Mechanismus arzneimittelinduzierter Anaphylaxie
Mechanism of drug-induced anaphylaxis
Wissenschaftsdisziplinen
Chemie (10%); Klinische Medizin (80%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (10%)
Keywords
-
Drug Allergy,
Metabolic Activation,
Anaphylaxis,
Diclofenac,
Haptenization,
Allergy Diagnosis
Die Verwendung nichtsteroidaler Entzündungshemmer (NSAID, nonsteroidal anti-inflammatory drug) ist dank ihrer antipyretischen und milden analgetischen Wirkung weit verbreitet. NSAIDs werden für Schmerzzustände, wie Migräne und akuten Muskel- bzw. Menstruationsschmerzen, sowie bei rheumatischen und arthritischen Beschwerden und versteifenden Wirbelentzündungen von Praktikern oft und gerne verschrieben. Jedoch kann systemische Hypersensitivität, obwohl nur eine Art möglicher Arzneimittelunverträglichkeiten auf NSAIDs, lebensbedrohliche Ausmasse annehmen. Oft müssen sensitive Personen nach Medikamenteneinnahme vom Notarzt betreut werden. Bemerkenswerterweise ist der Mechanismus systemischer Hypersensitivität oft unklar und eine Differenzierung, ob echte Allergie mit Aktivierung arzneimittelspezifischer B- und T-Zellen oder pseudoallergische Unverträglichkeit durch unspezifische Aktivierung von Immuneffektorzellen vorliegt, nicht eindeutig möglich. Wir konnten bereits zeigen, dass Unverträglichkeit von Propyphenazon, einem Vertreter dieser Medikamentengruppe, von Immunglobulin E vermittelt ist, also einer echten Typ 1 Allergie entspricht (Himly et al., JACI 111: 882, 2003). Nun soll der Mechanismus systemischer Hypersensitivität auf Diclofenac, einem weiteren Vertreter von NSAIDs, untersucht werden. Mittels Messung der Freisetzung von Histamin und umfangreicher humanserologischer Untersuchungen sollen Immunwechselwirkungen von Diclofenac charakterisiert werden. Negative Ergebnisse von Hauttests sowie die übliche Symptomatik lassen auf die Notwendigkeit von Metabolisierung von Diclofenac bei systemischer Hypersensitivität schliessen. Daher sollen neben Diclofenac fünf bekannte Metabolite getestet und vier Alternativen eingeschlagen werden, das Molekül an einen Protein-Carrier, in diesem Fall humanes Serumalbumin, zu koppeln. Ziel ist auch, ein neues in vitro Diagnosesystem für Diclofenacallergie zu entwickeln und seine Anwendbarkeit klinisch zu prüfen, was in Zusammenarbeit mit zwei führenden Allergieambulatorien in Wien und Salzburg geschehen soll. Weiters werden mögliche erste Schritte in Richtung Validierung dieses Diagnoseverfahrens erprobt. Da sich Allergiemodelle in der Maus wiederholt als sehr vielseitige Arbeitsinstrumentarien herausgestellt haben, soll ein Mausmodell für Diclofenacallergie etabliert werden. Die Immunisierung der Tiere erfolgt nach Protokollen, welche der in vivo Situation im Menschen am nächsten kommen. Parallel dazu wollen wir unter Anwendung von Proteomics-Methoden von Diclofenac haptenisierte Serumproteine identifizieren und weitere Möglichkeiten von Immuninteraktionen studieren.
Die Verwendung nichtsteroidaler Entzündungshemmer (NSAID, nonsteroidal anti-inflammatory drug) ist dank ihrer antipyretischen und milden analgetischen Wirkung weit verbreitet. NSAIDs werden für Schmerzzustände, wie Migräne und akuten Muskel- bzw. Menstruationsschmerzen, sowie bei rheumatischen und arthritischen Beschwerden und versteifenden Wirbelentzündungen von Praktikern oft und gerne verschrieben. Jedoch kann systemische Hypersensitivität, obwohl nur eine Art möglicher Arzneimittelunverträglichkeiten auf NSAIDs, lebensbedrohliche Ausmasse annehmen. Oft müssen sensitive Personen nach Medikamenteneinnahme vom Notarzt betreut werden. Bemerkenswerterweise ist der Mechanismus systemischer Hypersensitivität oft unklar und eine Differenzierung, ob echte Allergie mit Aktivierung arzneimittelspezifischer B- und T-Zellen oder pseudoallergische Unverträglichkeit durch unspezifische Aktivierung von Immuneffektorzellen vorliegt, nicht eindeutig möglich. Wir konnten bereits zeigen, dass Unverträglichkeit von Propyphenazon, einem Vertreter dieser Medikamentengruppe, von Immunglobulin E vermittelt ist, also einer echten Typ 1 Allergie entspricht (Himly et al., JACI 111: 882, 2003). Nun soll der Mechanismus systemischer Hypersensitivität auf Diclofenac, einem weiteren Vertreter von NSAIDs, untersucht werden. Mittels Messung der Freisetzung von Histamin und umfangreicher humanserologischer Untersuchungen sollen Immunwechselwirkungen von Diclofenac charakterisiert werden. Negative Ergebnisse von Hauttests sowie die übliche Symptomatik lassen auf die Notwendigkeit von Metabolisierung von Diclofenac bei systemischer Hypersensitivität schliessen. Daher sollen neben Diclofenac fünf bekannte Metabolite getestet und vier Alternativen eingeschlagen werden, das Molekül an einen Protein-Carrier, in diesem Fall humanes Serumalbumin, zu koppeln. Ziel ist auch, ein neues in vitro Diagnosesystem für Diclofenacallergie zu entwickeln und seine Anwendbarkeit klinisch zu prüfen, was in Zusammenarbeit mit zwei führenden Allergieambulatorien in Wien und Salzburg geschehen soll. Weiters werden mögliche erste Schritte in Richtung Validierung dieses Diagnoseverfahrens erprobt. Da sich Allergiemodelle in der Maus wiederholt als sehr vielseitige Arbeitsinstrumentarien herausgestellt haben, soll ein Mausmodell für Diclofenacallergie etabliert werden. Die Immunisierung der Tiere erfolgt nach Protokollen, welche der in vivo Situation im Menschen am nächsten kommen. Parallel dazu wollen wir unter Anwendung von Proteomics-Methoden von Diclofenac haptenisierte Serumproteine identifizieren und weitere Möglichkeiten von Immuninteraktionen studieren.
- Universität Salzburg - 100%
- Walther Schmid, Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Ronald Van Ree, Academic Medical Centre Amsterdam - Niederlande
Research Output
- 173 Zitationen
- 8 Publikationen
-
2024
Titel Re-assessment of monoclonal antibodies against diclofenac for their application in the analysis of environmental waters DOI 10.1039/d3ay01333b Typ Journal Article Autor Schmidt S Journal Analytical Methods Seiten 3349-3363 Link Publikation -
2016
Titel The Evolution of Human Basophil Biology from Neglect towards Understanding of Their Immune Functions DOI 10.1155/2016/8232830 Typ Journal Article Autor Steiner M Journal BioMed Research International Seiten 8232830 Link Publikation -
2016
Titel Standardization of allergen products: 2. Detailed characterization of GMP-produced recombinant Phl p 5.0109 as European Pharmacopoeia reference standard DOI 10.1111/all.12824 Typ Journal Article Autor Himly M Journal Allergy Seiten 495-504 Link Publikation -
2016
Titel Basophil Reactivity as Biomarker in Immediate Drug Hypersensitivity Reactions—Potential and Limitations DOI 10.3389/fphar.2016.00171 Typ Journal Article Autor Steiner M Journal Frontiers in Pharmacology Seiten 171 Link Publikation -
2016
Titel Elevated Toll-Like Receptor-Induced CXCL8 Secretion in Human Blood Basophils from Allergic Donors Is Independent of Toll-Like Receptor Expression Levels DOI 10.1371/journal.pone.0149275 Typ Journal Article Autor Steiner M Journal PLOS ONE Link Publikation -
2011
Titel Basophil Activation Test for Investigation of IgE-Mediated Mechanisms in Drug Hypersensitivity DOI 10.3791/3263 Typ Journal Article Autor Steiner M Journal Journal of Visualized Experiments : JoVE Seiten 3263 Link Publikation -
2010
Titel Characterization of plant food allergens: An overview on physicochemical and immunological techniques DOI 10.1002/mnfr.200900096 Typ Journal Article Autor Harrer A Journal Molecular Nutrition & Food Research Seiten 93-112 -
2010
Titel Diclofenac Hypersensitivity: Antibody Responses to the Parent Drug and Relevant Metabolites DOI 10.1371/journal.pone.0013707 Typ Journal Article Autor Harrer A Journal PLoS ONE Link Publikation