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Chronische Entzündung und kolorektales Karzinom

Chronic Inflammation and Colorectal Cancer

Christoph Gasche (ORCID: 0000-0002-3752-6685)
  • Grant-DOI 10.55776/P18270
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2005
  • Projektende 31.08.2009
  • Bewilligungssumme 324.922 €

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (15%); Klinische Medizin (10%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (75%)

Keywords

    Colorectal Cancer, Neutrophil, Ulcerative Colitits, Mismatch Repair, Microsatellite Instability, Chemoprevention

Abstract Endbericht

Darmkrebs ist eine Erkrankung, die nur langsam entsteht. Die meisten Tumore brauchen zumindest 20 Jahre von der Karzinogenexposition bis zur Diagnose. Bei Colitis ulcerosa, einer chronischen Dickdarmentzündung ohne bekannte Ursache, verläuft die Entstehung von Krebs mit erhöhter Rate und Geschwindigkeit. Grundvoraussetzung für die Entstehung von Darmkrebs ist, dass Zellen Millionen von DNA-Mutationen anhäufen. Die normale Mutationsrate reicht aber nicht aus, diese multiplen DNA-Läsionen in Krebszellen zu erklären. Veränderungen, welche die Mutationsrate erhöhen, sind daher essentiell für die Tumorentwicklung. Man hatte schon vor Jahrzehnten die Existenz eines solchen "Mutator Phänotyps" hypothetisiert. Gefunden wurde er erstmals bei Patienten mit Lynch-Syndrom (ein familiäres Krebssyndrom), bei welchem gehäuft Tumore mit multiplen Mutationen in repetitiven DNA-Sequenzen (sg. Mikrosatelliten Instabilität, MSI) gefunden werden. Ursache dafür sind Keimbahnschäden in DNA Reparatur Genen, dem s.g. "mismatch repair system". MSI ist die Folge einer Inaktivierung dieses DNA Reparatursystems, welches die Genauigkeit der DNA-Verdoppelung während der Zellteilung gewährleistet. Bei Colitis ulcerosa findet man MSI in abgeschwächter Form bereits in chronisch entzündeter Schleimhaut, was darauf schließen läßt, dass dort gehäuft Fehler bei der Zellteilung entstehen. Dies dürfte ein Schlüsselmechanismus für die frühe Entstehung von Colitis ulcerosa-assoziiertem Dickdarmkrebs sein. Die Ursache dessen ist unbekannt. In diesem Froschungsprojekt hypothetisieren wir, dass chronische Entzündung im Dickdarm ein Milieu schafft, welches einem "Mutator Phänotyp" gleich kommt. Wir wollen dieses Milieu in Zellkultur imitieren und mit einem eigens von uns entwickeltem Verfahren die Entstehung und Geschwindigkeit von DNA Mutationen messen. Dabei transferieren wir das klinische Problem ins Labor und könnten eventuell erstmals die Existenz dieses "Mutator Phänotyps" bei Colitis ulcerosa beweisen. Unser Modell wird ausserdem geeignet sein, spezifische Mechanismen der Krebsentstehung bei Colitis ulcerosa zu studieren. Insbesonders aber werden wir Medikamente oder natürliche Substanzen (z.B. Pflanzenextrakte oder Nahrungsbestandteile) auf deren Fähigkeit testen, die Genauigkeit der DNA-Verdoppelung während der Zellteilung zu verbessern. Die Ergebnisse dieser Tests können in der Klinik angewendet werden, indem diese Substanzen in Zukunft zur Prävention von Dickdarmkrebs bei Colitis ulcerosa und eventuell auch von anderen entzündungs-assoziierten Krebsarten im Gastrointestinaltrakt (z.B. dem immer häufiger auftretenden Speiseröhrenkrebs) eingesetzt werden.

Darmkrebs ist eine Erkrankung, die nur langsam entsteht. Die meisten Tumore brauchen zumindest 20 Jahre von der Karzinogenexposition bis zur Diagnose. Bei Colitis ulcerosa, einer chronischen Dickdarmentzündung ohne bekannte Ursache, verläuft die Entstehung von Krebs mit erhöhter Rate und Geschwindigkeit. Grundvoraussetzung für die Entstehung von Darmkrebs ist, dass Zellen Millionen von DNA-Mutationen anhäufen. Die normale Mutationsrate reicht aber nicht aus, diese multiplen DNA-Läsionen in Krebszellen zu erklären. Veränderungen, welche die Mutationsrate erhöhen, sind daher essentiell für die Tumorentwicklung. Man hatte schon vor Jahrzehnten die Existenz eines solchen "Mutator Phänotyps" hypothetisiert. Gefunden wurde er erstmals bei Patienten mit Lynch-Syndrom (ein familiäres Krebssyndrom), bei welchem gehäuft Tumore mit multiplen Mutationen in repetitiven DNA-Sequenzen (sg. Mikrosatelliten Instabilität, MSI) gefunden werden. Ursache dafür sind Keimbahnschäden in DNA Reparatur Genen, dem s.g. "mismatch repair system". MSI ist die Folge einer Inaktivierung dieses DNA Reparatursystems, welches die Genauigkeit der DNA-Verdoppelung während der Zellteilung gewährleistet. Bei Colitis ulcerosa findet man MSI in abgeschwächter Form bereits in chronisch entzündeter Schleimhaut, was darauf schließen läßt, dass dort gehäuft Fehler bei der Zellteilung entstehen. Dies dürfte ein Schlüsselmechanismus für die frühe Entstehung von Colitis ulcerosa-assoziiertem Dickdarmkrebs sein. Die Ursache dessen ist unbekannt. In diesem Froschungsprojekt hypothetisieren wir, dass chronische Entzündung im Dickdarm ein Milieu schafft, welches einem "Mutator Phänotyp" gleich kommt. Wir wollen dieses Milieu in Zellkultur imitieren und mit einem eigens von uns entwickeltem Verfahren die Entstehung und Geschwindigkeit von DNA Mutationen messen. Dabei transferieren wir das klinische Problem ins Labor und könnten eventuell erstmals die Existenz dieses "Mutator Phänotyps" bei Colitis ulcerosa beweisen. Unser Modell wird ausserdem geeignet sein, spezifische Mechanismen der Krebsentstehung bei Colitis ulcerosa zu studieren. Insbesonders aber werden wir Medikamente oder natürliche Substanzen (z.B. Pflanzenextrakte oder Nahrungsbestandteile) auf deren Fähigkeit testen, die Genauigkeit der DNA-Verdoppelung während der Zellteilung zu verbessern. Die Ergebnisse dieser Tests können in der Klinik angewendet werden, indem diese Substanzen in Zukunft zur Prävention von Dickdarmkrebs bei Colitis ulcerosa und eventuell auch von anderen entzündungs-assoziierten Krebsarten im Gastrointestinaltrakt (z.B. dem immer häufiger auftretenden Speiseröhrenkrebs) eingesetzt werden.

Forschungsstätte(n)
  • Medizinische Universität Wien - 95%
  • Medizinische Universität Wien - 5%
Nationale Projektbeteiligte
  • Martin Willheim, Karl Landsteiner Priv.-Univ. , assoziierte:r Forschungspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Loki Natarajan, University of California San Diego - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 778 Zitationen
  • 13 Publikationen
Publikationen
  • 2009
    Titel In vivo effects of mesalazine or E. coli Nissle 1917 on microsatellite instability in ulcerative colitis
    DOI 10.1111/j.1365-2036.2009.04076.x
    Typ Journal Article
    Autor Goel A
    Journal Alimentary Pharmacology & Therapeutics
    Seiten 634-642
    Link Publikation
  • 2009
    Titel The position of the amino group on the benzene ring is critical for mesalamine's improvement of replication fidelity
    DOI 10.1002/ibd.21112
    Typ Journal Article
    Autor Campregher C
    Journal Inflammatory Bowel Diseases
    Seiten 576-582
    Link Publikation
  • 2009
    Titel Systematic review: molecular chemoprevention of colorectal malignancy by mesalazine
    DOI 10.1111/j.1365-2036.2009.04195.x
    Typ Journal Article
    Autor Lyakhovich A
    Journal Alimentary Pharmacology & Therapeutics
    Seiten 202-209
    Link Publikation
  • 2008
    Titel Activated neutrophils induce an hMSH2-dependent G2/M checkpoint arrest and replication errors at a (CA)13-repeat in colon epithelial cells
    DOI 10.1136/gut.2007.141556
    Typ Journal Article
    Autor Campregher C
    Journal Gut
    Seiten 780
    Link Publikation
  • 2007
    Titel Aspirin blocks proliferation in colon cells by inducing a G 1 arrest and apoptosis through activation of the checkpoint kinase ATM
    DOI 10.1093/carcin/bgm101
    Typ Journal Article
    Autor Luciani M
    Journal Carcinogenesis
    Seiten 2207-2217
    Link Publikation
  • 2006
    Titel Systematic review: managing anaemia in Crohn's disease
    DOI 10.1111/j.1365-2036.2006.03146.x
    Typ Journal Article
    Autor Kulnigg S
    Journal Alimentary Pharmacology & Therapeutics
    Seiten 1507-1523
  • 2006
    Titel 5-ASA Affects Cell Cycle Progression in Colorectal Cells by Reversibly Activating a Replication Checkpoint
    DOI 10.1053/j.gastro.2006.10.016
    Typ Journal Article
    Autor Luciani M
    Journal Gastroenterology
    Seiten 221-235
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Mesalamine modulates intercellular adhesion through inhibition of p-21 activated kinase-1
    DOI 10.1016/j.bcp.2012.10.026
    Typ Journal Article
    Autor Khare V
    Journal Biochemical Pharmacology
    Seiten 234-244
    Link Publikation
  • 2012
    Titel MSH3-Deficiency Initiates EMAST without Oncogenic Transformation of Human Colon Epithelial Cells
    DOI 10.1371/journal.pone.0050541
    Typ Journal Article
    Autor Campregher C
    Journal PLoS ONE
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Interaction of mesalasine (5-ASA) with translational initiation factors eIF4 partially explains 5-ASA anti-inflammatory and anti-neoplastic activities.
    DOI 10.2174/157340611794859325
    Typ Journal Article
    Autor Lyakhovich A
    Journal Medicinal chemistry (Shariqah (United Arab Emirates))
    Seiten 92-8
  • 2010
    Titel Mesalazine Reduces Mutations in Transforming Growth Factor ß Receptor II and Activin Type II Receptor by Improvement of Replication Fidelity in Mononucleotide Repeats
    DOI 10.1158/1078-0432.ccr-09-2854
    Typ Journal Article
    Autor Campregher C
    Journal Clinical Cancer Research
    Seiten 1950-1956
    Link Publikation
  • 2009
    Titel Systematic review: does concurrent therapy with 5-ASA and immunomodulators in inflammatory bowel disease improve outcomes?
    DOI 10.1111/j.1365-2036.2008.03915.x
    Typ Journal Article
    Autor Andrews J
    Journal Alimentary Pharmacology & Therapeutics
    Seiten 459-469
    Link Publikation
  • 2010
    Titel The nucleotide composition of microsatellites impacts both replication fidelity and mismatch repair in human colorectal cells
    DOI 10.1093/hmg/ddq175
    Typ Journal Article
    Autor Campregher C
    Journal Human Molecular Genetics
    Seiten 2648-2657
    Link Publikation

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