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Wachstumsmodelle mit strategischen Sparentscheidungen

Economic growth models with strategic saving decisions

Gerhard Sorger (ORCID: 0000-0003-4070-526X)
  • Grant-DOI 10.55776/P17886
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.04.2005
  • Projektende 31.03.2007
  • Bewilligungssumme 72.558 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Wirtschaftswissenschaften (100%)

Keywords

    Economic Growth, Strategic Saving, Macroeconomics, Game Theory

Abstract Endbericht

Im beantragten Projekt sollen bislang weitgehend unerforschte Modelle des Wirtschaftswachstums untersucht werden, in denen die Sparentscheidungen von strategisch interagierenden Wirtschaftssubjekten getroffen werden. Derartige Modelle sind einerseits von großem theoretisch/methodologischem Interesse, andererseits haben sie unter Umständen auch weitreichende Implikationen in der Entwicklungsökonomie. Es gibt zwei Gründe, warum Sparentscheidungen einen strategischen Aspekt aufweisen können. (i) Wirtschaftssubjekte können sich zu mächtigen Gruppen formieren (z.B., Gewerkschaften oder ethnische Gruppen), die den fiskalpolitischen Umverteilungsprozess und die aggregierte Ersparnisbildung durch Lobbying, politische Macht, Korruption, oder gewalttätige Enteignungen beeinflussen können. Dies ist insbesondere in Entwicklungsländern mit unzureichend entwickelten Eigentumsrechten relevant. (ii) Ein wohlbekanntes Resultat aus der intertemporalen allgemeinen Gleichgewichtstheorie besagt, dass in einer Wirtschaft mit unendlichem Zeithorizont und vollständigem Wettbewerb langfristig nur die geduldigsten Haushalte (oder Dynastien) Kapital besitzen. Dieses Resultat impliziert jedoch, dass zumindest langfristig die Annahme der vollständigen Konkurrenz auf dem Kapitalmarkt nicht erfüllt ist, weil letzterer als Oligopol organisiert ist (sofern es nur wenige Haushalte/Dynastien mit der geringsten Zeitpräferenz gibt). Wir wollen im Rahmen dieses Projektes vier ausgewählte Fragenbereiche untersuchen, die in Wachstumsmodellen mit strategischen Sparentscheidungen auftauchen. Zum ersten wollen wir Modelle untersuchen, in denen zwar einige der Wirtschaftssubjekte in mächtigen Gruppen organisiert sind, aber der Rest sich gemäß der Annahme der vollständigen Konkurrenz verhält. Zum zweiten wollen wir Wachstumsmodelle untersuchen, in denen die mächtigen Gruppen nicht ein Nash Gleichgewicht spielen, sondern eine Verhandlungslösung suchen. Drittens ist beabsichtigt, Wachstumsmodelle zu untersuchen, in denen die einzelnen Haushalte über jeweils spezifisches Kapital verfügen, sodass der Kapitalmarkt ein Markt mit monopolistischer Konkurrenz ist. Und viertens wollen wir strategische Gleichgewichte in Wachstumsmodellen unter der Annahme untersuchen, dass die Spieler Feedbackregeln wählen, die ihr Sparverhalten beschreiben (und nicht eine Folge von Kapitalstöcken).

Nahezu jedes intertemporale ökonomische Entscheidungsproblem beinhaltet die Abwägung zwischen Konsum und Ersparnisbildung. Typischerweise wird diese Entscheidung unter der Annahme studiert, dass die Entscheidungsträger so klein sind, dass ihre Einflüsse auf die ökonomischen Rahmenbedingungen (Zinssatz, Preise, aggregierte Nachfrage und aggregiertes Angebot, etc.) vernachlässigbar sind. In diesem Projekt haben wir jedoch Situationen untersucht, in denen die Sparentscheidungen jedes einzelnen Agenten das ökonomische Umfeld beeinflussen, und sich die Wirtschaftssubjekte dieses Einflusses auch bewusst sind. In solchen Situationen bekommen Sparentscheidungen eine strategische Komponente. Eines der untersuchten Modelle beschreibt die Ausbeutung einer Ressource durch zwei Agenten, die sich einmal pro Periode treffen, um ihre Ernteraten auszuhandeln, die aber keine über die jeweilige Periode hinausgehenden Bindungen eingehen können. Dieses Merkmal schließt dynamische Inkonsistenz aus (d.h. die Agenten haben keine Anreize, von bereits getroffenen Vereinbarungen wieder abzuweichen), führt aber typischerweise zu Ineffizienz (z.B., übermäßige Ausbeutung der Ressource). Unsere Resultate helfen beim Verständnis der jährlichen Festlegung von Fangquoten zwischen Fischereinationen, oder beim Verständnis der Übereinkommen zwischen mehreren Ländern betreffend die Verringerung des Kohlendioxidausstoßes. In einem anderen Modell haben wir die Rolle von Eigentumsrechten betrachtet. Falls diese ungesichert sind (wie es in manchen Entwicklungsländern der Fall ist), dann können mächtige Wirtschaftsteilnehmer sich den öffentlichen Kapitalstock aneignen und in Privateigentum umwandeln. In diesem Rahmen haben wir untersucht, wie sich Vermögenseffekte oder die Kosten der Aneignung auf das Gleichgewicht auswirken. Ein bemerkenswertes Ergebnis ist, dass eine Erhöhung der Aneignungskosten (z.B., Kosten der Geldwäsche) dazu führt, dass die Wachstumsrate des öffentlichen Kapitalstocks abnimmt. In einem weiteren Modell haben wir uns schließlich mit strategischen Sparentscheidungen beschäftigt, die dadurch entstehen, dass einige wenige Marktteilnehmer durch den Marktmechanismus selber in den Besitz des gesamten Vermögens kommen. In einer derartigen Situation werden die Grundannahmen des vollständigen Wettbewerbs verletzt und ein Modell mit strategischen Interaktionen gewinnt an Plausibilität. Wir konnten die sich daraus ergebende langfristige Vermögensverteilung in zwei unterschiedlichen Varianten dieses Modells charakterisieren. Obwohl diese Ergebnisse vorwiegend von theoretischem Interesse sind, so könnten sie doch relevant werden, wenn sich die Vermögensverteilung weiterhin so stark in Richtung der Ungleichheit entwickelt, wie das derzeit in vielen Ländern zu beobachten ist.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

Research Output

  • 38 Zitationen
  • 4 Publikationen
Publikationen
  • 2023
    Titel Rational Noncooperative Strategic Exploitation of Species in a Predator–Prey Ecosystem with Random Disturbances
    DOI 10.1007/s13235-023-00527-6
    Typ Journal Article
    Autor Koulovatianos C
    Journal Dynamic Games and Applications
    Seiten 57-77
  • 2013
    Titel Strategic exploitation of a common-property resource under uncertainty
    DOI 10.1016/j.jeem.2012.05.005
    Typ Journal Article
    Autor Antoniadou E
    Journal Journal of Environmental Economics and Management
    Seiten 28-39
    Link Publikation
  • 2009
    Titel Wealth distribution and aggregate time-preference: Markov-perfect equilibria in a Ramsey economy
    DOI 10.1016/j.jedc.2008.04.006
    Typ Journal Article
    Autor Pichler P
    Journal Journal of Economic Dynamics and Control
    Seiten 1-14
  • 2007
    Titel Risky educational investment and the dynamics of inequality
    DOI 10.1080/10236190601069028
    Typ Journal Article
    Autor Sorger G
    Journal Journal of Difference Equations and Applications
    Seiten 169-182

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