Soziale Unterstützung bei Graugänsen (Anser anser)
Social Support in Greylag Geese (Anser anser)
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (75%); Klinische Medizin (25%)
Keywords
-
Social Support,
Pituitary-Adrenocortical System,
Stress Managment,
Mesotocin,
Sympathico-Adrenomedullary System,
Prolactin
Unterstützung von Sozialpartnern kann Stress reduzieren, den Erfolg in agonistischen Interaktionen erhöhen, und den Zugang zu Ressourcen erleichtern. Dieses Phänomen wurde bisher fast nur in Säugetieren, und dort vorwiegend bei Primaten, beschrieben. In dieser Studie versuchen wir, Mechanismen und Funktionen von sozialen Allianzen bei Graugänsen (Anser anser) zu erforschen. Im Wesentlichen kennt man zwei Arten von sozialer Unterstützung: (i) aktive soziale Unterstützung`, womit die aktive Teilnahme eines Sozialpartners in agonistischen Interaktionen gemeint ist, und (ii) passive soziale Unterstützung`, bei welcher durch die Präsenz eines sozialen Verbündeten sowohl die Physiologie als auch das Verhalten positiv beeinflusst, i.e. Stress reduziert, wird. Drei Voraussetzungen für die Entwicklung von sozialer Unterstützung wurden beschrieben (von Holst, 1998): (i) komplexe soziale Organisation, (ii) langzeitliche Beziehungen zu den Sozialpartner, und (iii) Matrilinien. Graugänse verpaaren sich lebenslang, und die flüggen Jungen bleiben noch ein knappes Jahr bei deren Eltern, und sind damit ein ideales Vogelmodel um soziale Unterstützung zu untersuchen. Unser Hauptziel ist es zu zeigen ob bei Graugänsen soziale Unterstützung als ein Hauptfaktor für individuelle Stressregulierung angesehen werden kann. Ganz besonders interessiert uns, ob sowohl die langsame als auch die schnelle Stressachse durch die Anwesenheit eines Sozialpartners (passive soziale Unterstützung) moduliert werden. Im Speziellen wollen wir sowohl den Beginn und die weitere Entwicklung von sozialer Unterstützung bei Graugansgösseln und deren Eltern vom Schlupf weg beobachten, als auch die Verteilung von gegebener und erhaltender, aktiver und passiver, sozialer Unterstützung innerhalb verschiedener sozialer Verbündeter (Männchen, Weibchen, Jugendlicher) aufzeigen. Wie planen den Einfluss der Familiengröße auf die Bedeutung sozialer Unterstützung bestimmen, und dadurch gegebenenfalls den möglichen Nutzen des Annehmens nichtverwandter Jungen (Adoption`) erklären. Zusätzlich möchten wir untersuchen, ob sich Paarpartner in agonistischen Auseinandersetzungen nicht nur aktiv unterstützen, sondern sich auch durch soziopositives Verhalten, z. B. durch besondere Nähe, nach einer Konfliktsituation helfen. Ferner möchten wir klären, ob die soziale Organisation in Graugänsen auf Matrilinien beruht. Zuletzt planen wir sowohl Zusammenhänge zwischen der als Junggans erhaltenen soziale Unterstützung und der späteren Qualität als Paarpartner aufzuzeigen, als auch den Einfluss von sozialer Unterstützung in Paaren auf die Entwicklungsgeschichte und den reproduktiven Erfolg zu quantifizieren. Diese Fragen werden wir mit verhaltenbiologischen Beobachtungen von Graugansfamilien und Paaren zu beantworten versuchen. Zusätzlich werden wir auch physiologische Parameter bestimmen, wie zum Beispiel die Kortikosteronimmunoreaktiven Metaboliten im Kot als Determinante der langsamen Stressantwort, oder den Herzschlag als Determinante der schnellen Stressantwort. Zusätzlich planen wir die Bestimmung von Mesotocin (Homolog des sozialen Bindungshormons Oxytocin` der Säugetiere) aus Blutproben, um dessen Rolle in verschiedenen Formen soziopositiven Verhaltens darzulegen. Ebenfalls aus Blutproben planen wir Prolactin zu messen; dieses Hormon ist in Säugern Teil der klassischen Stressantwort. Zusammenfassend möchten wir ein umfassenderes Verständnis von den Zusammenhängen zwischen Verhalten und Physiologie auf individueller Ebene erhalten, damit wir letztendlich auf dem proximaten Level erklären können, warum Gänse sozial leben.
Unterstützung von Sozialpartnern kann Stress reduzieren, den Erfolg in agonistischen Interaktionen erhöhen, und den Zugang zu Ressourcen erleichtern. Dieses Phänomen wurde bisher fast nur in Säugetieren, und dort vorwiegend bei Primaten, beschrieben. In dieser Studie versuchen wir, Mechanismen und Funktionen von sozialen Allianzen bei Graugänsen (Anser anser) zu erforschen. Im Wesentlichen kennt man zwei Arten von sozialer Unterstützung: (i) `aktive soziale Unterstützung`, womit die aktive Teilnahme eines Sozialpartners in agonistischen Interaktionen gemeint ist, und (ii) `passive soziale Unterstützung`, bei welcher durch die Präsenz eines sozialen Verbündeten sowohl die Physiologie als auch das Verhalten positiv beeinflusst, i.e. Stress reduziert, wird. Drei Voraussetzungen für die Entwicklung von sozialer Unterstützung wurden beschrieben (von Holst, 1998): (i) komplexe soziale Organisation, (ii) langzeitliche Beziehungen zu den Sozialpartner, und (iii) Matrilinien. Graugänse verpaaren sich lebenslang, und die flüggen Jungen bleiben noch ein knappes Jahr bei deren Eltern, und sind damit ein ideales Vogelmodel um soziale Unterstützung zu untersuchen. Unser Hauptziel ist es zu zeigen ob bei Graugänsen soziale Unterstützung als ein Hauptfaktor für individuelle Stressregulierung angesehen werden kann. Ganz besonders interessiert uns, ob sowohl die langsame als auch die schnelle Stressachse durch die Anwesenheit eines Sozialpartners (passive soziale Unterstützung) moduliert werden. Im Speziellen wollen wir sowohl den Beginn und die weitere Entwicklung von sozialer Unterstützung bei Graugansgösseln und deren Eltern vom Schlupf weg beobachten, als auch die Verteilung von gegebener und erhaltender, aktiver und passiver, sozialer Unterstützung innerhalb verschiedener sozialer Verbündeter (Männchen, Weibchen, Jugendlicher) aufzeigen. Wie planen den Einfluss der Familiengröße auf die Bedeutung sozialer Unterstützung bestimmen, und dadurch gegebenenfalls den möglichen Nutzen des Annehmens nichtverwandter Jungen (`Adoption`) erklären. Zusätzlich möchten wir untersuchen, ob sich Paarpartner in agonistischen Auseinandersetzungen nicht nur aktiv unterstützen, sondern sich auch durch soziopositives Verhalten, z. B. durch besondere Nähe, nach einer Konfliktsituation helfen. Ferner möchten wir klären, ob die soziale Organisation in Graugänsen auf Matrilinien beruht. Zuletzt planen wir sowohl Zusammenhänge zwischen der als Junggans erhaltenen soziale Unterstützung und der späteren Qualität als Paarpartner aufzuzeigen, als auch den Einfluss von sozialer Unterstützung in Paaren auf die Entwicklungsgeschichte und den reproduktiven Erfolg zu quantifizieren. Diese Fragen werden wir mit verhaltenbiologischen Beobachtungen von Graugansfamilien und Paaren zu beantworten versuchen. Zusätzlich werden wir auch physiologische Parameter bestimmen, wie zum Beispiel die Kortikosteronimmunoreaktiven Metaboliten im Kot als Determinante der langsamen Stressantwort, oder den Herzschlag als Determinante der schnellen Stressantwort. Zusätzlich planen wir die Bestimmung von Mesotocin (Homolog des sozialen Bindungshormons `Oxytocin` der Säugetiere) aus Blutproben, um dessen Rolle in verschiedenen Formen soziopositiven Verhaltens darzulegen. Ebenfalls aus Blutproben planen wir Prolactin zu messen; dieses Hormon ist in Säugern Teil der klassischen Stressantwort. Zusammenfassend möchten wir ein umfassenderes Verständnis von den Zusammenhängen zwischen Verhalten und Physiologie auf individueller Ebene erhalten, damit wir letztendlich auf dem proximaten Level erklären können, warum Gänse sozial leben.
- Universität Wien - 100%
- Rupert Palme, Veterinärmedizinische Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
Research Output
- 303 Zitationen
- 12 Publikationen
-
2009
Titel Heart rate responses to agonistic encounters in greylag geese, Anser anser DOI 10.1016/j.anbehav.2009.01.013 Typ Journal Article Autor Wascher C Journal Animal Behaviour Seiten 955-961 -
2009
Titel Serial agonistic attacks by greylag goose families, Anser anser, against the same opponent DOI 10.1016/j.anbehav.2009.01.026 Typ Journal Article Autor Scheiber I Journal Animal Behaviour Seiten 1211-1216 Link Publikation -
2009
Titel Trans-Generational Influence of Human Disturbances in Japanese Quail: Egg Quality Influences Male Social and Sexual Behaviour DOI 10.1111/j.1439-0310.2009.01672.x Typ Journal Article Autor Bertin A Journal Ethology Seiten 879-887 -
2011
Titel Juvenile Greylag Geese (Anser anser) Discriminate between Individual Siblings DOI 10.1371/journal.pone.0022853 Typ Journal Article Autor Scheiber I Journal PLoS ONE Link Publikation -
2011
Titel A longitudinal study of dominance and aggression in greylag geese (Anser anser) DOI 10.1093/beheco/arr020 Typ Journal Article Autor Weiß B Journal Behavioral Ecology Seiten 616-624 Link Publikation -
2011
Titel A Place to Hide in the Home-Cage Decreases Yolk Androgen Levels and Offspring Emotional Reactivity in Japanese Quail DOI 10.1371/journal.pone.0023941 Typ Journal Article Autor Guesdon V Journal PLoS ONE Link Publikation -
2011
Titel Heart Rate Responses to Induced Challenge Situations in Greylag Geese (Anser anser) DOI 10.1037/a0021188 Typ Journal Article Autor Wascher C Journal Journal of Comparative Psychology Seiten 116-119 -
2011
Titel Physiological implications of pair-bond status in greylag geese DOI 10.1098/rsbl.2011.0917 Typ Journal Article Autor Wascher C Journal Biology Letters Seiten 347-350 Link Publikation -
2008
Titel Benefits of family reunions: Social support in secondary greylag goose families DOI 10.1016/j.yhbeh.2008.09.006 Typ Journal Article Autor Scheiber I Journal Hormones and Behavior Seiten 133-138 Link Publikation -
2008
Titel Heart rate modulation in bystanding geese watching social and non-social events DOI 10.1098/rspb.2008.0146 Typ Journal Article Autor Wascher C Journal Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences Seiten 1653-1659 Link Publikation -
2008
Titel Does 'Relationship Intelligence' Make Big Brains in Birds? DOI 10.2174/1874196700801010006 Typ Journal Article Autor Scheiber I Journal The open biology journal Seiten 6-8 Link Publikation -
2008
Titel Habituation to humans affects yolk steroid levels and offspring phenotype in quail DOI 10.1016/j.yhbeh.2008.04.012 Typ Journal Article Autor Bertin A Journal Hormones and Behavior Seiten 396-402