Transnationales Erbe in nationalisierten Geschichtsbildern
Transnational Heritage in Nationalized Historiography
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Sozialwissenschaften (30%); Geschichte, Archäologie (70%)
Keywords
-
Minderheiten,
Museologie,
Südosteuropa,
Kulturtransferforschung,
Zeitgeschichte,
Historische Komparatistik
Das Forschungsvorhaben "Transnationales Erbe im Brennpunkt nationalisierter Geschichtsbilder. Istanbul (Galata- Pera) und Saloniki im Vergleich" versteht sich als Fortsetzung des FWF-Projekts "Die Pera-Gesellschaft von Istanbul von 1918/23 bis heute." Die projektierte Thematik greift die für die Region Südosteuropa geradezu typische Kontroverse um (gemeinsames) historisches Erbe auf, das von zwei oder mehreren Seiten unter streng getrennten Blickwinkeln zur Durchsetzung eigener, nationalen Sachkategorien verhafteter (Besitz-)Ansprüche instrumentalisiert wird. Den Ausgangspunkt der projektierten Studie bildet ein Vergleich unter transnationalen Vorzeichen zwischen den Schauplätzen Istanbul (Galata-Pera) und der heute nordgriechische Stadt Saloniki, im Zentrum der historischen, durch ethnische Gemengelage geprägten Großregion Makedonien gelegen, die zwischen 1430 und 1912/13 Teil des osmanischen Reichs und nach Konstantinopel und Smyrna die drittgrößte Hafenstadt des Reichs war. In beiden Fallbeispielen geht es um ein und dasselbe Problem nur in lokal unterschiedlichem Kontext: beide Zentren verfügen aufgrund ihrer fast 500-jährigen Zugehörigkeit zum osmanischen Reich über ein bis in die Gegenwart sicht- und wahrnehmbares transnational verortetes historisches Erbe, dessen Aufarbeitung erst seit gut 20 Jahren stattfindet, allerdings über ein nationalisiertes türkisches bzw. griechisches, im Falle Salonikis insbesondere auch jüdisches Geschichtsbild. Der innovative Charakter der Studie liegt vor allem in 4 Bereichen: (1) in ihrer transnationalen Ausrichtung, durch die genuin in Istanbul, in der Athener Diaspora und in Saloniki produziertes heterogenes Quellenmaterial wertneutral und damit als gleichberechtigt anerkannt und nicht zur Durchsetzung von aus einem nationalisierten Geschichtsbild herrührenden Deutungsansprüchen instrumentalisiert wird; (2) wird die Studie durch verstärkte Einbeziehung von audiovisuellen und illustrativen sowie musealen Quellen auch den neuesten Trends des "visual -" und "spatial turn" und "iconic criticism" gerecht; (3) handelt es sich bei dem aus der historischen Komparatistik und transfergeschichtlichen Ansätzen kombinierten Konzept um eine erst in den späten 1990er Jahren entwickelte Umorientierung der Geschichtswissenschaft (Siegrist, Middell); (4) wird durch Anwendung dieses kombinierten Ansatzes auf südosteuropäische Themen das Fach "Südosteuropa" stärker in den internationalen kulturwissenschaftlichen Diskurs eingebunden wie mit dieser Studie überhaupt für die Transferforschung richtungsweisende Wirkung erwartet werden darf. Aus vergleichender Perspektive unter transnationalen Vorzeichen wird a) der zeitliche Rahmen und Rezipientenkreis erfaßt; b) das historische Erbe kategorisiert (gesellschaftliches, materielles, funktionales, ideelles, organisatorisches Erbe); c) dem Transformationsprozess basierend auf P. Noras Wortspiel vom "milieu de mémoire" zum "lieu de mémoire" nachgespürt; und schließlich werden d) die Wechselbeziehungen zwischen kulturellem und ökonomischen Kapital in Hinblick auf die Aufarbeitung einer komplexen Vergangenheit untersucht unter besonderer Berücksichtigung externer Einflüsse wie z.B. der EU.
Das Forschungsvorhaben "Transnationales Erbe im Brennpunkt nationalisierter Geschichtsbilder. Istanbul (Galata- Pera) und Saloniki im Vergleich" versteht sich als Fortsetzung des FWF-Projekts "Die Pera-Gesellschaft von Istanbul von 1918/23 bis heute." Die projektierte Thematik greift die für die Region Südosteuropa geradezu typische Kontroverse um (gemeinsames) historisches Erbe auf, das von zwei oder mehreren Seiten unter streng getrennten Blickwinkeln zur Durchsetzung eigener, nationalen Sachkategorien verhafteter (Besitz-)Ansprüche instrumentalisiert wird. Den Ausgangspunkt der projektierten Studie bildet ein Vergleich unter transnationalen Vorzeichen zwischen den Schauplätzen Istanbul (Galata-Pera) und der heute nordgriechische Stadt Saloniki, im Zentrum der historischen, durch ethnische Gemengelage geprägten Großregion Makedonien gelegen, die zwischen 1430 und 1912/13 Teil des osmanischen Reichs und nach Konstantinopel und Smyrna die drittgrößte Hafenstadt des Reichs war. In beiden Fallbeispielen geht es um ein und dasselbe Problem nur in lokal unterschiedlichem Kontext: beide Zentren verfügen aufgrund ihrer fast 500-jährigen Zugehörigkeit zum osmanischen Reich über ein bis in die Gegenwart sicht- und wahrnehmbares transnational verortetes historisches Erbe, dessen Aufarbeitung erst seit gut 20 Jahren stattfindet, allerdings über ein nationalisiertes türkisches bzw. griechisches, im Falle Salonikis insbesondere auch jüdisches Geschichtsbild. Der innovative Charakter der Studie liegt vor allem in 4 Bereichen: (1) in ihrer transnationalen Ausrichtung, durch die genuin in Istanbul, in der Athener Diaspora und in Saloniki produziertes heterogenes Quellenmaterial wertneutral und damit als gleichberechtigt anerkannt und nicht zur Durchsetzung von aus einem nationalisierten Geschichtsbild herrührenden Deutungsansprüchen instrumentalisiert wird; (2) wird die Studie durch verstärkte Einbeziehung von audiovisuellen und illustrativen sowie musealen Quellen auch den neuesten Trends des "visual -" und "spatial turn" und "iconic criticism" gerecht; (3) handelt es sich bei dem aus der historischen Komparatistik und transfergeschichtlichen Ansätzen kombinierten Konzept um eine erst in den späten 1990er Jahren entwickelte Umorientierung der Geschichtswissenschaft (Siegrist, Middell); (4) wird durch Anwendung dieses kombinierten Ansatzes auf südosteuropäische Themen das Fach "Südosteuropa" stärker in den internationalen kulturwissenschaftlichen Diskurs eingebunden wie mit dieser Studie überhaupt für die Transferforschung richtungsweisende Wirkung erwartet werden darf. Aus vergleichender Perspektive unter transnationalen Vorzeichen wird a) der zeitliche Rahmen und Rezipientenkreis erfaßt; b) das historische Erbe kategorisiert (gesellschaftliches, materielles, funktionales, ideelles, organisatorisches Erbe); c) dem Transformationsprozess basierend auf P. Noras Wortspiel vom "milieu de mémoire" zum "lieu de mémoire" nachgespürt; und schließlich werden d) die Wechselbeziehungen zwischen kulturellem und ökonomischen Kapital in Hinblick auf die Aufarbeitung einer komplexen Vergangenheit untersucht unter besonderer Berücksichtigung externer Einflüsse wie z.B. der EU.
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