Die Wiener Hofburg 1705-1835. Planungen-Bauten-Ausstattung-Funktion-Bedeutung
The Vienna Hofburg from 1705 until 1835
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (20%); Geschichte, Archäologie (10%); Kunstwissenschaften (70%)
Keywords
-
Wien Stadtgeschichte,
Innenausstattung,
Residenzforschung,
Zeremoniell,
Architekturgeschichte,
Habsburgerdynastie
Die Wiener Hofburg stellt "den größten Profanbau-Komplex Europas und eine der weltweit bedeutendsten Palastanlagen" dar (Dehio, Wien, 2003, 384).Ihre hohe historische und architektur- wie kunstgeschichtliche Bedeutung bedingen einander - doch ist die bisherige kunst- und kulturwissenschaftliche Forschung der Bedeutung dieses Gegenstandes erst in Ansätzen gerecht geworden. Der vorliegende Antrag ist Teil eines unter der Leitung von Univ. Prof. Dr. Artur Rosenauer von der "Kommission für Kunstgeschichte" der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Angriff genommenen Forschungsprojektes. Die bereits begonnene Digitalisierung der umfangreichen Planbestände zur Hofburg bildet eine wesentliche Grundlage für die geplanten Forschungen; erstmals lässt sich nun die Planungs- und Baugeschichte der Hofburg komplett dokumentieren und würdigen. Das hier eingereichte Projekt umfasst den Zeitraum zwischen 1705 (Regierungsantritt Josephs I.) und 1835 (Tod Kaiser Franz II./I.) und somit die Epochen von Hoch- und Spätbarock, Rokoko und Klassizismus. In dieser Periode kommt es einerseits zu weit ausgreifenden Idealplanungen, die sich an den modernsten Standards der Architekturtheorie orientieren, während andererseits die realisierten Bauten stets von respektvoller Rücksichtnahme auf den historisch gewachsenen Baubestand des Residenzareales geprägt sind. Die Geschichte von Planung und Bau der Hofburg muss daher unter verschiedenen methodischen Gesichtspunkten behandelt werden, wobei vor allem der komparatistische Ausblick auf zeitgleiche Residenzplanungen und -bauten in ganz Europa neue Erkenntnisse verspricht.
Das Projekt (Laufzeit 1. September 2005 - 31. November 2008) war in das an der Kommission für Kunstgeschichte der ÖAW angesiedelte Forschungsunternehmen zur Geschichte der Wiener Hofburg eingegliedert und behandelte mit der Periode von 1705-1835 drei große Epochen der europäischen Kunstgeschichte in der ranghöchsten Residenz Mitteleuropas: Barock, Rokoko und Klassizismus. Wichtigste Aufgabe war zunächst die intensive Grundlagenforschung: Dabei waren die etwa 10.000 Pläne zum Residenzareal der Hofburg, die nunmehr in digitaler Form erschlossen sind, ebenso zu behandeln wie die in verschiedenen Archiven verstreuten schriftlichen Dokumente der behandelten Epochen. In kombinatorischer Auswertung dieser Bestände konnten wichtige Etappen der Planungs-, Bau- und Ausstattungsgeschichte der Hofburg geklärt werden. Dabei ließ sich ein grundsätzlich bereits bekanntes Phänomen habsburgischen "Residenzverhaltens" - das Nebeneinander von weit ausgreifenden, "ideal" konzipierten Gesamtplanungen zur Hofburg und einer realiter doch recht zögerlichen Baupolitik - in einzelnen Etappen präzise nachvollziehen. Auch zum Zeremoniell und zur Funktion der Hofburg sowie zur Organisation und Finanzierung des kaiserlichen Bauwesens ergaben sich neue Erkenntnisse. In ersten Ansätzen konnten im Vergleich mit Residenzbauten anderer europäischer Dynastien bereits einige markante Eigenarten der habsburgischen Residenz aufgezeigt werden. Die Teilnahme an fachspezifischen Workshops und Symposien intensivierte den wissenschaftlichen Austausch mit internationalen Fachkolleginnen und -kollegen. Diese Pflege fachübergreifender Kontakte konzentrierte sich insbesondere auf Österreich und seine östlichen Nachbarländer, denen aufgrund der historischen Dimension des Unternehmens eine ganz besondere Rolle zukommt. Das Forschungsprojekt zur Wiener Hofburg zählt somit zu den international gut vernetzten Forschungsprojekten zur Kunst- und Kulturgeschichte Österreichs und kann zugleich im europäischen Rahmen als eines der größten Projekte der Residenzforschung angesehen werden.