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Komorbidität von Defiziten im Lesen, Schreiben und Rechnen

Comorbidity of deficits in reading, spelling and arithmetic

Karin Landerl (ORCID: 0000-0003-4074-0233)
  • Grant-DOI 10.55776/P18351
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 02.01.2006
  • Projektende 01.01.2010
  • Bewilligungssumme 282.555 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Psychologie (100%)

Keywords

    Specific Developmental Disorders, Comorbidity, Dyslexia, Dyscalculia

Abstract Endbericht

Unentdeckte Komorbiditäten bei Kindern mit spezifischen Entwicklungsstörungen sind nicht nur für die klinische Praxis ein Problem, sondern stellen auch ein ernsthaftes methodisches Problem für die Forschung dar: Zur Identifikation der neurokognitiven Ursachen werden üblicherweise Gruppen von Kindern mit der fraglichen spezifischen Entwicklungsstörung mit Kontrollgrupppen (Kinder mit unauffälliger Entwicklung) verglichen. Wenn sich zwischen den beiden Gruppen signifikante Unterschiede zeigen, so bleibt oft unklar, ob dieser Unterschied nicht auf einige Kinder in der Experimentalgruppe zurückzuführen ist, die neben der fraglichen Störung auch noch zusätzliche, komorbide Auffälligkeiten (z.B. eine Aufmerksamkeitsstörung) aufweisen, während Kinder mit einer singulären Entwicklungsstörung (also ohne derartige zusätzliche Probleme) sich möglicherweise gar nicht von der Kontrollgruppe unterscheiden. Gemeinsames Auftreten von Entwicklungsstörungen wird häufig berichtet, allerdings beziehen sich diese Berichte meist auf klinische Populationen. Über die Prävalenz derartiger Komorbiditäten in der Gesamtpopulation der Schulkinder ist wenig bekannt. Die Erhebung dieser Prävalenz in einem österreichischen Schulbezirk ist das erste Ziel des beantragten Projekts. Es soll erhoben werden, wie viele Kinder komorbide Defizite des Lesens, Rechtschreibens, Rechnens und der Aufmerksamkeit aufweisen.. Das zweite Ziel des Projektes besteht in der Abklärung der neurokognitiven und neurobiologischen Ursache dieser Komorbiditäten. Aktuelle Verursachungstheorien für Dyslexie (phonologisches Defizit, Automatisierungsdefizit, magnozelluläres Defizit) und Dyskalkulie (Defizit in der basalen Zahlenverarbeitung, Defizite in den exekutiven Funktionen, Gedächtnisdefizite) sollen an sorgfältig ausgewählten Stichproben von Kindern mit singulären und kombinierten Problemen des Lesens, Rechtschreibens, Rechnens und der Aufmerksamkeit auf ihre Spezifität hin überprüft werden. Wir erwarten, dass dyslektische Kinder spezifische Auffälligkeiten in der Domäne der phonologischen Verarbeitung zeigen werden, und dyskalkulische Kinder in der Domäne der basalen Zahlenverarbeitung. Andere kognitive Auffälligkeiten sollten gemäß unserer Hypothese nur bei Kindern mit komorbiden Problemen auftreten. Wir nehmen also an, dass diese Entwicklungsstörungen auf der neurokognitiven Ebene weitgehend unabhängig voneinander sind. Das häufige gemeinsame Auftreten könnte durch eine ähnliche genetische Ätiologie zu erklären sein. Dieser Annahme wird im Rahmen einer internationalen Forschungskooperation mit den Universitäten Marburg und Bonn nachgegangen.

Unentdeckte Komorbiditäten bei Kindern mit spezifischen Entwicklungsstörungen sind nicht nur für die klinische Praxis ein Problem, sondern stellen auch ein ernsthaftes methodisches Problem für die Forschung dar: Zur Identifikation der neurokognitiven Ursachen werden üblicherweise Gruppen von Kindern mit der fraglichen spezifischen Entwicklungsstörung mit Kontrollgrupppen (Kinder mit unauffälliger Entwicklung) verglichen. Wenn sich zwischen den beiden Gruppen signifikante Unterschiede zeigen, so bleibt oft unklar, ob dieser Unterschied nicht auf einige Kinder in der Experimentalgruppe zurückzuführen ist, die neben der fraglichen Störung auch noch zusätzliche, komorbide Auffälligkeiten (z.B. eine Aufmerksamkeitsstörung) aufweisen, während Kinder mit einer singulären Entwicklungsstörung (also ohne derartige zusätzliche Probleme) sich möglicherweise gar nicht von der Kontrollgruppe unterscheiden. Gemeinsames Auftreten von Entwicklungsstörungen wird häufig berichtet, allerdings beziehen sich diese Berichte meist auf klinische Populationen. Über die Prävalenz derartiger Komorbiditäten in der Gesamtpopulation der Schulkinder ist wenig bekannt. Die Erhebung dieser Prävalenz in einem österreichischen Schulbezirk ist das erste Ziel des beantragten Projekts. Es soll erhoben werden, wie viele Kinder komorbide Defizite des Lesens, Rechtschreibens, Rechnens und der Aufmerksamkeit aufweisen.. Das zweite Ziel des Projektes besteht in der Abklärung der neurokognitiven und neurobiologischen Ursache dieser Komorbiditäten. Aktuelle Verursachungstheorien für Dyslexie (phonologisches Defizit, Automatisierungsdefizit, magnozelluläres Defizit) und Dyskalkulie (Defizit in der basalen Zahlenverarbeitung, Defizite in den exekutiven Funktionen, Gedächtnisdefizite) sollen an sorgfältig ausgewählten Stichproben von Kindern mit singulären und kombinierten Problemen des Lesens, Rechtschreibens, Rechnens und der Aufmerksamkeit auf ihre Spezifität hin überprüft werden. Wir erwarten, dass dyslektische Kinder spezifische Auffälligkeiten in der Domäne der phonologischen Verarbeitung zeigen werden, und dyskalkulische Kinder in der Domäne der basalen Zahlenverarbeitung. Andere kognitive Auffälligkeiten sollten gemäß unserer Hypothese nur bei Kindern mit komorbiden Problemen auftreten. Wir nehmen also an, dass diese Entwicklungsstörungen auf der neurokognitiven Ebene weitgehend unabhängig voneinander sind. Das häufige gemeinsame Auftreten könnte durch eine ähnliche genetische Ätiologie zu erklären sein. Dieser Annahme wird im Rahmen einer internationalen Forschungskooperation mit den Universitäten Marburg und Bonn nachgegangen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Tübingen - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Gerd Schulte-Körne, Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München - Deutschland
  • Markus M. Nöthen, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn - Deutschland

Research Output

  • 1951 Zitationen
  • 12 Publikationen
Publikationen
  • 2020
    Titel Visual word form processing deficits driven by severity of reading impairments in children with developmental dyslexia
    DOI 10.1038/s41598-020-75111-8
    Typ Journal Article
    Autor Brem S
    Journal Scientific Reports
    Seiten 18728
    Link Publikation
  • 2009
    Titel Typical and atypical development of basic numerical skills in elementary school
    DOI 10.1016/j.jecp.2008.12.006
    Typ Journal Article
    Autor Landerl K
    Journal Journal of Experimental Child Psychology
    Seiten 546-565
  • 2009
    Titel Dyslexia and dyscalculia: Two learning disorders with different cognitive profiles
    DOI 10.1016/j.jecp.2009.03.006
    Typ Journal Article
    Autor Landerl K
    Journal Journal of Experimental Child Psychology
    Seiten 309-324
  • 2009
    Titel Basic number processing deficits in developmental dyscalculia: Evidence from eye tracking
    DOI 10.1016/j.cogdev.2009.09.007
    Typ Journal Article
    Autor Moeller K
    Journal Cognitive Development
    Seiten 371-386
  • 2008
    Titel Naming speed in dyslexia and dyscalculia
    DOI 10.1016/j.lindif.2008.01.003
    Typ Journal Article
    Autor Willburger E
    Journal Learning and Individual Differences
    Seiten 224-236
  • 2012
    Titel Evidence for the involvement of ZNF804A in cognitive processes of relevance to reading and spelling
    DOI 10.1038/tp.2012.62
    Typ Journal Article
    Autor Becker J
    Journal Translational Psychiatry
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Predictors of developmental dyslexia in European orthographies with varying complexity
    DOI 10.1111/jcpp.12029
    Typ Journal Article
    Autor Landerl K
    Journal Journal of Child Psychology and Psychiatry
    Seiten 686-694
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Subitizing and counting in typical and atypical development
    DOI 10.1111/j.1467-7687.2010.00976.x
    Typ Journal Article
    Autor Schleifer P
    Journal Developmental Science
    Seiten 280-291
  • 2014
    Titel Cognitive mechanisms underlying reading and spelling development in five European orthographies
    DOI 10.1016/j.learninstruc.2013.09.003
    Typ Journal Article
    Autor Moll K
    Journal Learning and Instruction
    Seiten 65-77
    Link Publikation
  • 2010
    Titel Comorbidity of learning disorders: prevalence and familial transmission
    DOI 10.1111/j.1469-7610.2009.02164.x
    Typ Journal Article
    Autor Landerl K
    Journal Journal of Child Psychology and Psychiatry
    Seiten 287-294
  • 2010
    Titel Temporal processing, attention, and learning disorders
    DOI 10.1016/j.lindif.2010.03.008
    Typ Journal Article
    Autor Landerl K
    Journal Learning and Individual Differences
    Seiten 393-401
  • 2010
    Titel Anchoring the deficit of the anchor deficit: dyslexia or attention?
    DOI 10.1002/dys.404
    Typ Journal Article
    Autor Willburger E
    Journal Dyslexia
    Seiten 175-182

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