Bedeutung des Viren-Planktons in Fluss-Au-Systemen
Virioplankton in a river-floodplain system
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (100%)
Keywords
-
Virus,
Potamoplankton,
Floodplain,
Microbial carbon cycle
Viren sind in aquatischen Systemen die zahlreichsten "Lebensformen" und scheinen nachhaltigen Einfluss auf das Phyto-, Bakterioplankton sowie auf Kohlenstoff- und Nährstoffflüsse zu haben. Viren können sowohl lytisch (die Wirtszellen auflösend) als auch lysogen (in der Wirts-DNA eingebaut ohne sofortige Lysis) sein, wobei noch Unklarheit über die relative ökologische Bedeutsamkeit dieser beiden Strategien herrscht. Forschung aus marinen Lebensräumen konnte zeigen, dass virale Lysis deutlichen Einfluss auf Kohlenstoffzyklen haben kann, indem Zellen in "gelöstes" organisches Material umgewandelt werden. Da in Fließgewässern meist der größte Anteil des Kohlenstoffs schlecht bioverfügbar ist (z.B. Huminstoffe), könnte hier solch "frischer", gut verwertbarer Kohlenstoff von besonderer Relevanz sein. Die Bedeutung von Interaktionen zwischen Viren- und Bakterienplankton in Fließgewässern ist bisher wenig untersucht, und der Einfluss viraler Lysis auf den Kohlenstoffkreislauf in Flusssystemen ist weitgehend unbekannt. Flussauen erhöhen die Heterogenität eines Flusssystems, wobei vorallem die hydrologische Konnektivität (Anbindung) mit dem Hauptstrom ein wesentlicher Faktor für laterale Austauschprozesse ist, der die biologischen Prozesse im gesamtem System steuert. Die meisten großen Flüsse Europas zählen durch Veränderungen im Einzugsgebiet, durch Verschmutzung, Regulierung usw. zu den am stärksten veränderten Ökosystemen unserer Erde. Die geplante Untersuchung soll dazu beitragen, Struktur und Funktion der mikrobiellen Gemeinschaft sowie den Kohlenstofffluss in vom Menschen beeinflussten Fließgewässern besser zu verstehen indem folgende Punkte untersucht werden: - Einfluss variabler Hydrologie (auch Flutereignisse) auf Viren-bedingte Mortalität von Bakterien - Einfluss variabler Hydrologie auf den Anteil lysogener Viren in Prokaryoten (Bakterien) - Auswirkung viraler Lysis des Bakterienplanktons auf den mikrobiellen Kohlenstofffluss in verschiedenen Auabschnitten unter variablen (auch anthropogen veränderten) hydrologischen Bedingungen - Einfluss variabler Hydrologie auf die Struktur der Bakterien- und Virengemeinschaften Das geplante Projekt kombiniert wichtige Fragestellungen der Fließgewässerökologie mit aktuellen Themen der mikrobiellen Ökologie und sollte daher einen signifikanten Beitrag auf dem Gebiet der aquatischen Ökologie leisten.
Viren sind die zahlreichsten "Lebenszeichen" in aquatischen Systemen, beeinflussen ihre Hauptwirte (Phytoplankton, Bakterioplankton) und möglicherweise den Kohlenstoff- und Nährstoffkreislauf. Sie können entweder in lytischer (ihre einzelligen Wirte sofort tötend) oder in lysogener Form auftreten (latente Infektion), über die relative Bedeutung dieser beiden Strategien ist aber wenig bekannt. Wenn Viren ihre Wirtszellen lysieren setzen sie dabei gelöstes, organisches Material frei und beeinflussen damit den Kohlenstoffkreislauf. Unsere Studie bestärkt die Ansicht, dass solch bakteriell gut umsetzbarer Kohlenstoff speziell in Flusssystemen (mit typischerweise altem, schlecht umsetzbarem Kohlenstoff) von besonderer Bedeutung im Stoffkreislauf ist. Zum ersten Mal wurden in solch einem Fluss-Ausystem typische Infektionsfrequenzen und saisonale Effekte dargestellt. Es gibt Hinweise, dass während Flutereignissen die Aktivität der Bakterien überwiegend physikalisch (Temperatur, Wasserführung usw.) gesteuert ist, während bei niedrigerem Wasserstand biologische Faktoren (eben auch z.B. virale Lyse) wichtige steuernde Faktoren sind. Bei hoher Wasserführung wurde eine auffällig niedrige, Viren-verursachte Mortalität der Wirtszellen beobachtet. Das Verhältnis zwischen lytisch und lysogen infizierten Zellen ist offenbar sehr variabel. Eine erhöhte Anbindung von Auabschnitten an den Hauptstrom hat das Potential, den mikrobiellen Kohlenstoffkreislauf zu beeinflussen, indem die bakterielle Produktion und damit auch die Vireninfektionen erhöht sind. Auf diese Weise verschiebt sich die Rolle der Bakterien von der Brückenfunktion zu höheren Organismen (als konsumierbare Mikronahrung) in Richtung verstärkter Remineralisation und CO 2 - Produktion. In diesem Zusammenhang wurde auch das Vorhandensein von Schwebstoffen im Gewässer als wichtig erkannt. Wenn solche Partikel mit einem erhöhten organischen Anteil häufiger sind, haften mehr Viren an diesen Schwebstoffen, weniger sind frei im Wasserkörper. Diese Schwebstoffe scheinen also freie Viren aus dem Wasser zu entfernen. Die meisten unserer Resultate stellen neue, einzigartige wissenschaftliche Befunde für die Fluss- und Binnengewässerökologie dar. Wir sind zuversichtlich, dass dies ein wichtiger Beitrag zum derzeitigen Verständnis mikrobieller Prozesse, Kohlenstoffflüsse und für die Ökologie von anthropogen beeinflussten Flüssen ist.
- Universität Wien - 100%
- Markus G. Weinbauer, Observatoire Océanologique - Frankreich
Research Output
- 305 Zitationen
- 11 Publikationen
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2013
Titel Origin, enzymatic response and fate of dissolved organic matter during flood and non-flood conditions in a river-floodplain system of the Danube (Austria) DOI 10.1007/s00027-013-0318-3 Typ Journal Article Autor Sieczko A Journal Aquatic Sciences Seiten 115-129 Link Publikation -
2009
Titel Online program ‘vipcal’ for calculating lytic viral production and lysogenic cells based on a viral reduction approach DOI 10.1111/j.1758-2229.2008.00008.x Typ Journal Article Autor Luef B Journal Environmental Microbiology Reports Seiten 78-85 Link Publikation -
2009
Titel Structure and Composition of Aggregates in Two Large European Rivers, Based on Confocal Laser Scanning Microscopy and Image and Statistical Analyses DOI 10.1128/aem.00186-09 Typ Journal Article Autor Luef B Journal Applied and Environmental Microbiology Seiten 5952-5962 Link Publikation -
2009
Titel Sources and composition of organic matter for bacterial growth in a large European river floodplain system (Danube, Austria) DOI 10.1016/j.orggeochem.2008.12.005 Typ Journal Article Autor Besemer K Journal Organic Geochemistry Seiten 321-331 Link Publikation -
2009
Titel Imaging and quantifying virus fluorescence signals on aquatic aggregates: a new method and its implication for aquatic microbial ecology DOI 10.1111/j.1574-6941.2009.00675.x Typ Journal Article Autor Luef B Journal FEMS Microbiology Ecology Seiten 372-380 Link Publikation -
2008
Titel Viruses, bacteria and suspended particles in a backwater and main channel site of the Danube (Austria) DOI 10.1007/s00027-008-8068-3 Typ Journal Article Autor Peduzzi P Journal Aquatic Sciences Seiten 186-194 Link Publikation -
2015
Titel Algal extracellular release in river-floodplain dissolved organic matter: response of extracellular enzymatic activity during a post-flood period DOI 10.3389/fmicb.2015.00080 Typ Journal Article Autor Sieczko A Journal Frontiers in Microbiology Seiten 80 Link Publikation -
2015
Titel Virus ecology of fluvial systems: a blank spot on the map? DOI 10.1111/brv.12202 Typ Journal Article Autor Peduzzi P Journal Biological Reviews Seiten 937-949 Link Publikation -
2009
Titel Effects of suspended matter quality and virus abundance on microbial parameters: experimental evidence from a large European river. DOI 10.3354/ame01341 Typ Journal Article Autor Kernegger L Journal Aquatic microbial ecology : international journal Seiten 161-173 Link Publikation -
2009
Titel Viral ecology of organic and inorganic particles in aquatic systems: avenues for further research. DOI 10.3354/ame01363 Typ Journal Article Autor Weinbauer M Journal Aquatic microbial ecology : international journal Seiten 321-341 Link Publikation -
2012
Titel Evaluation of confocal laser scanning microscopy for enumeration of virus-like particles in aquatic systems DOI 10.1007/s10661-012-2955-8 Typ Journal Article Autor Peduzzi P Journal Environmental Monitoring and Assessment Seiten 5411-5418 Link Publikation