Schätzen von Wahrscheinlichkeit und Entscheiden
Probability estimation in decision making
Wissenschaftsdisziplinen
Klinische Medizin (20%); Psychologie (60%); Soziologie (20%)
Keywords
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Neuropsyochology,
Decision Making,
Number Processing,
Estimation,
Gambling,
Age Effects
Das tägliche Leben erfordert zahlreiche und schnelle Entscheidungen. Falsche Entscheidungen könne fatale Folgen haben, in persönlichen Beziehungen, in finanziellen Angelegenheiten oder im Berufsleben. Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen, erworbenen Hirnläsionen oder psychiatrischen Erkrankungen haben oft Schwierigkeiten, vorteilhafte Entscheidungen zu treffen, obwohl ihre kognitiven Fähigkeiten intakt sind. In der neuropsychologischen Forschung wird das Treffen von Entscheidungen mit Gambling Aufgaben untersucht. In diesen Aufgaben erhalten die Probanden konstant Feedback und sollen ihren Gewinn maximieren. Diese Art der Entscheidungsfindung ist ausführlich untersucht worden, wobei die emotionale Verarbeitung eine wesentliche Rolle spielt. Eine weitere Komponente im Treffen von Entscheidungen das Abschätzen der Wahrscheinlichkeit eines Outcomes - wurde bisher nicht untersucht. Dieses Abschätzen des Outcomes erfordert problemlösendes Denken, kognitives Schätzen und approximatives Verarbeiten. Das vorliegende Projekt soll sowohl die kognitiven Prozesse, als auch die neuro-anatomischen Grundlagen des Schätzens von Wahrscheinlichkeit als Basis der Entscheidungsfindung untersuchen. Das experimentelle Design erlaubt die Unterscheidung zwischen Schätzen der Wahrscheinlichkeit, Verarbeiten von Feedback und Lernen. Das Projekt ist in drei Teile gegliedert: Im ersten Teil werden Alterseffekte im Schätzen von Wahrscheinlichkeit und Treffen von Entscheidungen untersucht. In diesem Teil werden computergestütze Verfahren verwendet. Im zweiten Teil werden Patienten untersucht, die Schwierigkeiten im Schätzen oder im Treffen von Entscheidungen haben. Von besonderem Interesse sind Patienten mit parietalen Schädigungen (Defizite im Schätzen und der Zahlenverarbeitung) oder reduziertem semantischen Gedächtnis. Im dritten Teil wird funktionelle Magnetresonanz verwendet, um die spezifischen Gehirnaktivierungsmuster im Abschätzen von Wahrscheinlichkeit zu erfassen.
Patienten mit neurologischen Erkrankungen leiden oft unter kognitiven Einschränkungen. Trotzdem müssen sie wichtige und schwierige Entscheidungen treffen. Alltägliche Entscheidungen unter Unsicherheit - wie etwa den Nutzen und das Risiko einer medizinischer Behandlung abzuschätzen - sind problematisch für diese Patienten. Die Fähigkeit günstig zu Entscheiden wurde bisher im neurologischen Bereich nur sehr beschränkt untersucht. Im vorliegenden Projekt zeigte sich, dass Altern einen Einfluss auf Entscheidungen unter Unsicherheit hat. Gesunde ältere Personen haben oft Schwierigkeiten, in ambigen und unsicheren Situationen eine vorteilhafte Strategie zu entwickeln. Sie haben aber keine Schwierigkeiten, wenn die Risiken der Entscheidung klar definiert sind. Probleme beim Entscheiden sind bei neurologischen Patientengruppen mit kognitiven Defiziten stärker ausgeprägt. Patienten mit Alzheimerdemenz und Parkinsondemenz haben Schwierigkeiten in allen Entscheidungssituationen. Sie wechseln oft zwischen verschiedenen Optionen und haben Probleme, Wahrscheinlichkeiten bzw. den Nutzen einer Entscheidung zu erkennen. Auch andere Patientengruppen (Temporallappenepilepsie, Schädelhirntrauma) hatten Probleme im Treffen von günstigen Entscheidungen. Schwierigkeiten waren besonders dann ausgeprägt, wenn Lernen durch Feedback notwendig war. In dieser Studie konnten wir kognitive Prozesse erfassen, auf denen das Treffen von Entscheidungen beruht. Wir haben Einsicht in die neurologische Basis der Entscheidungsfindung gewonnen und darüber, wie sich erworbene Hirnschädigungen auf die Fähigkeit zum Entscheiden auswirkt. Da neurologische Patienten sehr oft wichtige Entscheidungen treffen müssen, sollte die Fähigkeit zum Entscheiden in der Diagnostik erfasst werden. Darüber hinaus müssen Rehabilitationsprogramme die Fähigkeit zur Entscheidungsfindung berücksichtigen. Dies ist besonders für jene Patienten wichtig, die im Beruf stehen oder in den Beruf zurückkehren wollen. Für alle Patientengruppen zeigt sich, dass eine Reduktion von Unsicherheit und komplette Information über Risiken und mögliche Konsequenzen die Chance für günstige Entscheidungen signifikant verbessert. In einem weiteren Teil des Projekt haben wir untersucht, wie das Gehirn Proportionen und Brüche verarbeitet. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Verarbeitung ganzheitlich und automatisch erfolgt und intraparietale Hirnstrukturen aktiviert.
Research Output
- 876 Zitationen
- 11 Publikationen
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2008
Titel Verbal numerosity estimation deficit in the context of spared semantic representation of numbers: A neuropsychological study of a patient with frontal lesions DOI 10.1016/j.neuropsychologia.2008.04.011 Typ Journal Article Autor Revkin S Journal Neuropsychologia Seiten 2463-2475 -
2008
Titel Normal Aging Affects Decisions Under Ambiguity, but Not Decisions Under Risk DOI 10.1037/0894-4105.22.5.645 Typ Journal Article Autor Zamarian L Journal Neuropsychology Seiten 645-657 -
2008
Titel Flexible transfer of knowledge in mental arithmetic — An fMRI study DOI 10.1016/j.neuroimage.2008.10.025 Typ Journal Article Autor Ischebeck A Journal NeuroImage Seiten 1103-1112 -
2008
Titel Impact of ambiguity and risk on decision making in mild Alzheimer's disease DOI 10.1016/j.neuropsychologia.2008.02.002 Typ Journal Article Autor Sinz H Journal Neuropsychologia Seiten 2043-2055 -
2007
Titel Alzheimer's disease and mild cognitive impairment: Effects of shifting and interference in simple arithmetic DOI 10.1016/j.jns.2007.06.005 Typ Journal Article Autor Zamarian L Journal Journal of the Neurological Sciences Seiten 79-88 -
2007
Titel Decision-making with explicit and stable rules in mild Alzheimer's disease DOI 10.1016/j.neuropsychologia.2007.01.006 Typ Journal Article Autor Delazer M Journal Neuropsychologia Seiten 1632-1641 -
2009
Titel Decision making in ambiguous and risky situations after unilateral temporal lobe epilepsy surgery DOI 10.1016/j.yebeh.2009.02.015 Typ Journal Article Autor Bonatti E Journal Epilepsy & Behavior Seiten 665-673 -
2009
Titel The processing and representation of fractions within the brain An fMRI investigation DOI 10.1016/j.neuroimage.2009.03.041 Typ Journal Article Autor Ischebeck A Journal NeuroImage Seiten 403-413 -
2009
Titel Decision making under risk and under ambiguity in Parkinson's disease DOI 10.1016/j.neuropsychologia.2009.02.034 Typ Journal Article Autor Delazer M Journal Neuropsychologia Seiten 1901-1908 -
2009
Titel Neuroscience of learning arithmetic—Evidence from brain imaging studies DOI 10.1016/j.neubiorev.2009.03.005 Typ Journal Article Autor Zamarian L Journal Neuroscience & Biobehavioral Reviews Seiten 909-925 -
2009
Titel Numerical deficits in a single case of basal ganglia dysfunction DOI 10.1080/13554790902849156 Typ Journal Article Autor Zamarian L Journal Neurocase Seiten 390-404