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Vermögens- und Arbeitsmärkte im Wirtschaftswachstum

Asset and labour markets in economic growth

Martin Riese (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P18419
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.10.2005
  • Projektende 31.12.2008
  • Bewilligungssumme 123.638 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Wirtschaftswissenschaften (100%)

Keywords

    Wealth effect, Labour market, Asset market, VAR estimation, Bhaduri Marglin model

Abstract Endbericht

In den letzten Jahren ist die Frage, welche Faktoren das Wirtschaftswachstum bestimmen, wieder in den Mittelpunkt des Interesses der Wirtschaftswissenschaften gerückt. Eine Unzahl möglicher Einflüsse von Bildung und geographischen Gegebenheiten bis zu Institutionen und Ungleichheit wurde untersucht. Die meisten Studien bewegen sich im theoretischen Rahmen der `endogenen` Wachstumstheorie, die ausschließlich auf Angebotsfaktoren abstellt. Im Gegensatz dazu steht in den Erklärungen in der Tradition von Keynes und Kalecki die Investitionsnachfrage und ihre Bestimmungsgründe, speziell die Kapazitätsauslastung und die Profitabilität, im Zentrum; Fragen der Verteilung und Umverteilung sind daher entscheidend. Im vorliegenden Projekt wird ein spezielles Modell dieser Denkrichtung, das Bhaduri-Marglin Modell, empirisch evaluiert und um Elemente erweitert, die in den letzten Jahren zunehmend bedeutsam geworden sind wie die Spekulationsblasen auf den Vermögensmärkten. Die Triftigkeit des theoretischen Modells kann am besten an Hand von empirischen Tests beurteilt werden. Es wird interessant sein zu sehen, für welche Länder (die großen OECD Länder und Österreich werden untersucht werden) und welche Zeitperioden das Wachstum entweder `Profit-geleitet` oder `Lohn-geleitet` war. Diese Typologie bezieht sich darauf, ob eine Umverteilung zu den Profiten oder zu den Löhnen das Wachstum stimuliert. In den letzten Jahren haben die Preisbewegungen auf den Aktienmärkten große Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Es konnte tatsächlich gezeigt werden, dass Vermögenseffekte einen beträchtlichen Einfluss auf die (Konsum)nachfrage haben. Diese Ausgaben wurden oft durch steigende Verschuldung der Haushalte finanziert, wobei die Kapitalgewinne als Sicherstellung dienen (dies ist besonders am Immobilienmarkt zu beobachten); diese Struktur macht umgekehrt die Wirkung eines rückläufigen Vermögensmarktes auf die Nachfrage besonders akut. In dem Projekt wird der Zyklus von Verschuldung und Nachfrage, sowie die Rückwirkungen auf die Verteilung, mit besonderer Berücksichtigung des Immobilienmarkts, modelliert. Die Arbeitsmärkte sind in den letzten Jahrzehnten zunehmend komplex und ihre passive Rolle in keynesianischen Erklärungen damit unzureichender geworden. Das Projekt wird Phänomene wie Hysterese - d.i. der fortdauernde Effekt vergangener Arbeitsmarktkonstellationen - und die Größe des Kapitalstocks auf die gegenwärtige Verhandlungsmacht der Vertragsparteien am Arbeitsmarkt und somit auf die Verteilung in das Wachstumsmodell einbeziehen.

Dass Lohnänderungen sowohl einen Nachfrage- als auch einen Kosteneffekt haben, ist in der tagespolitischen Diskussion geläufig: Niedrigere Reallöhne dämpfen einerseits die Konsumnachfrage, können aber anderseits (über gestiegene Profitabilität) die Investitionsnachfrage und (über verbesserte internationale Wettbewerbsfähigkeit) die Exportnachfrage erhöhen. Vom relativen Gewicht dieser Wirkungen hängt es ab, ob ein hinter dem Produktivitätsfortschritt zurückbleibender Reallohn, wie er in den letzten beiden Jahrzehnten in vielen Ländern zu beobachten war, wachstumssteigernd oder wachstumshemmend wirkt. Die klassische Behandlung dieses Problembereichs in der theoretischen Literatur findet sich im sog. Bhaduri-Marglin Modell (Bhaduri - Marglin (1990)). In dem vorliegenden Projekt wurde unter der Patronanz von Prof. Bhaduri dieser Analyserahmen einerseits für mehrere Länder empirisch implementiert und anderseits theoretisch vertieft. Für Österreich ergibt sich, dass der Investitionsschub, der von hinter dem Produktivitätsfortschritt zurückbleibenden Löhnen verursacht wird, nicht groß genug ist, um den durch die Lohnzurückhaltung entstehenden Konsumausfall zu kompensieren. Wenn auch die verbesserte internationale Konkurrenzposition und die daraus sich ergebende Erhöhung der (Netto)exporte mitberücksichtigt wird, kann hingegen eine geringfügige Outputerhöhung nachgewiesen werden. Der letztere Effekt gilt allerdings nur, wenn die Handelspartner ihre Lohnstückkosten unverändert lassen, was meist nicht der Fall ist. Ein ähnliches Ergebnis gilt für die Europäische Union (EU). Betrachtet als ein einheitlicher Wirtschaftsraum, hat Lohnzurückhaltung keine nachfragestimulierende Wirkung. Das beruht wesentlich darauf, dass die EU als Ganzes eine Wirtschaft mit geringer Aussenverflechtung ist und somit der Exportstimulus nur ein geringes Gewicht besitzt. Die einzelnen Mitgliedsländer dagegen weisen überwiegend hohe Aussenhandelsquoten auf, wobei der Großteil der Exporte in andere Mitgliedsländer geht. Das wiederum bewirkt, dass für jedes einzelne Land, isoliert genommen, Lohnzurückhaltung und die daraus resultierende Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit expansiv wirkt. Die einzelnen Mitgliedsländer befinden sich somit in einer Gefangenen- Dilemma-Situation, in der nationalstaatlich (scheinbar) rationale Strategien der Lohnzurückhaltung dann, wenn alle Mitgliedsländer diese Strategie verfolgen, nicht zu dem gewünschten Ergebnis führen. Hier könnte Lohnkoordination dazu beitragen, das Überwiegen des Nachfrageeffekts auf europäischer Ebene für Lohnabschlüsse über dem oder mindestens im Ausmaß des Produktivitätsfortschritts für höheres Wachstum zu nutzen. Auf theoretischer Ebene wurde versucht, den in den letzten Jahren immer wichtiger gewordenen Finanzsektor genauer zu modellieren, z.B. durch die Einführung einer gesonderten Rentierklasse, die einen Teil des Profiteinkommens erhält und eine höhere Konsumneigung als die übrigen Profiteinkommensbezieher besitzt, und somit speziellen Einfluss auf die Konsum- und Investitionsnachfrage nimmt.

Forschungsstätte(n)
  • Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche - 100%

Research Output

  • 608 Zitationen
  • 6 Publikationen
Publikationen
  • 2008
    Titel Demand effects of the falling wage share in Austria
    DOI 10.1007/s10663-008-9069-0
    Typ Journal Article
    Autor Stockhammer E
    Journal Empirica
    Seiten 481-502
  • 2008
    Titel Functional income distribution and aggregate demand in the Euro area
    DOI 10.1093/cje/ben026
    Typ Journal Article
    Autor Stockhammer E
    Journal Cambridge Journal of Economics
    Seiten 139-159
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Financialisation, income distribution and aggregate demand in the USA
    DOI 10.1093/cje/beq045
    Typ Journal Article
    Autor Onaran Ö
    Journal Cambridge Journal of Economics
    Seiten 637-661
  • 2011
    Titel Globalization and the effects of changes in functional income distribution on aggregate demand in Germany
    DOI 10.1080/02692170903426096
    Typ Journal Article
    Autor Stockhammer E
    Journal International Review of Applied Economics
    Seiten 1-23
    Link Publikation
  • 2011
    Titel The impact of monetary policy on unemployment hysteresis
    DOI 10.1080/00036846.2011.566199
    Typ Journal Article
    Autor Stockhammer E
    Journal Applied Economics
    Seiten 2743-2756
    Link Publikation
  • 2010
    Titel Financial Uncertainty and Business Investment
    DOI 10.1080/09538259.2010.510317
    Typ Journal Article
    Autor Stockhammer E
    Journal Review of Political Economy
    Seiten 551-568
    Link Publikation

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