Edition der Tagebücher Hermann Bahrs aus d. Jahren 1909-1917
Edition of Hermann Bahr´s Diaries (1909-1917)
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (20%); Geschichte, Archäologie (10%); Sprach- und Literaturwissenschaften (70%)
Keywords
-
Tagebuch,
Erster Weltkrieg,
Edition,
Europakonzepte,
Hermann Bahr,
Kollektive Identitäten
Forschungsziel ist die wissenschaftliche Edition der handschriftlichen "Tagebücher, Skizzen-bücher und Notizhefte" der Jahre 1909 bis 1917 aus dem Nachlaß Hermann Bahrs (1863-1934), die der wissenschaftlichen Forschung bislang nicht zur Verfügung steht. Damit schließt es an die bisher vom FWF finanzierte Edition der Tagebücher an und endet zu einem Zeitpunkt als Hermann Bahr selbst regelmäßig "Tagebuch" betitelte Beiträge in der Presse publizierte. Das Tagebuch dokumentiert die Arbeit eines Mannes, der zu diesem Zeitpunkt maßgeblich die literarischen und kulturellen Diskurse seiner Zeit mitbestimmt, ja kreiert hat. Es ist von Interesse für die Kulturwissenschaften: als kulturhistorisches Manifest, das die Kulturthemen diskutiert und reiches Diskursmaterial für die Forschung bereit stellt. Es ist wichtig für die Literatur- und die Theaterwissenschaft: als produktions- und rezeptionsästhetische Fundgrube für die Genese und zeitgenössische Aufnahme der Werke Bahrs, als Quelle für die Theatergeschichte. Es ist aufschlußreich für die biographische Forschung, liefert es doch einen Baustein zu Hermann Bahrs großteils noch unbekannter äußerer Biographie, besonders seine Tätigkeit während des Ersten Weltkrieges. Das Tagebuch ist ein wichtiges und einzigartiges Dokument, das die Generationengeschichte der österreichischen Intellektuellen am Vorabend und während des Ersten Weltkrieges. Bahrs Werdegang dieser Jahre ist gekennzeichnet von der Absetzung von der einst emphatisch verkündeten europäischen Moderne und der Suche nach neuen Identifikationsangeboten. Hierbei spielt der Zivilisationsbruch des Ersten Weltkrieges eine entscheidende Rolle, führt Bahr dabei doch frühere Ideen und Gedankengänge zusammen und stellt sie in den Dienst der Konstruktion einer österreichischen Identität. Diese speist sich im wesentlichen aus zwei Themenkreisen: zum einen aus dem Barock, zum anderen aus der ethnischen Differenziertheit der Monarchie. Mehr noch: diese wird zu einer unabdingbaren Bedingung der Existenz Österreichs. Dieser supranationale Staatenverband gleichberechtigter Nationen, der Bahr als sein Ideal Österreichs vorschwebt, sei auf Grund seiner Differenziertheit prädestiniert, zu einem Modell eines künftigen Europa zu werden. Das Tagebuch ist ein einzigartiges Dokument, das die Stationen dieser Konstruktion und die Bemühungen, ihr Wirkungsmacht zu verleihen, nachzeichnet.
- Universität Wien - 100%