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Reduplikationstheorie und Konstruktion einer Datenbank

Theory of reduplication and construction of a database

Bernhard Hurch (ORCID: 0000-0002-2196-3311)
  • Grant-DOI 10.55776/P18173
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.11.2005
  • Projektende 30.06.2010
  • Bewilligungssumme 189.709 €

Wissenschaftsdisziplinen

Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)

Keywords

    Reduplication, Phonology, Database Network, Morphology, Typology, Cooperation

Abstract Endbericht

Reduplikation bezeichnet ein grammatisches Verfahren, bei dem ein Wort, oder ein Teil eines Wortes als Bildungselement für den Ausdruck einer grammatischen Kategorie verwendet wird.Reduplikation ist ein wichtiges Wortbildungs- und Flexionsverfahren, das in unterschiedlichem Umfang und Komplexität in den meisten Sprachen der Welt (mit Ausnahme der europäischen) vorkommt. Die Reduplikationsforschung hat in den letzten 20 Jahren eine relativ zentrale Rolle in der Grammatikforschung und Theoriebildung (insbes. in der Morphologie und Phonologie, vgl. unterschiedliche autosegmentale, prosodische und "templatic morphology", Optimalitätstheorie, u.a.) eingenommen. Neuere Erkenntnisse der Kognitiven Linguistik zeigen, dass Äußerungen in größeren Einheiten als dem traditionellen Segmentbegriff verarbeitet werden. Da Reduplikation häufig mit prosodischen Einheiten (More, Silbe, Fuß) operiert, stellt es u.a. einen idealen Testfall für asegmentale Theorien dar. Das Ziel des Grazer Reduplikationsprojektes ist ein zweifaches: a) Ein Teil des Vorhabens ist der Aufbau eines Reduplikationsservers, in dessen Zentrum die Reduplikationsdatenbank steht. Neben anderen Funktionen (Bibliographie, on-line Literatur, etc.) soll die Datenbank die theoretische Diskussion bereichern, in dem sie - über verschiedene Abfragemodi - Information zu allen für das Thema relevanten Aspekten zur Verfügung stellt. Eine der Suchfunktionen wird dabei vom Benutzer jeweils individuell gestaltet werden können. Ziel ist es, Daten von ca. 200 Sprachen zu analysieren und aufzubereiten. Das Projekt ist in ein europäisches Netzwerk typologisch orientierter Datenbanken (LTRC und TypeWeb) eingebunden. b) Der andere Teil des Projekts ist die theoretische Forschung im Bereich der Reduplikation und verwandter Bereiche. Dabei haben wir vor, die von uns gesammelten sprachvergleichenden Daten zu verwenden, um Hypothesen zum Thema, u.a. bzgl. typologischer Korrelationen oder Implikationen zu überprüfen. Wir haben bereits 2002 mit einer "Grazer Konferenz zur Reduplikation", zu der die wichtigsten Forscher des Gebietes beigtragen haben, begonnen, Graz als ein Zentrum in Österreich für typologische Forschung in Phonologie und Morphologie im Allgemeinen und zur Reduplikationsforschung im Speziellen aufzubauen. Ein Pilotprojekt zum hier vorgelegten Projekt wurde vom Jubliäumsfonds der Österreichischen Nationalbank finanziert. In diesem Zeitraum gelang es uns, die essentiellen Grundlagen der Datenbank zu erarbeiten und zu programmieren. Wir erzielten damit wichtige internationale Reaktionen und wurden eingeladen, an den oben genannten europäischen Projekten teilzunehmen. Der derzeitige Stand der Datenbank ist vorläufig unter http://ling.uni- graz.at/reduplication/ zugänglich.

Als morphologischer Prozeß ist Reduplikation ein Verfahren zur Bildung neuer Wörter bzw. zur flexivischen Einpassung existierender Wörter in einen bestimmten grammatikalischen Kontext. Sie ist im weitaus überwiegenden Teil ihres Vorkommens semantisch ikonisch, und zwar in dem Sinne, daß reduplizierte Formen häufig grammatische Bedeutung tragen, die mit Intensität oder Augmentation zu tun haben. Aufgrund ihres speziellen Bildungsverfahrens eignet sich Reduplikation besonders gut, nicht-lineare bzw. prosodisch basierte Verfahren grammatischer Modellierung zu untersuchen, da der reduplizierte Teil des Ausgangswortes (Stamm-, Wurzel-), der aus mehr als einem Segment besteht, in prosodischen Termini unter Umständen leichter beschreibbar ist. Nicht-lineare Verfahren rückten in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten ins Zentrum sprachwissenschaftlicher (aber auch anderer kognitiver) Forschung. Auch die Zahl von Studien zur Reduplikation wuchs stetig, häufig allerdings ohne sich auf eine notwendige empirische Basis zu berufen. Das Ziel des Grazer Projektes war es a) einen kritischeren Umgang mit Daten zu befördern; b) eigene Forschungsfragen zur Reduplikation zu formulieren und mögliche Antworten empirisch zu überprüfen; und c) die typologische Forschung zur Reduplikation dadurch zu fördern, daß man ein ausgewogenes Sample der Sprachen der Welt in einer Datenbank zur Verfügung stellt. In den Aufbau der Datenbank sind alle uns zugänglichen Erkenntnisse, Kategorisierungen und Studien zum Thema, sowie auch zu den technischen Möglichkeiten der Programmierung eingeflossen. Sie ist über zwei Wege abfragbar: Das eine Portal führt in eine traditionelle Baumstrukturfunktion, in der man sich bis zu allen Detailinformationen durchklicken kann, das andere ist ein anspruchsvollerer query builder, in dem der Benutzer entsprechend eigenen Interessen und Fragestellungen Abfrage- und Ausgabestrukturen formulieren kann, auf die hin die Datenbank überprüft wird bzw. sich in der Präsentation organisiert. Die Webseite bietet darüber hinaus eine Reihe weiterer Services, etwa die umfangreichste mit Suchfunktion versehene Bibliographie zum Thema, klassische Literatur des 19. Jahrhunderts in pdf-Format und weitere Tools wie den reduplication finder, ein frei zugängliches Programm, das in der Lage ist, mögliche Reduplikationsformen aus Textmaterial zu identifizieren. Neben der Datenbank-Eingabetätigkeit haben die Mitarbeiter/innen des Projekts zur Entwicklung der technischen Struktur beigetragen, sich aber ebenso mit theoretischen Fragen zum Thema (etwa Ursprungs- und Wandelprozessen) beschäftigt, sowie großangelegte deskriptive Unternehmen (so V. Mattes` monographische Studie zur Reduplikation im Bikol) durchgeführt. Im Rahmen der Datenbankarbeit fanden in Graz auch zwei international hervorragend besuchte Tagungen statt, eine zu allgemeinen und theoretischen Fragen zur Reduplikation (ed. Hurch 2005) und eine zur speziellen Problematik von Diachronie und Produktivität von Reduplikation (ed. Hurch & Mattes 2009).

Forschungsstätte(n)
  • Universität Graz - 100%

Research Output

  • 1 Zitationen
  • 1 Publikationen
Publikationen
  • 2009
    Titel Introduction: Diachrony and productivity of reduplication
    DOI 10.1007/s11525-009-9136-7
    Typ Journal Article
    Autor Hurch B
    Journal Morphology
    Seiten 107

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