Leben mit Bildern in Ephesos und Ostia
Living with Images at Ephesos and Ostia
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (20%); Geschichte, Archäologie (80%)
Keywords
-
Klassische Archäologie,
Römische Wandmalerei,
Wohnbauforschung,
Kulturgeschichte,
Ephesos,
Ostia
Wandmalereien mit Bildern sind ständige Begleiter des Lebens im römischen Wohnhaus, in dem sie konkrete Themen vor Augen führen oder auch unbewußt Atmosphäre schaffen. Sie differenzieren Repräsentations-, Wohn- und Wirtschaftsbereiche und bilden gemeinsam mit der Architektur und weiteren Ausstattungselementen die Bühne der häuslichen Lebenswelt. Während dies in den vom Vesuv verschütteten Städten an zahlreichen Beispielen erforscht ist, standen bislang gut datierbare Wohnkomplexe mit Malerei der nachpompejanischen Zeit kaum zur Verfügung. Diese Situation hat sich in den letzten Jahren besonders in Ephesos im Osten und Ostia im Westen durch neue Forschungen stark gebessert, sowohl was die Qualität als auch die Quantität der Befunde betrifft. So konnten in Ephesos sechs Peristylhäuser aus der Insula des Hanghauses 2 erschlossen werden. In zusammenhängenden Raumgruppen sind in mehreren Schichten Wandmalereien erhalten, die zum Großteil bis vor kurzem stilistisch in die Spätantike datiert wurden. Jüngste Studien dagegen weisen sie dem frühen 2. bis fortgeschrittenen 3. Jh. zu und lassen für diesen Zeitraum ein differenziertes Bild des Wohngeschmacks und der einzelnen Etappen der kunstgeschichtlichen Entwicklung nachzeichnen. Ähnlich umfassend sind Wohnhäuser dieser Zeit samt ihrer Malereien bislang nur noch aus Ostia bekannt. Auch dort haben jüngste Forschungen für zahlreiche Wohnhäuser ein wesentlich klareres Bild der Chronologie und Entwicklung der Malerei ergeben. Neue Bauforschungen und Grabungen in den Case a Giardino lassen für die Wohnsituationen zwischen Domus und Luxusmietappartements Phasenfolge und differenzierten Anspruch der Malereien bestimmen. Wie in Ephesos gelingt es nun auch in Ostia, die bislang meist nur nach strittigen stilistischen Kriterien geordneten Malereien genauer und z.T. ganz anders zu datieren. Somit ist jetzt ein idealer Zeitpunkt, diese neuen Ergebnisse der Grundlagenforschung an zwei Zentren des römischen Reiches in einer vergleichenden Studie auszuwerten und die Art und Weise zu untersuchen, wie mit der Wandmalerei Wohn- und Lebensraum gestaltet wurde und sich im Laufe der Zeit in Ost und West das Bildrepertoire und die Dekorationssysteme verändern. Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Disposition der Malerei für Haupt- und Nebenräume, der Themenwahl für Repräsentations- und Wohnbereiche und der Struktur der Wandsysteme lassen lokale Vorlieben und zeitstilistische Charakteristika deutlich abgerenzen. Während bestimmte Wandsysteme und Ornamente sehr ortstypischen Charakter zeigen, bezeugen ähnliche Bildthemen oder der Verzicht auf figürliche Malerei in Repräsentationsbereichen zugunsten von Marmorverkleidungen gleiche Moden in Ost und West. Für das 2. und 3. Jh. gibt es bislang keine entsprechende Studie, da die Monumente nicht zur Verfügung standen und oft auch die Fortdauer der aus den Vesuvstädten bekannten Verhältnisse angenommen wurde. Die Untersuchung der Malerei im Wohnhaus leistet einen wesentlichen analytischen Beitrag zum Verständnis der kunsthistorischen Entwicklungen und Beziehungen der nachpompejanischen Wandmalerei, für die sie eine Gruppe von Leitmonumenten erschließt. Zugleich sucht sie einen innovativen Zugang zu weiterführenden kulturhistorischen und soziologischen Fragestellungen, indem sie das Verhältnis von Auftraggebern und Malern der Ausstattungen sowie von Besitzern und/ oder Bewohnern untersucht, die diese Häuser ihrer Lebensweise als angemessen empfanden. So kann versucht werden, den großen Veränderungen im römischen Reich des 2. und 3. Jhs. in zwei städtischen Zentren im Spiegel des privaten Wohnens und seiner Bilderwelt nachzugehen.
Wandmalereien mit Bildern sind ständige Begleiter des Lebens im römischen Wohnhaus, in dem sie konkrete Themen vor Augen führen oder auch unbewusst Atmosphäre schaffen. Sie differenzieren Repräsentations-, Wohn- und Wirtschaftsbereiche und bilden gemeinsam mit der Architektur und weiteren Ausstattungselementen die Bühne der häuslichen Lebenswelt. Während dies in den vom Vesuv verschütteten Städten an zahlreichen Beispielen erforscht ist, standen bislang gut datierbare Wohnkomplexe mit Malerei der nachpompejanischen Zeit kaum zur Verfügung. Diese Situation hat sich in den letzten Jahren besonders in Ephesos im Osten und Ostia im Westen durch neue Forschungen stark gebessert, sowohl was die Qualität als auch die Quantität der Befunde betrifft. So konnten in Ephesos sechs Peristylhäuser aus der Insula des Hanghauses 2 erschlossen werden. In zusammenhängenden Raumgruppen sind in mehreren Schichten Wandmalereien erhalten, die zum Großteil bis vor kurzem stilistisch in die Spätantike datiert wurden. Jüngste Studien dagegen weisen sie dem frühen 2. bis fortgeschrittenen 3. Jh. zu und lassen für diesen Zeitraum ein differenziertes Bild des Wohngeschmacks und der einzelnen Etappen der kunstgeschichtlichen Entwicklung nachzeichnen. Ähnlich umfassend sind Wohnhäuser dieser Zeit samt ihrer Malereien bislang nur noch aus Ostia bekannt. Auch dort haben jüngste Forschungen für zahlreiche Wohnhäuser ein wesentlich klareres Bild der Chronologie und Entwicklung der Malerei ergeben. Neue Bauforschungen und Grabungen in den Case a Giardino lassen für die Wohnsituationen zwischen Domus und Luxusmietappartements Phasenfolge und differenzierten Anspruch der Malereien bestimmen. Wie in Ephesos gelingt es nun auch in Ostia, die bislang meist nur nach strittigen stilistischen Kriterien geordneten Malereien genauer und z.T. ganz anders zu datieren. Somit ist jetzt ein idealer Zeitpunkt, diese neuen Ergebnisse der Grundlagenforschung an zwei Zentren des römischen Reiches in einer vergleichenden Studie auszuwerten und die Art und Weise zu untersuchen, wie mit der Wandmalerei Wohn- und Lebensraum gestaltet wurde und sich im Laufe der Zeit in Ost und West das Bildrepertoire und die Dekorationssysteme verändern. Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Disposition der Malerei für Haupt- und Nebenräume, der Themenwahl für Repräsentations- und Wohnbereiche und der Struktur der Wandsysteme lassen lokale Vorlieben und zeitstilistische Charakteristika deutlich abgrenzen. Während bestimmte Wandsysteme und Ornamente sehr ortstypischen Charakter zeigen, bezeugen ähnliche Bildthemen oder der Verzicht auf figürliche Malerei in Repräsentationsbereichen zugunsten von Marmorverkleidungen gleiche Moden in Ost und West. Für das 2. und 3. Jh. gibt es bislang keine entsprechende Studie, da die Monumente nicht zur Verfügung standen und oft auch die Fortdauer der aus den Vesuvstädten bekannten Verhältnisse angenommen wurde. Die Untersuchung der Malerei im Wohnhaus leistet einen wesentlichen analytischen Beitrag zum Verständnis der kunsthistorischen Entwicklungen und Beziehungen der nachpompejanischen Wandmalerei, für die sie eine Gruppe von Leitmonumenten erschließt. Zugleich sucht sie einen innovativen Zugang zu weiterführenden kulturhistorischen und soziologischen Fragestellungen, indem sie das Verhältnis von Auftraggebern und Malern der Ausstattungen sowie von Besitzern und/ oder Bewohnern untersucht, die diese Häuser ihrer Lebensweise als angemessen empfanden. So kann versucht werden, den großen Veränderungen im römischen Reich des 2. und 3. Jhs. in zwei städtischen Zentren im Spiegel des privaten Wohnens und seiner Bilderwelt nachzugehen.