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Reduktion der duodenalen Schmerzempfindung durch Capsaicin

Desensitization of nociception in the duodenum by capsaicin

Johann Hammer (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P18101
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 02.01.2006
  • Projektende 01.01.2009
  • Bewilligungssumme 162.960 €

Wissenschaftsdisziplinen

Klinische Medizin (70%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (30%)

Keywords

    Nociception, Gastrointestinal Symptoms, Capsaicin, VR1 Receptor, Duodenum, Functional Dyspepsia

Abstract Endbericht

In einer kürzlich beendeten Studie konnten wir zeigen, dass Capsaicin im Dünndarm zu abdominellen Wahrnehmungen führt und dass diese Wahrnehmungen nicht durch Mechanorezeptoren mediiert werden. Unsere Hypothese war es, dass diese chemisch induzierte Perzeption über die Stimulation des polymodalen VR1-Rezeptors mediiert wird. Andere konnten zeigen, dass die wiederholte orale Applikation von Chilipulver, das Capsaicin enthält, initial zu abdominellen Schmerzen führt, in weiterer Folge nahmen die Symptome ab und die Symptome der funktionellen Dyspepsie verbesserten sich. Im vorliegenden Protokoll soll der Effekt einer wiederholten Capsaicinapplikation auf die intestinale Perzeption und die möglichen therapeutischen Implikation untersucht werden. Das ZIEL der Studie ist es, aufzuzeigen, das Mechanismen, die in vitro den VR1 Rezeptor desensibilisieren, auch in vivo bei Gesunden und Patienten mit funktioneller Dyspepsie den Zwölffingerdarm gegenüber chemische Reize desensibilisieren. HYPOTHESEN: (I) Desensibilisierung des VR1 Rezeptors im Dünndarm führt später bzw. bei höheren Dosen zur Capsaicin induzierten Wahrnehmung verglichen mit einer Kontrollinfusionen ohne Desensibilisierung des Rezeptors. (II) Die Mechanismen, die den VR1 Rezeptor desensibilisieren, belassen die mechanisch induzierte Wahrnehmung im Duodenum unverändert. (III) Patienten mit funktioneller Dyspepsie verspüren capsaicininduzierte Symptome früher bzw. bei niedrigeren Dosen als gesunde Personen. METHODIK: Die Studie wird an gesunden Probanden (n= 40) und Patienten mit funktioneller Dyspepsie (n=40) durchgeführt. Über eine Sonde wird das Duodenum druckkontrolliert gedehnt und danach mit einer Capsaicinlösung (200 ug/ml, 2.5 ml/min) durchspült. Mittels eines standardisierten Fragebogens wird die Intensität und die Qualität der Wahrnehmung evaluiert. Dieses Protokoll wird vor und nach 1-monatiger Einnahme von capsaicinhältigen bzw. plazebohältigen Kapseln durchgeführt. DATENANALYSE: Die Compliance der Duodenalwand und die Empfindlichkeit gegenüber Capsaicininfusion bevor und nach 1-monatiger Capsaicineinnahme wird ermittelt. ZUSAMMENFASSUNG: Die Studie wird unser Wissen über die Mechanismen der chemisch induzierten Wahrnehmung im Dünndarm verbessern und somit unser Verständnis über die Schmerzentstehung im Dünndarm und der Interaktion verschiedener Stimuli bei der Schmerzentstehung erweitern. Es wird neue Einsichten in die pathophysiologischen Mechanismen von gastrointestinalem Schmerz und in mögliche neue Therapiemethoden geben.

Die Tatsache, dass Capsaicin, dass sich im Lumen des Gastrointestinaltraktes befindet, zu Oberbauchbeschwerden führt, war anfangs eine Zufallsbeobachtung während der Untersuchung der Wirkung von Capsaicin auf die Resorption von Wasser und Elektrolyten im Dünndarm. Mittlerweile konnten wir nachweisen, dass Capsaicin zeit- und dosisabhängig abdominelle Symptome über einen spezifischen, capsaicin-abhängigen chemonozizeptiven Mechanismus verursacht. In einem kürzlich beendeten FWF Projekt (P17201) konnten wir zeigen, dass der Darminhalt je nach seiner Zusammensetzung die Capsaicin-induzierte Chemonozizeption beeinflussen kann. Das vorliegende Projekt sollte nun die Wirkung prolongierter Capsaicingaben auf intestinale Schmerzmechanismen untersuchen. In verschiedenen Protokollen nahmen gesunde Probanden Kapseln, die eine vorgegebene Menge Capsaicinpulver enthielten, ein. Die Kapsel wurde entweder einmalig eingenommen oder aber 1 bzw. 4 Wochen lang jeweils dreimal täglich. Am Tag vor Beginn der Kapseleinnahme sowie nach Beendigung der Einnahme wurde die Mechano- und Chemosensitivität entsprechend eines hierorts etablierten Protokolls im oberen Magen-/Darmtrakt ermittelt. Patienten mit funktioneller Dyspepsie erhielten ebenfalls Capsaicinkapseln einmalig zu schlucken. Art und Schweregrad der Symptome, die durch diese Kapsel verursacht wurden, wurden mittels eines Fragebogens ermittelt. Die Kapseleinnahme über eine Woche führte zur erhöhten Empfindlichkeit der Chemorezeptoren im Darmtrakt, während die Empfindlichkeit von Mechanorezeptoren verringert wurde. Im Gegenteil dazu führte eine 4-wöchige Kapseleinnahme zur Desensibilisierung der chemonozizeptiven und mechanonozizeptiven Mechanismen im Darmtrakt gesunder Probanden. Diese Ergebnisse könnten die Erklärung bieten, warum Patienten, die Capsaicin als Behandlungsmaßnahme bei Oberbauchbeschwerden erhalten, innerhalb der ersten Woche eine Erhöhung der Beschwerdesymptomatik feststellen, während die Symptomatik nach längerer Einnahme reduziert wird, da dann eine duale Verminderung der Empfindlichkeit von Chemo- und Mechanorezeptoren erfolgt. Als weiteres Ergebnis des vorliegenden Projekts stellte sich heraus, dass Patienten mit funktioneller Dyspepsie im Vergleich zu gesunden Probanden überempfindlich gegenüber Capsaicin reagieren. Dies wurde zuerst in einer offenen Studie gezeigt und konnte danach auch in einem doppel-blinden, plazebokontrollierten Design bestätigt werden. Über 50% der Patienten waren Überempfindlich gegenüber Capsaicin (chemische Überempfindlichkeit). Klinisch unterschieden sich diese Patienten nicht von jenen, die nicht überempfindlich gegenüber Capsaicin reagierten, abgesehen dass Capsaicin positive Patienten im Durchschnitt jünger waren und häufiger an Blähungssymptomatik litten. Wir schlossen aus den Ergebnissen, dass die orale Capsaicinbelastung (Capsaicin Test) zur Stratifizierung je nach pathophysiologischen Mechanismen der abdominellen Beschwerden geeignet ist.

Forschungsstätte(n)
  • Medizinische Universität Wien - 100%

Research Output

  • 281 Zitationen
  • 6 Publikationen
Publikationen
  • 2017
    Titel Clinical characteristics of functional dyspepsia depending on chemosensitivity to capsaicin
    DOI 10.1111/nmo.13103
    Typ Journal Article
    Autor Hammer J
    Journal Neurogastroenterology & Motility
    Seiten 1-12
  • 2009
    Titel Effect of repeated, long term capsaicin ingestion on intestinal chemo- and mechanosensation in healthy volunteers
    DOI 10.1111/j.1365-2982.2008.01227.x
    Typ Journal Article
    Autor Führer M
    Journal Neurogastroenterology & Motility
  • 2007
    Titel Hypersensitivity for capsaicin in patients with functional dyspepsia
    DOI 10.1111/j.1365-2982.2007.00997.x
    Typ Journal Article
    Autor Hammer J
    Journal Neurogastroenterology & Motility
    Seiten 125-133
  • 2006
    Titel Effect of repeated capsaicin ingestion on intestinal chemosensation and mechanosensation
    DOI 10.1111/j.1365-2036.2006.03022.x
    Typ Journal Article
    Autor Hammer J
    Journal Alimentary Pharmacology & Therapeutics
    Seiten 679-686
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Diarrhea Caused By Carbohydrate Malabsorption
    DOI 10.1016/j.gtc.2012.06.003
    Typ Journal Article
    Autor Hammer H
    Journal Gastroenterology clinics of North America
    Seiten 611-627
  • 2011
    Titel A placebo-controlled trial of an oral capsaicin load in patients with functional dyspepsia
    DOI 10.1111/j.1365-2982.2011.01766.x
    Typ Journal Article
    Autor Führer M
    Journal Neurogastroenterology & Motility

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