Chronische Entzündung und kolorektales Karzinom
Chronic Inflammation and Colorectal Cancer
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (15%); Klinische Medizin (10%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (75%)
Keywords
-
Colorectal Cancer,
Neutrophil,
Ulcerative Colitits,
Mismatch Repair,
Microsatellite Instability,
Chemoprevention
Darmkrebs ist eine Erkrankung, die nur langsam entsteht. Die meisten Tumore brauchen zumindest 20 Jahre von der Karzinogenexposition bis zur Diagnose. Bei Colitis ulcerosa, einer chronischen Dickdarmentzündung ohne bekannte Ursache, verläuft die Entstehung von Krebs mit erhöhter Rate und Geschwindigkeit. Grundvoraussetzung für die Entstehung von Darmkrebs ist, dass Zellen Millionen von DNA-Mutationen anhäufen. Die normale Mutationsrate reicht aber nicht aus, diese multiplen DNA-Läsionen in Krebszellen zu erklären. Veränderungen, welche die Mutationsrate erhöhen, sind daher essentiell für die Tumorentwicklung. Man hatte schon vor Jahrzehnten die Existenz eines solchen "Mutator Phänotyps" hypothetisiert. Gefunden wurde er erstmals bei Patienten mit Lynch-Syndrom (ein familiäres Krebssyndrom), bei welchem gehäuft Tumore mit multiplen Mutationen in repetitiven DNA-Sequenzen (sg. Mikrosatelliten Instabilität, MSI) gefunden werden. Ursache dafür sind Keimbahnschäden in DNA Reparatur Genen, dem s.g. "mismatch repair system". MSI ist die Folge einer Inaktivierung dieses DNA Reparatursystems, welches die Genauigkeit der DNA-Verdoppelung während der Zellteilung gewährleistet. Bei Colitis ulcerosa findet man MSI in abgeschwächter Form bereits in chronisch entzündeter Schleimhaut, was darauf schließen läßt, dass dort gehäuft Fehler bei der Zellteilung entstehen. Dies dürfte ein Schlüsselmechanismus für die frühe Entstehung von Colitis ulcerosa-assoziiertem Dickdarmkrebs sein. Die Ursache dessen ist unbekannt. In diesem Froschungsprojekt hypothetisieren wir, dass chronische Entzündung im Dickdarm ein Milieu schafft, welches einem "Mutator Phänotyp" gleich kommt. Wir wollen dieses Milieu in Zellkultur imitieren und mit einem eigens von uns entwickeltem Verfahren die Entstehung und Geschwindigkeit von DNA Mutationen messen. Dabei transferieren wir das klinische Problem ins Labor und könnten eventuell erstmals die Existenz dieses "Mutator Phänotyps" bei Colitis ulcerosa beweisen. Unser Modell wird ausserdem geeignet sein, spezifische Mechanismen der Krebsentstehung bei Colitis ulcerosa zu studieren. Insbesonders aber werden wir Medikamente oder natürliche Substanzen (z.B. Pflanzenextrakte oder Nahrungsbestandteile) auf deren Fähigkeit testen, die Genauigkeit der DNA-Verdoppelung während der Zellteilung zu verbessern. Die Ergebnisse dieser Tests können in der Klinik angewendet werden, indem diese Substanzen in Zukunft zur Prävention von Dickdarmkrebs bei Colitis ulcerosa und eventuell auch von anderen entzündungs-assoziierten Krebsarten im Gastrointestinaltrakt (z.B. dem immer häufiger auftretenden Speiseröhrenkrebs) eingesetzt werden.
Darmkrebs ist eine Erkrankung, die nur langsam entsteht. Die meisten Tumore brauchen zumindest 20 Jahre von der Karzinogenexposition bis zur Diagnose. Bei Colitis ulcerosa, einer chronischen Dickdarmentzündung ohne bekannte Ursache, verläuft die Entstehung von Krebs mit erhöhter Rate und Geschwindigkeit. Grundvoraussetzung für die Entstehung von Darmkrebs ist, dass Zellen Millionen von DNA-Mutationen anhäufen. Die normale Mutationsrate reicht aber nicht aus, diese multiplen DNA-Läsionen in Krebszellen zu erklären. Veränderungen, welche die Mutationsrate erhöhen, sind daher essentiell für die Tumorentwicklung. Man hatte schon vor Jahrzehnten die Existenz eines solchen "Mutator Phänotyps" hypothetisiert. Gefunden wurde er erstmals bei Patienten mit Lynch-Syndrom (ein familiäres Krebssyndrom), bei welchem gehäuft Tumore mit multiplen Mutationen in repetitiven DNA-Sequenzen (sg. Mikrosatelliten Instabilität, MSI) gefunden werden. Ursache dafür sind Keimbahnschäden in DNA Reparatur Genen, dem s.g. "mismatch repair system". MSI ist die Folge einer Inaktivierung dieses DNA Reparatursystems, welches die Genauigkeit der DNA-Verdoppelung während der Zellteilung gewährleistet. Bei Colitis ulcerosa findet man MSI in abgeschwächter Form bereits in chronisch entzündeter Schleimhaut, was darauf schließen läßt, dass dort gehäuft Fehler bei der Zellteilung entstehen. Dies dürfte ein Schlüsselmechanismus für die frühe Entstehung von Colitis ulcerosa-assoziiertem Dickdarmkrebs sein. Die Ursache dessen ist unbekannt. In diesem Froschungsprojekt hypothetisieren wir, dass chronische Entzündung im Dickdarm ein Milieu schafft, welches einem "Mutator Phänotyp" gleich kommt. Wir wollen dieses Milieu in Zellkultur imitieren und mit einem eigens von uns entwickeltem Verfahren die Entstehung und Geschwindigkeit von DNA Mutationen messen. Dabei transferieren wir das klinische Problem ins Labor und könnten eventuell erstmals die Existenz dieses "Mutator Phänotyps" bei Colitis ulcerosa beweisen. Unser Modell wird ausserdem geeignet sein, spezifische Mechanismen der Krebsentstehung bei Colitis ulcerosa zu studieren. Insbesonders aber werden wir Medikamente oder natürliche Substanzen (z.B. Pflanzenextrakte oder Nahrungsbestandteile) auf deren Fähigkeit testen, die Genauigkeit der DNA-Verdoppelung während der Zellteilung zu verbessern. Die Ergebnisse dieser Tests können in der Klinik angewendet werden, indem diese Substanzen in Zukunft zur Prävention von Dickdarmkrebs bei Colitis ulcerosa und eventuell auch von anderen entzündungs-assoziierten Krebsarten im Gastrointestinaltrakt (z.B. dem immer häufiger auftretenden Speiseröhrenkrebs) eingesetzt werden.
- Martin Willheim, Karl Landsteiner Priv.-Univ. , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Loki Natarajan, University of California San Diego - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 778 Zitationen
- 13 Publikationen
-
2009
Titel In vivo effects of mesalazine or E. coli Nissle 1917 on microsatellite instability in ulcerative colitis DOI 10.1111/j.1365-2036.2009.04076.x Typ Journal Article Autor Goel A Journal Alimentary Pharmacology & Therapeutics Seiten 634-642 Link Publikation -
2009
Titel The position of the amino group on the benzene ring is critical for mesalamine's improvement of replication fidelity DOI 10.1002/ibd.21112 Typ Journal Article Autor Campregher C Journal Inflammatory Bowel Diseases Seiten 576-582 Link Publikation -
2009
Titel Systematic review: molecular chemoprevention of colorectal malignancy by mesalazine DOI 10.1111/j.1365-2036.2009.04195.x Typ Journal Article Autor Lyakhovich A Journal Alimentary Pharmacology & Therapeutics Seiten 202-209 Link Publikation -
2008
Titel Activated neutrophils induce an hMSH2-dependent G2/M checkpoint arrest and replication errors at a (CA)13-repeat in colon epithelial cells DOI 10.1136/gut.2007.141556 Typ Journal Article Autor Campregher C Journal Gut Seiten 780 Link Publikation -
2007
Titel Aspirin blocks proliferation in colon cells by inducing a G 1 arrest and apoptosis through activation of the checkpoint kinase ATM DOI 10.1093/carcin/bgm101 Typ Journal Article Autor Luciani M Journal Carcinogenesis Seiten 2207-2217 Link Publikation -
2006
Titel Systematic review: managing anaemia in Crohn's disease DOI 10.1111/j.1365-2036.2006.03146.x Typ Journal Article Autor Kulnigg S Journal Alimentary Pharmacology & Therapeutics Seiten 1507-1523 -
2006
Titel 5-ASA Affects Cell Cycle Progression in Colorectal Cells by Reversibly Activating a Replication Checkpoint DOI 10.1053/j.gastro.2006.10.016 Typ Journal Article Autor Luciani M Journal Gastroenterology Seiten 221-235 Link Publikation -
2012
Titel Mesalamine modulates intercellular adhesion through inhibition of p-21 activated kinase-1 DOI 10.1016/j.bcp.2012.10.026 Typ Journal Article Autor Khare V Journal Biochemical Pharmacology Seiten 234-244 Link Publikation -
2012
Titel MSH3-Deficiency Initiates EMAST without Oncogenic Transformation of Human Colon Epithelial Cells DOI 10.1371/journal.pone.0050541 Typ Journal Article Autor Campregher C Journal PLoS ONE Link Publikation -
2011
Titel Interaction of mesalasine (5-ASA) with translational initiation factors eIF4 partially explains 5-ASA anti-inflammatory and anti-neoplastic activities. DOI 10.2174/157340611794859325 Typ Journal Article Autor Lyakhovich A Journal Medicinal chemistry (Shariqah (United Arab Emirates)) Seiten 92-8 -
2010
Titel Mesalazine Reduces Mutations in Transforming Growth Factor ß Receptor II and Activin Type II Receptor by Improvement of Replication Fidelity in Mononucleotide Repeats DOI 10.1158/1078-0432.ccr-09-2854 Typ Journal Article Autor Campregher C Journal Clinical Cancer Research Seiten 1950-1956 Link Publikation -
2009
Titel Systematic review: does concurrent therapy with 5-ASA and immunomodulators in inflammatory bowel disease improve outcomes? DOI 10.1111/j.1365-2036.2008.03915.x Typ Journal Article Autor Andrews J Journal Alimentary Pharmacology & Therapeutics Seiten 459-469 Link Publikation -
2010
Titel The nucleotide composition of microsatellites impacts both replication fidelity and mismatch repair in human colorectal cells DOI 10.1093/hmg/ddq175 Typ Journal Article Autor Campregher C Journal Human Molecular Genetics Seiten 2648-2657 Link Publikation