Gefährdete Säuger in der Kulturlandschaft
Endangered mammals in the cultural landscape
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (100%)
Keywords
-
Population ecology,
Anthropogenic influence,
Biogeography,
Behavioural physiology,
Spermophilus citellus,
Genetics
Durch die Einengung natürlicher Lebensräume in Österreich zeigen einige Säugetierarten den Trend, in menschliche Siedlungsgebiete auszuweichen, was oft zu zwiespältigen Reaktionen in der Bevölkerung führt. Vor allem bei Kleinsäugern kann es in Gebieten wie Grünanlagen oder Sportplätzen zu starken Bestandszuwächsen kommen. Die häufige Folge sind Konflikte zwischen Artenschutzanliegen und Interessen der Anrainer. Für sinnvolle Naturschutzprogramme sind daher Informationen über nachhaltige Bestandsentwicklungen von grundlegender Bedeutung. Das Europäische Ziesel (Spermophilus citellus) bietet sich als Modellart für entsprechende Untersuchungen an, da die Vorkommen von naturnahen bis zu sehr stark menschlich beeinflussten Lebensräumen reichen. An sich ist es ein typischer Bewohner der pannonischen Region. Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts kam es stellenweise in derartigen Mengen vor, dass es als landwirtschaftlicher Schädling betrachtet wurde und manche Gemeinden Prämien für Zieselohren oder -schwänze auszahlten. Heute dagegen ist die Art sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene als bedroht eingestuft. Das Ziel dieses Projekts ist es, mittels systemökologischer und populationsgenetischer Methoden die Ursachen und Folgen dieses unbeständigen Zustands festzustellen. Dazu soll die Verbreitung und Häufigkeit von S. citellus in Österreich unter Berücksichtigung der Landschaftsfragmentierung und Habitatstruktur untersucht werden. Diese Daten werden mit einem Vergleich von fünf ausgewählten Beständen ergänzt, die menschlichem Einfluss unterschiedlichen Grades ausgesetzt sind. Die detaillierte Erforschung der Demographie dieser Fokus-Populationen soll dazu beitragen, die Wechselwirkung begrenzender Umweltfaktoren auf Verhalten, Physiologie und Genetik zu erkennen. Dieser interdisziplinäre Ansatz soll zu einem besseren Verständnis der Zusammenhänge zwischen Fragmentierung, Habitatstruktur, Populationsgröße und -dichte sowie genetischer Vielfalt beitragen, z.B. Konsequenzen der Isolation auf Bestandszahlen und Inzucht. Darüber hinaus ermöglicht das Erfassen von Streifgebieten und Wachsamkeit sowie Hormonanalysen Rückschlüsse auf Raubdruck und Stressbelastung. Mit diesem integrativen Ansatz könnten Konzepte entwickelt werden, die auch auf andere Säugetierarten anwendbar sind. Die Rolle des Ziesels als Bioindikator für die Artenvielfalt pannonischer Lebensgemeinschaften könnte die Basis für weiterreichende internationale Maßnahmen zur Erhaltung dieser Lebensräume bieten.
Das Europäische Ziesel ist vielerorts aus seinen ursprünglichen Vorkommensgebieten verschwunden und daher sowohl national als auch international als gefährdet eingestuft. Gleichzeitig erreichen Kolonien in menschlich beeinflussten Lebensräumen oft auffällig hohe Bestandsstärken. Um den Hintergründen dieser Entwicklung auf die Spur zu kommen, befasste sich das vorliegende Forschungsprojekt einerseits mit der Verbreitung des Europäischen Ziesels, andererseits mit den Lebensumständen, mit welchen es am Rande seines Verbreitungsgebiets in Ostösterreich konfrontiert ist. Wesentliche Ergebnisse konnten vor allem aus dem Vergleich von fünf ausgewählten Beständen gewonnen werden, die Kulturlandschaften unterschiedlicher Ausprägung besiedeln. Die Untersuchungsgebiete lagen in Trausdorf, Burgenland (Hutweide), Radiostation am Goldberg, Wien 10 (Halbtrockenrasen), Gerasdorf, Niederösterreich (renaturierte Wiese), Stammersdorf, Wien 21 (Weingärten) und am Falkenberg, Wien 21 (Luzernewiese). Die Bestandsdichten waren umso höher, je stärker der Lebensraum menschlich geformt war. Auch bei Stressbelastung, Gewicht und Größe zeigten sich ähnliche, wenn auch schwächer ausgeprägte Zusammenhänge. Die geringe Körpermasse und -größe der Ziesel auf der Trausdorfer Hutweide ist vermutlich auf einen Kompromiss zwischen Feindvermeidung und Nahrungsaufnahme zurückzuführen: Durch die dünne Besiedelung (9 Individuen pro Hektar) steigt das individuelle Erbeutungsrisiko und damit die Fluchtbereitschaft in den Bau zu ungunsten des Nahrungserwerbs. Die niedrigsten Cortisolwerte fanden sich auf der ebenfalls dünn besiedelten Radiostation (12/ha); dies weist zusammen mit einem Populationszusammenbruch während der Untersuchung auf mangelhaftes Risikoverhalten hin. Beides ist möglicherweise durch genetische Verarmung mitverursacht, die auf eine isolierte Population, wie sie am Goldberg vorliegt, einwirkt. Der Gerasdorfer Bestand war durch einen hohen Anteil von Jährlingen an der männlichen Population charakterisiert. Die Wiese wurde erst vor wenigen Jahren renaturiert und dürfte aufgrund der moderaten Populationsdichte und der dadurch geringen Konkurrenz ein attraktives Einwanderungsgebiet für Jährlingsmännchen darstellen. Der dichte Bestand in den Stammersdorfer Weingärten (34/ha) enthielt viele adulte und damit große Weibchen. Es liegt nahe, dass die Weinzeilen sich günstig auf die Überlebensaussichten auswirken, weil sie Deckung vor Greifvögeln bieten. Allerdings war die Stressbelastung geschlechtsreifer Männchen höher als in den anderen Gebieten - vermutlich ein Effekt der starken männlichen Konkurrenz.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 32 Zitationen
- 2 Publikationen
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2012
Titel Dwindling genetic diversity in European ground squirrels? DOI 10.1016/j.mambio.2011.10.001 Typ Journal Article Autor Slimen H Journal Mammalian Biology Seiten 13-21 -
2013
Titel Scale-up and intensification of (S)-1-(2-chlorophenyl)ethanol bioproduction: Economic evaluation of whole cell-catalyzed reduction of o-Chloroacetophenone DOI 10.1002/bit.24896 Typ Journal Article Autor Eixelsberger T Journal Biotechnology and Bioengineering Seiten 2311-2315 Link Publikation