden Ungarnkönig dazu, Verbündete gegen seinen Widersacher ebenso wie gegen die von Osten ankommenden, die Außengrenzen Ungarns und des römisch- deutsche Reichs bedrohenden Türken zu gewinnen. Gleichzeitig bietet sich aber auch der Vergleich zwischen der Regierungsführung des nunmehr betagten Kaisers und seines jungen, nach der Reichskrone strebenden Konkurrenten an, der aufgrund seiner modern anmutenden, erfolgreichen Reformen in den Bereichen Verwaltung, Finanzen und Militär in der Sekundärliteratur als "Renaissancefürst" bezeichnet wird. Als Basis für diese Untersuchungen bedarf es der Konsultation neuer, bisher unbekannter und unveröffentlichter Quellen. Diese Grundlage wird durch die Fortsetzung der schon in mehreren Bänden vorliegenden chronologischen Reihe der Regesten Kaiser Friedrichs III. aus ausgewählten Beständen des Haus-, Hof- und Staatsarchivs in Wien gewährleistet. Das hier beschriebene Projekt ist damit eingebunden in die Arbeitsgruppe "Regesten Kaiser Friedrichs III." des international tätigen und renomierten Großunternehmen "Regesta Imperii".
Mit dem Projekt "Kaiser Friedrich III. und König Matthias von Ungarn" konnte die Bearbeitung und Herausgabe von Urkunden aus dem Haus- Hof- und Staatsarchiv (HHStA) zu Wien innerhalb des international angelegten Großunternehmens der Regesta Imperii "Regesten Kaiser Friedrichs III. (1440-1493) nach Archiven und Bibliotheken geordnet" für die Jahre 1470-1479 fortgesetzt werden. Cca. 1.700 Urkunden wurden gesichtet sowie kritisch ausgewählte Schriftstücke bearbeitet und 620 wissenschaftlich fundierte Regesten erstellt, die zukünftig in Form zweier Regestenbände und als open access online (www.regesta-imperii.de) der wissenschaftlichen Nutzung zur Verfügung stehen. Damit wurde ein für die Regentschaft Kaiser Friedrichs III. wichtiger Quellenbestand weiterbearbeitet, der deshalb innerhalb des Unternehmens der Regesten Kaiser Friedrichs III., in dem bisher Urkunden dieses Herrschers aus Archiven und Bibliotheken Deutschlands, Tschechiens, Polens und auch der Niederlande zusammengetragen wurden, eine wesentliche Rolle spielt, weil es sich hierbei in weiten Teilen um das Hausarchiv der Habsburger handelt und deshalb auch eine große Anzahl von Schreiben enthält, die an Friedrich III. gerichtet sind. Somit konnte die Quellengrundlage für die Erforschung der spätmittelalterlichen Reichs-, Landes- wie auch Regionalgeschichte Österreichs und seiner angrenzenden Staaten wesentlich erweitert werden. Das bisher weitgehend unbekannte Material hat eine breite thematische Streuung und bietet neue Forschungsgrundlagen und- impulse nicht nur für Mittelalterhistoriker und Landesforscher, sondern interdisziplinär auch für die Kirchen-, Rechts-, Wirtschafts-, Sozial-, Kunst-, Mentalitäts- und Diplomatiegeschichte und trägt zur weiteren Erforschung des Spätmittelalters bei, die sich seit Jahren zunehmender Interessen von Fachleuten wie auch interessierter Laien erfreut. Wichtige Ereignisse dieser Jahre waren beispielsweise die Verheiratung des Kaisersohns Maximilian mit der Tochter und Alleinerbin des Herzogs von Burgund, Maria, durch die 1477 dem Haus Habsburg das sogenannte burgundische Erbe gesichert werden konnte, oder das ebenfalls 1477 zwischen Kaiser Friedrich III. und König Matthias von Ungarn abgeschlossene Vertragswerk, das die Zwietracht zwischen beiden Herrschern zwar langfristig nicht beenden konnte, aber mittels der darin getroffenen Verabredungen einen umfassenden Einblick sowohl in die Geschichte der spätmittelalterlichen Reichs wie auch in die Auseinandersetzungen, die Friedrich III. als Landesherr mit zahlreichen aufständischen Adligen Österreichs ausfechten mußte, bietet. Einen ersten Schritt zur Auswertung des Materials nach modernen Forschungskriterien konnten die Bearbeiter durch die Erstellung der Einleitungen der einzelnen Regestenbände und mittels einer ausführlichen thematischen Studie zum Konflikt zwischen König Matthias von Ungarn und Kaiser Friedrich III. vollführen. Darüber hinaus konnte durch das Projekt ein Beitrag zur Sicherheitsverfilmung des Urkundenbestandes des HHStA zu Wien geleistet werden, da von allen unter Aufsicht der Projektmitarbeiter erstellten Urkundenscans Kopien an das Archiv weitergegeben wurden, somit die Urkunden im Archiv künftig am Bildschirm gelesen werden können und nicht mehr zwangsläufig einer auf Dauer schädlichen unmittelbaren Nutzung ausgesetzt sind.