Struktureller Ausdruck von großen Rotationen in den Alpen
Structural expression of large rotations: the Alpine example
Wissenschaftsdisziplinen
Geowissenschaften (100%)
Keywords
-
Paleomagnetism,
Paleogeography,
Brittle deformation,
Kinematics of nappes
Mit paläomagnetischen Methoden kann die Nordrichtung in Gesteinen zur Zeit ihrer Entstehung gemessen werden. Bei der Kontinentaldrift wandern Kontinente über die Erdkugel und drehen sich dabei auch um senkrechte Achsen. Deswegen ändert sich über geologische Zeiträume die Nordrichtung relativ zu den Gesteinen. Solche Änderungen sind charakteristisch für Kontinente und werden in Kurven dargestellt. Messungen der Nordrichtung in Gesteinsabfolgen der Ostalpen aus den letzten 200 Millionen Jahren zwischen nördlichem und südlichem Alpenvorland haben an wenigen Stellen die oben geschilderten Zugehörigkeiten zur adriatischen bzw. europäischen Platte bestätigt. Zusätzlich wurden oft Richtungen gemessen, die sich keiner bekannten Kurve zuordnen lassen. Die jüngere Gruppe dieser magnetischen Richtungen zeigt heute nach Nordwesten und wurde in Gesteinen gefunden die mehr als 5 Millionen Jahre alt sind, die ältere Gruppe zeigt nach Nordosten und tritt in Gesteinen mit Altern von 30 Millionen Jahren und mehr auf. Die meisten dieser alten Nordrichtungen wurden den Gesteinen NACH ihrer Entstehung, und oft auch nach ihrer Verfaltung aufgeprägt (sekundäre Richtungen). Die jüngere Gruppe sekundärer Magnetisierungen verschwindet nach Norden an der vordersten Überschiebung der Alpen. Die Geometrie der Überschiebungen aus seismischen Bildern des Untergrunds zeigen, dass an dieser Überschiebung wenige Kilometer an horizontaler Verkürzung stattfanden, was eine Drehung der Ostalpen um 25 im Gegenuhrzeigersinn ausschließt. Auch für die ältere Gruppe sekundärer Magnetisierungen ergeben sich solche Probleme. Wir müssen uns daher die Frage stellen, ob es nicht einen Prozess gibt, der solche Nordrichtungen vortäuscht, oder ob die Vergleichsdaten falsch sind. Unabhängig vom Verständnis der Entstehung dieser sekundären Magnetisierungen eröffnet sich die Möglichkeit, zu bestimmen, ob Falten vor oder nach einer der sekundären Magnetisierungen entstanden sind, und damit die Falten relativ zu datieren. Die Untersuchung der Überschiebungs- und Faltengeometrien in der Subalpinen Molasse, dem nördlichsten Teil der Alpen hat gezeigt, dass die alpinen Überschiebungen bis vor ca. 9 Millionen Jahren nach außen wanderten und, noch jüngere Überschiebungen aber innerhalb des Gebirges entstanden. Damit konsistent ist auch die Beobachtung, dass im inneren Teil der Alpen (Helvetikum) Falten auftreten, in denen die jüngere sekundäre Magnetisierung durch Faltung verkippt ist.
- Universität Innsbruck - 55%
- Montanuniversität Leoben - 45%
- Robert Scholger, Montanuniversität Leoben , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Herbert Scholz, Technische Universität München - Deutschland
- Dario Zampieri, Università degli studi di Padova - Italien
- Reinhard Hesse, McGill University - Kanada
- Vincenzo Picotti, ETH Zürich - Schweiz
Research Output
- 54 Zitationen
- 1 Publikationen
-
2015
Titel Geometry, amount, and sequence of thrusting in the Subalpine Molasse of western Austria and southern Germany, European Alps DOI 10.1002/2014tc003550 Typ Journal Article Autor Ortner H Journal Tectonics Seiten 1-30