Der Byzantinische Statthalterpalast von Ephesos
The so-calles governor´s palace in Ephesos
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (10%); Bauwesen (30%); Geschichte, Archäologie (50%); Kunstwissenschaften (10%)
Keywords
-
Archäologie,
Kulturgeschichte,
Bauforschung,
Palastarchitektur,
Ephesos,
Thermen
Der `Byzantinische Statthalterpalast` in der Unterstadt von Ephesos wurde in den Jahren zwischen 1954 und 1956 von F. MILTNER großflächig freigelegt. Wegen des plötzlichen Todes des Ausgräbers konnte jedoch keine umfassende Publikation der ca. 75 x 50 m großen Anlage, die eines der wenigen gut erhaltenen Gebäude nicht sakralen Charakters aus spätantik-byzantinischer Zeit in Ephesos darstellt, vorgelegt werden. Das Monument setzte sich ehemals aus zwei Gebäudehälften (Bade- und Repräsentationstrakt) zusammen, die durch einen quergelagerten Vorraum zu einer Einheit verbunden waren. Da sich die Untersuchungen im Wesentlichen auf diese beiden Takte konzentrierten, ist das Gesamtausmaß des Komplexes unbekannt. Aufgrund des in situ Bestandes interpretierte der Ausgräber das Monument als Badeanlage `byzantinischen Typs` und gab ihm wegen des schiefwinkligen Grundrisses den heute noch gebräuchlichen, jedoch irreführenden Namen Sarho? Hamam (Bad des Betrunkenen). Die Deutung MILTNERS wurde bereits einige Jahre später durch W. MÜLLER-WIENER und H. VETTERS angezweifelt und eine Interpretation als Palast eines hohen Verwaltungsbeamten, wahrscheinlich des byzantinischen Statthalters postuliert. Die Datierung der Anlage allein aufgrund teichoskopischer Indizien in das 6. Jh. durch F. MILTNER hat sich in der Forschung mangels anderer aussagekräftiger Informationen (abgesehen von einigen wenigen Alternativvorschlägen, vgl. etwa C. FOSS: 4. Jh.) durchgesetzt. Das geplante Projekt intendiert, die zahlreichen noch offenen Fragen zum Denkmal zu klären. Hervorgehoben seien vor allem Fragen nach dem Bautypus (Palastarchitektur, Badeanlage), nach der Datierung und Nutzungsdauer, der/n Funktion/en der Gebäudehälften aber auch nach der innerstädtischen Einbindung des Monuments. Da im Zuge der Grabungen der 50er Jahre des 20. Jhs. nur der Kern der Anlage vom Schuttmaterial befreit worden ist, blieben im und um das Denkmal unberührte Stellen erhalten, an denen durch neuerliche Feldforschungen die Erarbeitung einer durchgehenden Schichtenabfolge von römischer bis nachbyzantinischer Zeit realisierbar sein wird. Die Auswertung des neu gewonnenen Fundmaterials lässt somit wichtige neue Erkenntnisse zur Stadtgeschichte in byzantinischer Zeit erwarten. Darüber hinaus ist ein deutlicher Kenntnisgewinn bei überregionalen Fragestellungen - etwa die Wirtschaftsgeschichte Kleinasiens in spätantik-byzantinischer Zeit betreffend - zu erwarten. Die Ergebnisse der Studien sollen in der Reihe der Forschungen in Ephesos vorgelegt werden.
Die Untersuchungen am sog. Byzantinischen Palast von Ephesos, der bereits in den 1950er Jahren partiell freigelegt worden ist, erbrachten eine Vielzahl von neuen Ergebnissen. Diese betreffen nicht nur das Monument selbst, das heute das einzige bekannte Gebäude öffentlichen Charakters aus der spätantik-frühbyzantinischen Zeit in Ephesos darstellt. Darüber hinaus konnte auch eine Fülle an Informationen gewonnen werden, die weitreichende Rückschlüsse auf die Stadtgeschichte sowie auf topographische und urbanistische Aspekte in Ephesos erlauben. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass das Monument nicht im 6. Jahrhundert als überdimensionierte Badeanlage, sondern vielmehr bereits in den ersten Jahrzehnten des 5. Jahrhunderts als Palast errichtet worden ist. Der Komplex ist somit als Teil eines umfassenden Bauprogramms zu verstehen, das nach den Erdbebenserien des 3., besonders aber jenen des 4. Jahrhunderts in großen Teilen der Stadt nachzuweisen ist. Nach den literarisch überlieferten Erdbebenkatastrophen hatte sich offenbar eine gute Gelegenheit geboten, den geänderten wirtschaftlichen, soziokulturellen, religionsgeschichtlichen und politischen Vorgaben Rechnung zu tragen und das Erscheinungsbild der Stadt dem Zeitgeist und -geschmack sowie den aktuellen Bedürfnissen entsprechend neu zu gestalten. Die zahlreichen beschädigten Gebäude von Ephesos, die vielfach ihre ursprüngliche Funktion nicht mehr zu erfüllen vermochten, boten nun reichlich Baumaterial für die Wieder- und Neuerrichtung ganzer Stadtteile. So scheint etwa der ca. 50 m entfernt gelegene Tempel für den vergöttlichten Kaiser Hadrian (117-138), das sog. Olympieion, zu Beginn des 5. Jhs. sukzessive abgetragen worden zu sein, da auch die zeitgleiche Marienkirche in der Südhalle des heiligen Bezirkes zu einem Großteil aus Teilen dieses Tempels errichtet worden ist. Die tiefgreifenden Änderungen innerhalb der Stadt werden auch an der teilweise Aufgabe des kaiserzeitlichen Straßensystems deutlich. So überbaut der Byzantinische Palast nicht nur ein kaiserzeitliches, reich mit Fresken geschmücktes Gebäude, sondern auch einen Ostwest verlaufenden Straßenzug. Aufgrund geophysikalischer Prospektionen konnte schließlich festgestellt werden, dass die freigelegte 3.750 m 2 Fläche keineswegs das gesamte Ausmaß der Palastanlage darstellt. Vielmehr wurde im Süden eine Vielzahl von Räumen nachgewiesen, die wohl als die bis dato unbekannten Wohn- und Wirtschaftsräume des Residenzkomplexes zu interpretieren sind. Noch nicht geklärt werden konnte die Frage nach dem Besitzer des Palastes, sodass allein aufgrund der topographischen Situation, der reichen dekorativen Ausstattung und des Grundrisses weiterhin die Interpretation als Bischofspalast bzw. als Sitz eines hohen Verwaltungsbeamten nur vermutet werden kann. Spätestens im Laufe des 9. Jhs. scheint der Palast aufgegeben worden zu sein, da der Komplex bereits im 10. Jh. als Materiallieferant für einen Kalkbrennofen direkt an der südlichen Außenwand des Empfangsaales gedient haben dürfte. Dieser zeitliche Ansatz wird zudem durch ein kleines Gräberfeld an der südlichen Langhauswand der Palastkapelle bestätigt, das wie die Beigabenfunde beweisen, bis in das 14. Jh. genutzt worden ist.