Bewusstsein ohne Inhalt
Consciousness without Content
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (100%)
Keywords
-
Bewusstsein,
Phänomenologie,
Meditation,
Pure Consciousness
Ein Kernpunkt vieler (v. a., aber nicht nur, fernöstlicher) spiritueller Traditionen ist, was Forman das "pure consciousness event" (PCE) nennt (Forman 1999a und 1999b): ein "purely contentless wakeful mental state" (Shear/Jevning 1999, 194), also ein Bewusstsein ohne jeden gegenständlichen Inhalt, das durch alle Objektintentionalität unterbindende meditative Praktiken ("negative Meditation") erreicht wird. In der hier projektierten Arbeit soll (a) der Möglichkeit und (b) dem Gehalt (oder Nicht-Gehalt) eines solchen Bewusstseinszustands aus der Sicht einer phänomenologischen Bewusstseinskonzeption nachgefragt werden. Die Frage ist, was ein Bewusstsein sein soll, das nicht mehr Objektbewusstsein ist, also in diesem Sinn nicht Bewusstsein von etwas. Es soll hier der These nachgegangen werden, dass, wo das Bewusstsein keinen Gegenstand mehr hat, es nichts als Gewahrsein seiner selbst ist: indem die negative Meditation die Aufmerksamkeit von den Bewusstseinsgegenständen abzieht, bringt sie die Bewusstheit selbst (die sonst hinter dem von ihr Bewusstgehabten verschwindet) eigens zum Vorschein. Um die Plausibilität dieser These zu prüfen, sind eingehende subjektivitätstheoretische Überlegungen über das Wesen des Bewusstseins und des Selbstbewusstseins nötig. Diese Überlegungen sollen in drei Schritten erfolgen. Im einleitenden Teil I soll ein phänomenologisches, an Husserl orientiertes Bewusstseinsverständnis gegenüber objektivistischen und naturalistischen Ansätzen stark gemacht werden: die Phänomenologie richtet sich nicht nur gegen die Reduktion der subjektiven Erlebnissphäre auf Physisches, sondern betrachtet das Bewusstsein überhaupt nicht als Seiendes neben anderen, sondern in seiner transzendentalen Funktion als Geschehen des Zur-Erscheinung-Kommens des Seienden. Das meditative Selbstgewahren ist von daher nicht als "Introspektion" zu interpretieren, da es sich bei ihm vielmehr um die Erfahrung der Präsenz handelt, in der jegliches Gegenständliche (sei es "Inneres" oder "Äußeres") sein Erscheinen hat. Die Frage ist dann, wie das, was in diesem Sinne nicht selbst Gegenstand ist, bewusst wird: dies ist die Problematik des Teils II, der im Anschluss an phänomenologische Theorien präreflexiven Selbstgewahrseins eine nicht nach dem Subjekt-Objekt-Schema zu denkende Bewusstheit seiner selbst ("Vollzugsbewusstsein") als Seinsweise des Bewusstseins herausarbeiten soll; im Lichte dieser Konzeption ist zu prüfen, ob sich das "pure consciousness" als Ausdrücklichwerden dieses präobjektiven Für-sich-Seins der Subjektivität denken lässt. Im Teil III geht es um die Frage, "wer" im meditativen Selbstgewahren "seiner" bewusst ist, wenn in ihm auch jede gegenständliche Ich-Vorstellung aufgelöst ist. Diesem Problem soll durch phänomenologische Analysen des Sinns von "ich" sowie auch in Auseinandersetzung mit der in der analytischen Philosophy of Mind geführten Debatte über Referenzweise und Referent des Pronomens der Ersten Person nachgegangen werden. Die höchst gegensätzlichen Interpretationen (etwa durch die kontradiktorischen Termini ?tman und an?tman im Ved?nta bzw. im Buddhismus) sollen durch die Unterscheidung des Ichs qua Resultat einer Integrationsleistung des Bewusstseins einerseits und eines präidentifikatorischen Selbst (d. h. eines nicht-objkektiven Selbst, das seine Selbigkeit nicht einer Identifikationsleistung verdankt) andererseits vermittelt werden. Die drei Teile fragen also (I) was Bewusstsein überhaupt ist, (II) wie es für sich selbst zur Gegebenheit kommt und (III) wer im Selbstbewusstsein seiner selbst bewusst ist, um von da aus zu einer Deutung des gegenstandslosen meditativen Selbstinneseins zu gelangen.
Ein Kernpunkt vieler (v. a., aber nicht nur, fernöstlicher) spiritueller Traditionen ist, was Forman das "pure consciousness event" (PCE) nennt (Forman 1999a und 1999b): ein "purely contentless wakeful mental state" (Shear/Jevning 1999, 194), also ein Bewusstsein ohne jeden gegenständlichen Inhalt, das durch alle Objektintentionalität unterbindende meditative Praktiken ("negative Meditation") erreicht wird. In der hier projektierten Arbeit soll (a) der Möglichkeit und (b) dem Gehalt (oder Nicht-Gehalt) eines solchen Bewusstseinszustands aus der Sicht einer phänomenologischen Bewusstseinskonzeption nachgefragt werden. Die Frage ist, was ein Bewusstsein sein soll, das nicht mehr Objektbewusstsein ist, also in diesem Sinn nicht Bewusstsein von etwas. Es soll hier der These nachgegangen werden, dass, wo das Bewusstsein keinen Gegenstand mehr hat, es nichts als Gewahrsein seiner selbst ist: indem die negative Meditation die Aufmerksamkeit von den Bewusstseinsgegenständen abzieht, bringt sie die Bewusstheit selbst (die sonst hinter dem von ihr Bewusstgehabten verschwindet) eigens zum Vorschein. Um die Plausibilität dieser These zu prüfen, sind eingehende subjektivitätstheoretische Überlegungen über das Wesen des Bewusstseins und des Selbstbewusstseins nötig. Diese Überlegungen sollen in drei Schritten erfolgen. Im einleitenden Teil I soll ein phänomenologisches, an Husserl orientiertes Bewusstseinsverständnis gegenüber objektivistischen und naturalistischen Ansätzen stark gemacht werden: die Phänomenologie richtet sich nicht nur gegen die Reduktion der subjektiven Erlebnissphäre auf Physisches, sondern betrachtet das Bewusstsein überhaupt nicht als Seiendes neben anderen, sondern in seiner transzendentalen Funktion als Geschehen des Zur-Erscheinung-Kommens des Seienden. Das meditative Selbstgewahren ist von daher nicht als "Introspektion" zu interpretieren, da es sich bei ihm vielmehr um die Erfahrung der Präsenz handelt, in der jegliches Gegenständliche (sei es "Inneres" oder "Äußeres") sein Erscheinen hat. Die Frage ist dann, wie das, was in diesem Sinne nicht selbst Gegenstand ist, bewusst wird: dies ist die Problematik des Teils II, der im Anschluss an phänomenologische Theorien präreflexiven Selbstgewahrseins eine nicht nach dem Subjekt-Objekt-Schema zu denkende Bewusstheit seiner selbst ("Vollzugsbewusstsein") als Seinsweise des Bewusstseins herausarbeiten soll; im Lichte dieser Konzeption ist zu prüfen, ob sich das "pure consciousness" als Ausdrücklichwerden dieses präobjektiven Für-sich-Seins der Subjektivität denken lässt. Im Teil III geht es um die Frage, "wer" im meditativen Selbstgewahren "seiner" bewusst ist, wenn in ihm auch jede gegenständliche Ich-Vorstellung aufgelöst ist. Diesem Problem soll durch phänomenologische Analysen des Sinns von "ich" sowie auch in Auseinandersetzung mit der in der analytischen Philosophy of Mind geführten Debatte über Referenzweise und Referent des Pronomens der Ersten Person nachgegangen werden. Die höchst gegensätzlichen Interpretationen (etwa durch die kontradiktorischen Termini atman und anatman im Vedanta bzw. im Buddhismus) sollen durch die Unterscheidung des Ichs qua Resultat einer Integrationsleistung des Bewusstseins einerseits und eines präidentifikatorischen Selbst (d. h. eines nicht-objkektiven Selbst, das seine Selbigkeit nicht einer Identifikationsleistung verdankt) andererseits vermittelt werden. Die drei Teile fragen also (I) was Bewusstsein überhaupt ist, (II) wie es für sich selbst zur Gegebenheit kommt und (III) wer im Selbstbewusstsein seiner selbst bewusst ist, um von da aus zu einer Deutung des gegenstandslosen meditativen Selbstinneseins zu gelangen.
- Universität Wien - 100%
- Dan Zahavi, University of Copenhagen - Dänemark
Research Output
- 52 Zitationen
- 2 Publikationen
-
2008
Titel Consciousness, self-consciousness, and meditation DOI 10.1007/s11097-008-9090-6 Typ Journal Article Autor Fasching W Journal Phenomenology and the Cognitive Sciences Seiten 463-483 Link Publikation -
2009
Titel The mineness of experience DOI 10.1007/s11007-009-9107-z Typ Journal Article Autor Fasching W Journal Continental Philosophy Review Seiten 131-148 Link Publikation