Schmerzdarstellung und Krankheitserzählungen
The Representation of Pain and Illness Narratives
Wissenschaftsdisziplinen
Klinische Medizin (10%); Sprach- und Literaturwissenschaften (90%)
Keywords
-
Doctor-Patient Communication,
Pain representation,
Critical Discourse Analysis,
Transformation,
Gender
Schmerzen gehören zu den wichtigsten Krankheitssymptomen. Daher ist es nicht überra-schend, dass es im Rahmen der Diagnostikvon medizinischer Seite zahlreiche Systematiken und Taxonomien von Schmerzbeschreibungen gibt, die sich in detaillierten Fragebögen nieder-schlagen. Erstaunlich ist hingegen, dass von linguistisch-diskursanalytischer Seite kaum Unter-suchungen zu diesem Bereich existieren, obwohl die Arzt- Patient-Kommunikation seit Jahr-zehnten einen Schwerpunkt diskursanalytischer Forschung darstellt. Zur Beseitigung bisheriger Forschungsdefizite werden in diesem Projekt daher drei primäre Fragestellungen untersucht: Erstens soll eine empirisch fundierte systematische Beschreibung jener Verfahren erfolgen, die deutschsprachige Menschen tatsächlich benutzen, um Schmerzen unterschiedlichster Art und Qualität darzustellen, und zwar Präsentationsstrategien einerseits im Bereich des Lexikons, vor allem aber im Gebrauch von Metaphern, Metonymien und Umschreibungen. Zweitens soll der Frage nachgegangen werden, ob sich die Formen der Schmerzdarstellung von Frauen von denen von Männern unterscheiden. Ein diskursanalytisches Pilotprojekt (Menz et al. 2002) hat starke Hinweise geliefert, dass es diesbezüglich geschlechtsspezifische Unter-schiede gibt, die auch auf die Diagnose Auswirkungen haben können. Insbesondere die Einstel-lungen zu Gesundheit und Krankheit und die darauf beruhende Darstellung scheinen hier be-troffen zu sein. Drittens ist die Frage von Bedeutung, wie die Schmerzdarstellungen der PatientInnen in den institutionellen medizinischen Kontext übergeführt werden. Welche Transformationen und Kate-gorisierungen erfahren welche Formen der Schmerzdarstellung? Dieser Aspekt ist besonders wichtig, da hier die idiosynkratische Schmerzwahrnehmung kommunikativ mitgeteilt und eine Form der medizinischen Behandlung gebracht werden muss. Dazu werden Methoden und Verfahren der Wiener Schule der Kritischen Diskursanalyse einge-setzt und folgende Datenquellen herangezogen: - Schmerzdarstellungen von PatientInnen einer internistischen Station (bereits erhoben und großteils transkribiert) - Aufnahmen auf zwei unterschiedlichen Schmerzambulanzen des AKH (Kopfschmerz-ambulanz, Ambulanz der Klinik für physikalische Medizin und Rehabilitation) - Aufnahmen aus zwei neurologischen Stationen (Universitätsklinik für Neurologie) - Interviews mit ausgewählten PatientInnen und behandelnden ÄrztInnen Neben der Überprüfung der Forschungsfragen ist ein vordringliches Ziel der geplanten Studie, eine bessere Passung zwischen authentischen, tatsächlich verwendeten Verfahren der Schmerzbeschreibung durch PatientInnen mit den existierenden medizinischen Systematiken zur Krankheitsdiagnose zu erreichen.
Schmerzen gehören zu den wichtigsten Krankheitssymptomen. Daher ist es nicht überraschend, dass es im Rahmen der Diagnostik von medizinischer Seite zahlreiche Systematiken und Taxonomien von Schmerzbeschreibungen gibt, die sich in detaillierten Fragebögen niederschlagen. Erstaunlich ist hingegen, dass von linguistisch- diskursanalytischer Seite kaum Untersuchungen zu diesem Bereich existieren, obwohl die Arzt-Patient- Kommunikation seit Jahrzehnten einen Schwerpunkt diskursanalytischer Forschung darstellt. Zur Beseitigung bisheriger Forschungsdefizite werden in diesem Projekt daher drei primäre Fragestellungen untersucht: Erstens soll eine empirisch fundierte systematische Beschreibung jener Verfahren erfolgen, die deutschsprachige Menschen tatsächlich benutzen, um Schmerzen unterschiedlichster Art und Qualität darzustellen, und zwar Präsentationsstrategien einerseits im Bereich des Lexikons, vor allem aber im Gebrauch von Metaphern, Metonymien und Umschreibungen. Zweitens soll der Frage nachgegangen werden, ob sich die Formen der Schmerzdarstellung von Frauen von denen von Männern unterscheiden. Ein diskursanalytisches Pilotprojekt (Menz et al. 2002) hat starke Hinweise geliefert, dass es diesbezüglich geschlechtsspezifische Unterschiede gibt, die auch auf die Diagnose Auswirkungen haben können. Insbesondere die Einstellungen zu Gesundheit und Krankheit und die darauf beruhende Darstellung scheinen hier betroffen zu sein. Drittens ist die Frage von Bedeutung, wie die Schmerzdarstellungen der PatientInnen in den institutionellen medizinischen Kontext übergeführt werden. Welche Transformationen und Kategorisierungen erfahren welche Formen der Schmerzdarstellung? Dieser Aspekt ist besonders wichtig, da hier die idiosynkratische Schmerzwahrnehmung kommunikativ mitgeteilt und eine Form der medizinischen Behandlung gebracht werden muss. Dazu werden Methoden und Verfahren der Wiener Schule der Kritischen Diskursanalyse eingesetzt und folgende Datenquellen herangezogen: Schmerzdarstellungen von PatientInnen einer internistischen Station (bereits erhoben und Großteils transkribiert) Aufnahmen auf zwei unterschiedlichen Schmerzambulanzen des AKH (Kopfschmerz-ambulanz, Ambulanz der Klinik für physikalische Medizin und Rehabilitation) Aufnahmen aus zwei neurologischen Stationen (Universitätsklinik für Neurologie) Interviews mit ausgewählten PatientInnen und behandelnden ÄrztInnen Neben der Überprüfung der Forschungsfragen ist ein vordringliches Ziel der geplanten Studie, eine bessere Passung zwischen authentischen, tatsächlich verwendeten Verfahren der Schmerzbeschreibung durch PatientInnen mit den existierenden medizinischen Systematiken zur Krankheitsdiagnose zu erreichen.
- Universität Wien - 100%
- Elisabeth Fertl, Medizinische Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Peter Wessely, Medizinische Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Richard Crevenna, Medizinische Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Wolfgang Lalouschek, Medizinische Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Claudia Stöllberger, Wiener Gesundheitsverbund , assoziierte:r Forschungspartner:in