Komorbidität von Defiziten im Lesen, Schreiben und Rechnen
Comorbidity of deficits in reading, spelling and arithmetic
Wissenschaftsdisziplinen
Psychologie (100%)
Keywords
-
Specific Developmental Disorders,
Comorbidity,
Dyslexia,
Dyscalculia
Unentdeckte Komorbiditäten bei Kindern mit spezifischen Entwicklungsstörungen sind nicht nur für die klinische Praxis ein Problem, sondern stellen auch ein ernsthaftes methodisches Problem für die Forschung dar: Zur Identifikation der neurokognitiven Ursachen werden üblicherweise Gruppen von Kindern mit der fraglichen spezifischen Entwicklungsstörung mit Kontrollgrupppen (Kinder mit unauffälliger Entwicklung) verglichen. Wenn sich zwischen den beiden Gruppen signifikante Unterschiede zeigen, so bleibt oft unklar, ob dieser Unterschied nicht auf einige Kinder in der Experimentalgruppe zurückzuführen ist, die neben der fraglichen Störung auch noch zusätzliche, komorbide Auffälligkeiten (z.B. eine Aufmerksamkeitsstörung) aufweisen, während Kinder mit einer singulären Entwicklungsstörung (also ohne derartige zusätzliche Probleme) sich möglicherweise gar nicht von der Kontrollgruppe unterscheiden. Gemeinsames Auftreten von Entwicklungsstörungen wird häufig berichtet, allerdings beziehen sich diese Berichte meist auf klinische Populationen. Über die Prävalenz derartiger Komorbiditäten in der Gesamtpopulation der Schulkinder ist wenig bekannt. Die Erhebung dieser Prävalenz in einem österreichischen Schulbezirk ist das erste Ziel des beantragten Projekts. Es soll erhoben werden, wie viele Kinder komorbide Defizite des Lesens, Rechtschreibens, Rechnens und der Aufmerksamkeit aufweisen.. Das zweite Ziel des Projektes besteht in der Abklärung der neurokognitiven und neurobiologischen Ursache dieser Komorbiditäten. Aktuelle Verursachungstheorien für Dyslexie (phonologisches Defizit, Automatisierungsdefizit, magnozelluläres Defizit) und Dyskalkulie (Defizit in der basalen Zahlenverarbeitung, Defizite in den exekutiven Funktionen, Gedächtnisdefizite) sollen an sorgfältig ausgewählten Stichproben von Kindern mit singulären und kombinierten Problemen des Lesens, Rechtschreibens, Rechnens und der Aufmerksamkeit auf ihre Spezifität hin überprüft werden. Wir erwarten, dass dyslektische Kinder spezifische Auffälligkeiten in der Domäne der phonologischen Verarbeitung zeigen werden, und dyskalkulische Kinder in der Domäne der basalen Zahlenverarbeitung. Andere kognitive Auffälligkeiten sollten gemäß unserer Hypothese nur bei Kindern mit komorbiden Problemen auftreten. Wir nehmen also an, dass diese Entwicklungsstörungen auf der neurokognitiven Ebene weitgehend unabhängig voneinander sind. Das häufige gemeinsame Auftreten könnte durch eine ähnliche genetische Ätiologie zu erklären sein. Dieser Annahme wird im Rahmen einer internationalen Forschungskooperation mit den Universitäten Marburg und Bonn nachgegangen.
Unentdeckte Komorbiditäten bei Kindern mit spezifischen Entwicklungsstörungen sind nicht nur für die klinische Praxis ein Problem, sondern stellen auch ein ernsthaftes methodisches Problem für die Forschung dar: Zur Identifikation der neurokognitiven Ursachen werden üblicherweise Gruppen von Kindern mit der fraglichen spezifischen Entwicklungsstörung mit Kontrollgrupppen (Kinder mit unauffälliger Entwicklung) verglichen. Wenn sich zwischen den beiden Gruppen signifikante Unterschiede zeigen, so bleibt oft unklar, ob dieser Unterschied nicht auf einige Kinder in der Experimentalgruppe zurückzuführen ist, die neben der fraglichen Störung auch noch zusätzliche, komorbide Auffälligkeiten (z.B. eine Aufmerksamkeitsstörung) aufweisen, während Kinder mit einer singulären Entwicklungsstörung (also ohne derartige zusätzliche Probleme) sich möglicherweise gar nicht von der Kontrollgruppe unterscheiden. Gemeinsames Auftreten von Entwicklungsstörungen wird häufig berichtet, allerdings beziehen sich diese Berichte meist auf klinische Populationen. Über die Prävalenz derartiger Komorbiditäten in der Gesamtpopulation der Schulkinder ist wenig bekannt. Die Erhebung dieser Prävalenz in einem österreichischen Schulbezirk ist das erste Ziel des beantragten Projekts. Es soll erhoben werden, wie viele Kinder komorbide Defizite des Lesens, Rechtschreibens, Rechnens und der Aufmerksamkeit aufweisen.. Das zweite Ziel des Projektes besteht in der Abklärung der neurokognitiven und neurobiologischen Ursache dieser Komorbiditäten. Aktuelle Verursachungstheorien für Dyslexie (phonologisches Defizit, Automatisierungsdefizit, magnozelluläres Defizit) und Dyskalkulie (Defizit in der basalen Zahlenverarbeitung, Defizite in den exekutiven Funktionen, Gedächtnisdefizite) sollen an sorgfältig ausgewählten Stichproben von Kindern mit singulären und kombinierten Problemen des Lesens, Rechtschreibens, Rechnens und der Aufmerksamkeit auf ihre Spezifität hin überprüft werden. Wir erwarten, dass dyslektische Kinder spezifische Auffälligkeiten in der Domäne der phonologischen Verarbeitung zeigen werden, und dyskalkulische Kinder in der Domäne der basalen Zahlenverarbeitung. Andere kognitive Auffälligkeiten sollten gemäß unserer Hypothese nur bei Kindern mit komorbiden Problemen auftreten. Wir nehmen also an, dass diese Entwicklungsstörungen auf der neurokognitiven Ebene weitgehend unabhängig voneinander sind. Das häufige gemeinsame Auftreten könnte durch eine ähnliche genetische Ätiologie zu erklären sein. Dieser Annahme wird im Rahmen einer internationalen Forschungskooperation mit den Universitäten Marburg und Bonn nachgegangen.
- Universität Tübingen - 100%
- Gerd Schulte-Körne, Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München - Deutschland
- Markus M. Nöthen, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn - Deutschland
Research Output
- 1951 Zitationen
- 12 Publikationen
-
2020
Titel Visual word form processing deficits driven by severity of reading impairments in children with developmental dyslexia DOI 10.1038/s41598-020-75111-8 Typ Journal Article Autor Brem S Journal Scientific Reports Seiten 18728 Link Publikation -
2009
Titel Typical and atypical development of basic numerical skills in elementary school DOI 10.1016/j.jecp.2008.12.006 Typ Journal Article Autor Landerl K Journal Journal of Experimental Child Psychology Seiten 546-565 -
2009
Titel Dyslexia and dyscalculia: Two learning disorders with different cognitive profiles DOI 10.1016/j.jecp.2009.03.006 Typ Journal Article Autor Landerl K Journal Journal of Experimental Child Psychology Seiten 309-324 -
2009
Titel Basic number processing deficits in developmental dyscalculia: Evidence from eye tracking DOI 10.1016/j.cogdev.2009.09.007 Typ Journal Article Autor Moeller K Journal Cognitive Development Seiten 371-386 -
2008
Titel Naming speed in dyslexia and dyscalculia DOI 10.1016/j.lindif.2008.01.003 Typ Journal Article Autor Willburger E Journal Learning and Individual Differences Seiten 224-236 -
2012
Titel Evidence for the involvement of ZNF804A in cognitive processes of relevance to reading and spelling DOI 10.1038/tp.2012.62 Typ Journal Article Autor Becker J Journal Translational Psychiatry Link Publikation -
2012
Titel Predictors of developmental dyslexia in European orthographies with varying complexity DOI 10.1111/jcpp.12029 Typ Journal Article Autor Landerl K Journal Journal of Child Psychology and Psychiatry Seiten 686-694 Link Publikation -
2011
Titel Subitizing and counting in typical and atypical development DOI 10.1111/j.1467-7687.2010.00976.x Typ Journal Article Autor Schleifer P Journal Developmental Science Seiten 280-291 -
2014
Titel Cognitive mechanisms underlying reading and spelling development in five European orthographies DOI 10.1016/j.learninstruc.2013.09.003 Typ Journal Article Autor Moll K Journal Learning and Instruction Seiten 65-77 Link Publikation -
2010
Titel Comorbidity of learning disorders: prevalence and familial transmission DOI 10.1111/j.1469-7610.2009.02164.x Typ Journal Article Autor Landerl K Journal Journal of Child Psychology and Psychiatry Seiten 287-294 -
2010
Titel Temporal processing, attention, and learning disorders DOI 10.1016/j.lindif.2010.03.008 Typ Journal Article Autor Landerl K Journal Learning and Individual Differences Seiten 393-401 -
2010
Titel Anchoring the deficit of the anchor deficit: dyslexia or attention? DOI 10.1002/dys.404 Typ Journal Article Autor Willburger E Journal Dyslexia Seiten 175-182