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Die Salzburger Residenz vom 16. Jahrhundert bis 1803

The Residence of Salzburg from the 16th century to 1803

Gerhard Ammerer (ORCID: 0000-0002-5619-4348)
  • Grant-DOI 10.55776/P18670
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.07.2006
  • Projektende 31.12.2009
  • Bewilligungssumme 246.540 €

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (30%); Bauwesen (40%); Kunstwissenschaften (30%)

Keywords

    Residenz, Architekturgeschichte, Salzburg, Ausstattungsgeschichte, Hof, Kulturgeschichte

Abstract Endbericht

Das architektonische Ensemble des historischen Zentrums Salzburgs ist geprägt durch Bauten und Anlagen, die überwiegend auf Planungen und Baumaßnahmen von Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau (1587-1612) zurückgehen. Inspiriert durch die ihm seit seinen Studienjahren in Rom vertrauten, großzügigen urbanistischen Maßnahmen der Päpste setzte Wolf Dietrich durch Monumentalbauten sowie durch Neuanlage von Plätzen und Straßen der räumlichen Enge in seiner Residenzstadt ein Ende. Durch den bereits kurz nach seiner Wahl zum Erzbischof eingeleiteten, weitgehenden Abbruch des mittelalterlichen Bischofshofes und dem nachfolgenden Bau eines zeitgemäßen Palastes - bei gleichzeitiger Verdoppelung der Gesamtkubatur - schuf er eine Residenz, mit der die nachfolgenden Fürsterzbischöfe über 200 Jahre das Auslangen fanden. Lediglich die Ausstattung der Innenräume wurde dem jeweiligen Zeitgeschmack angepasst. Erst der dem Geist der Aufklärung aufgeschlossene letzte Fürsterzbischof von Salzburg (das Erzstift wurde im Jahr 1803 säkularisiert), Hieronymus Graf Colloredo (1772-1803/1812), räumte die barocken Gartenhöfe leer, führte substantielle Umbaumaßnahmen durch und adaptierte mehrere, bisher dem Hofleben gewidmete Trakte im westlichen Bereich zu Kanzleien. Abgesehen von kleineren Veröffentlichungen, die sich primär mit den bei Adaptierungen in den letzten Jahren gemachten kunsthistorisch bedeutenden Funden, insbesondere von einzigartiger Seccomalerei um 1600 (Sala terrena, Landkarten-Galerie, fürstliche Privaträume), beschränkt sich die bisherige Literatur zur Residenz auf die Bearbeitung in der Österreichischen Kunsttopographie 1914, eine dünne Broschüre von 1928, sowie auf den "Dehio"-Text aus 1986. Seit Jahren in ihrer Dringlichkeit erkannt, soll nun durch eine interdisziplinäre Bearbeitung (Geschichte, Kunstgeschichte und Denkmalpflege) nicht nur den Fragen der Bau-, Kunst- und Ausstattungsgeschichte, den Einflüssen, Vorbildern und Auswirkungen des Baues nachgegangen werden, sondern im Sinne einer Gesamtdarstellung des Hofes als soziales System Bereiche wie Hofordnung, die soziale Situation der Hofbediensteten, die sich wandelnde Nutzung und Funktion einzelner Räume, das Hoftheater, die Hofmusik bis hin zur Versorgung von Küche und Keller, der Frischwasserzuleitung, etc. beleuchtet und bearbeitet werden. Der zeitliche Rahmen der Untersuchung beginnt mit den Planungs- und Baumaßnahmen von Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau mit Rückblicken auf die mittelalterliche Substanz und endet mit der Säkularisation des Erzstiftes im Jahr 1803, bzw. mit der Angliederung Salzburgs an Österreich 1816, womit die Jahrhunderte lange Funktion des Baues als Residenz eines reichsunmittelbaren Fürsten erlosch.

Das Projekt einer wissenschaftlichen Untersuchung der Salzburger Residenz wurde interdisziplinär angelegt und hat sowohl wichtige Gesamtergebnisse, als auch vielfältige Detaileinsichten erbracht. Nur einige seien beispielhaft erwähnt: Kunstgeschichte: Erstmals konnten Bauhütten sowie Stuckateure, die bei der Errichtung der Residenzgebäude in den Jahrzehnten um 1600 herangezogen wurden, von ihrer lokalen Herkunft, zu einem großen Teil auch namentlich erarbeitet werden. Die bis dato wiederholt zitierte italianit der Salzburger Residenz wurde durch die Ergebnisse stark relativiert. Durch die Aufarbeitung sämtlicher Salzburger Residenzinventare sowie die Sichtung der Aufzeichnungen in den betreffenden österreichischen und auswärtigen Archiven und Museen konnte die Gemäldesammlung der Erzbischöfe weitgehend rekonstruiert werden. Der Aufbau der Bilddatenbank und die Sammlung sämtlicher existierender Planunterlagen ergaben u. a. aktuell bestehende Defizite in den Raumabmessungen, die durch den Einsatz modernster technischer Möglichkeiten derzeit beseitigt werden. Baugeschichte: Der italienische Baumeister und Architekt Vincenzo Scamozzi konnte als maßgeblicher Planer des Residenzgebäudes festgemacht werden. Ein spezifischer Aspekt im Baugeschehen wurde auf die alltäglichen Arbeiten und Leistungen des Hofbauamtes gelegt (Reparaturen, Wintersicherung, Mittelausstattung etc.). Der Bau und die weitere Entwicklung des Hofmarstalls erfuhr erstmals unter Einbeziehung aller verfügbaren Quellen eine Gesamtdarstellung. Geschichte: Durch die quantitative Bearbeitung der über zwei Jahrhunderte vorhandenen Besoldungslisten, einer der wenigen durchgehend erhaltenen seriellen Quellen, konnten Struktur, zahlenmäßige Entwicklung und Kosten der Hofbediensteten erarbeitet werden. Die Untersuchung von Zeremoniell und Repräsentation sowie die Versorgung des Hofes mit Getränken und Lebensmitteln (inkl. Besoldungsdeputate und Hoftafel) ergaben wichtige Einblicke in den höfischen Alltag. Die Vernetzung der Einzelergebnisse hat zu neuen Fragestellungen innerhalb der Residenzenforschung geführt. Insbesondere wurde die Rolle und Bedeutung Salzburgs als geistlicher Hof im europäischen Vergleich untersucht (Hofhaltung, Wirtschaftlichkeit, Finanzierung, Geschenkskultur, Mäzenatentum, Künstler, kulturelle Positionierung, Informationssystem, Technologien). Ein Schwerpunkt betraf die Positionierung der Salzburger Residenz und des Salzburger Hofes nicht nur innerhalb des europäischen Machtgefüges, sondern auch innerhalb seiner engeren Umgebung. So wurde beispielsweise nach dem Hof als Arbeitgeber, die Einbindung in die Residenzstadt und die Bevölkerung oder die Frage als wirtschaftlicher Impulsgeber (in Zeiten ökonomischer Rezession) thematisiert.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Salzburg - 100%

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