Wiener Kinetismus 1920-25
Viennese Kinetism 1920-25
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (10%); Kunstwissenschaften (90%)
Keywords
-
Kinetism,
Women Artists,
Vienna,
Avant-Garde,
Franz Cizek,
Kunstgewerbeschule
Der "Wiener Kinetismus" kann als Österreichs einziger (Gruppen-)Beitrag zu den abstrakten, futuristischen und konstruktivistischen Tendenzen in der Zwischenkriegszeit angesehen werden - eine Avantgardebewegung, die aus dem Kontext der Kunstgewerbeschule (der jetzigen Universität für angewandte Kunst) heraus entstand: Der gebürtige Böhme Franz Cizek, Pionier einer neuen Kunstdidaktik für Kinder, exerzierte unmittelbar nach Ende des Ersten Weltkriegs im Rahmen der "ornamentalen Formenlehre" mit seinen StudentInnen in rascher Abfolge die Vorkriegs-Ismen Expressionismus, Kubismus und Futurismus durch. Im Mittelpunkt des auf diese Weise entwickelten "Kinetismus" (von griech. kinetis = Bewegung) standen die Auseinandersetzung mit der Rhythmik von Bewegung und das Zerlegen von Bewegungsabläufen. Obwohl in Beziehung zum französischen und tschechischen Kubismus, zum italienischen Futurismus, zum russischen Suprematismus und Konstruktivismus stehend, kann der Wiener Kinetismus durchaus als eigenständige, seriöse Bewegung qualifiziert werden. Interessanterweise wurde er in der Mehrzahl von jungen Frauen getragen: Erika Giovanna Klien, Marianne (My) Ullmann und Elisabeth Karlinsky bildeten das an Produktivität und Qualität führende Trio. Vor allem in den Jahren 1923-25 entstanden Arbeiten von beeindruckender Qualität: konstruktiv- abstrakte Kompositionen von zunehmender Strenge und Schärfe, die im Gegensatz zu den früheren expressiv- emotional gestimmten Arbeiten stehen. Während der Kinetismus in Wien auf keine breitere öffentliche Resonanz stieß, fand er in den 1920er Jahren international durchaus Anerkennung - allerdings stets im Rahmen von Cizeks reformpädagogischen Bestrebungen. Im Inland widerfuhr ihm ein "österreichisches" Schicksal: die Kollegen an der Kunstgewerbeschule lehnten ihn als "unwienerische" Moderne ab. Kaum über den schulischen Kontext hinaus bekannt geworden geriet der Kinetismus als innovativer Beitrag der Zwischenkriegszeit für Jahrzehnte völlig in Vergessenheit. Ziel des auf ein Jahr angelegten Forschungsvorhabens ist, den Wiener Kinetismus als eigenständige Avantgarderichtung im Österreich der Zwanzigerjahre in einem breiteren öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Eine Betrachtung aus feministischer Perspektive sowie die Untersuchung der Wechselbeziehungen zu internationalen Avantgardephänomenen stehen dabei im Vordergrund.
Der "Wiener Kinetismus" kann als Österreichs einziger (Gruppen-)Beitrag zu den abstrakten, futuristischen und konstruktivistischen Tendenzen in der Zwischenkriegszeit angesehen werden - eine Avantgardebewegung, die aus dem Kontext der Kunstgewerbeschule (der jetzigen Universität für angewandte Kunst) heraus entstand: Der gebürtige Böhme Franz Cizek, Pionier einer neuen Kunstdidaktik für Kinder, exerzierte unmittelbar nach Ende des Ersten Weltkriegs im Rahmen der "ornamentalen Formenlehre" mit seinen StudentInnen in rascher Abfolge die Vorkriegs-Ismen Expressionismus, Kubismus und Futurismus durch. Im Mittelpunkt des auf diese Weise entwickelten "Kinetismus" (von griech. kinetis = Bewegung) standen die Auseinandersetzung mit der Rhythmik von Bewegung und das Zerlegen von Bewegungsabläufen. Obwohl in Beziehung zum französischen und tschechischen Kubismus, zum italienischen Futurismus, zum russischen Suprematismus und Konstruktivismus stehend, kann der Wiener Kinetismus durchaus als eigenständige, seriöse Bewegung qualifiziert werden. Interessanterweise wurde er in der Mehrzahl von jungen Frauen getragen: Erika Giovanna Klien, Marianne (My) Ullmann und Elisabeth Karlinsky bildeten das an Produktivität und Qualität führende Trio. Vor allem in den Jahren 1923-25 entstanden Arbeiten von beeindruckender Qualität: konstruktiv- abstrakte Kompositionen von zunehmender Strenge und Schärfe, die im Gegensatz zu den früheren expressiv- emotional gestimmten Arbeiten stehen. Während der Kinetismus in Wien auf keine breitere öffentliche Resonanz stieß, fand er in den 1920er Jahren international durchaus Anerkennung - allerdings stets im Rahmen von Cizeks reformpädagogischen Bestrebungen. Im Inland widerfuhr ihm ein "österreichisches" Schicksal: die Kollegen an der Kunstgewerbeschule lehnten ihn als "unwienerische" Moderne ab. Kaum über den schulischen Kontext hinaus bekannt geworden geriet der Kinetismus als innovativer Beitrag der Zwischenkriegszeit für Jahrzehnte völlig in Vergessenheit. Ziel des auf ein Jahr angelegten Forschungsvorhabens ist, den Wiener Kinetismus als eigenständige Avantgarderichtung im Österreich der Zwanzigerjahre in einem breiteren öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Eine Betrachtung aus feministischer Perspektive sowie die Untersuchung der Wechselbeziehungen zu internationalen Avantgardephänomenen stehen dabei im Vordergrund.