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Psychologie der Ästhetik: Die Dynamik von Innovation und Gefallen

Psychology of Aesthetics: The dynamics of innovation and appreciation over time

Helmut Leder (ORCID: 0000-0003-3219-3671)
  • Grant-DOI 10.55776/P18910
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.10.2006
  • Projektende 31.01.2010
  • Bewilligungssumme 214.988 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Psychologie (90%); Wirtschaftswissenschaften (10%)

Keywords

    Cognition and Emotion, Design, Aesthetics, Attractiveness, Innovation, Adaptation

Abstract Endbericht

Ästhetik ist ein aktuell zunehmend beforschtes und aus verschiedenen Gründen wichtiges Thema der Kognitionswissenschaften, das häufig die Verarbeitung innovativer Objekte betrifft, die deshalb für die Ästhetikforschung eine besondere Herausforderung darstellen. Das beantragte Projekt hat zum Ziel, offene Fragen in Zusammenhang mit der zeitlichen Dynamik ästhetischer Verarbeitung zu beantworten (siehe dazu Leder & Carbon, 2005, Carbon & Leder, 2005). In mehreren Experimentalserien wollen wir klären, wie die zeitliche Dynamik des Verarbeitung aussieht, inwieweit kognitive und affektive Komponenten beteiligt sind, wie Innovationseffekte auf andere Objekte generalisieren, wie verschiedene physiologische und kognitive Variablen zusammenspielen, und welche Rolle Expertise spielt. Als Materialien schlagen wir Designobjekte und Kunstwerke vor, bei denen Innovation naturgemäß eine besonders wichtige Rolle spielt (Leder et al., 2004) und für deren Untersuchung die Antragsteller ausgewiesene Experten sind. Zudem planen wir artifizielle Kunstwerke zu untersuchen bei denen systematisch unterschiedliche Dimensionen verändert werden können, die als Einflussfaktoren für das Gefallen und die Innovativität angesehen werden. Das Ziel des Projekts ist, Theorien der empirischen Ästhetik zu erweitern und zu verbessern, die dynamische Rolle von Adaptations- und Innovationseffekten besser zu analysieren und das komplexe Wechselspiel von Kognitionen und Affekten bei ästhetischen Erfahrungen besser zu verstehen.

Der ästhetische Sinn teilt unsere Umwelt in attraktive, schöne und wenig attraktive Dinge. Oft gefallen uns neue Dinge auf nicht auf Anhieb, aber nach einer Weile aktiver Auseinandersetzung schon viel mehr! Dies ist besonders kritisch bei neuen, innovativen Produkten, seien dies neue Gebrauchsgegenstände, Designprodukte, aber auch innovative Kunst. Im Projekt untersuchten wir ästhetische Prozesse, indem wir durch die Variation unterschiedlicher Arten von Gewöhnungsprozessen die dynamischen Veränderungen im Gefallen für unterschiedlich innovative Materialien untersuchten. Nach aktiver Evaluation wurden besonders innovative Objekte stärker gemocht - und behielten doch ihre innovative Anmutung. Im Projekt fanden wir, dass diese Effekte besonders ausgeprägt sind, wenn während der Evaluation die faszinierenden Aspekte von Innovation aktiviert werden, aber auch, dass Ästhetik generell an Merkmale der Situation adaptiert wird. So gefiel Innovation besser, wenn die Evaluation generell auf Offenheit und Neuheit ausgerichtet war, indem entsprechende Dimensionen bearbeitet werden mussten. Wenn eine Situation von Vorsicht und Unsicherheit gekennzeichnet war, dann wurde der Schönheitssinn sehr selektiv aktiviert! Stärkere dynamische Veränderungen wurden dann hervorgerufen, wenn die Dimensionen für die spätere ästhetische Evaluation relevant waren, wenn die Dimensionen einen semantischen Bezug zur Innovation hatten und wenn durch den Kontrast mit klassisch-konservativem Design die Innovation besonders deutlich war. Während der aktiven Gewöhnungsprozesse können also durch die Art der betrachteten Dimensionen systematisch unterschiedliche Einstellungen und Haltungen aktiviert werden. Im weiteren Rahmen des Projekts untersuchten wir auch, welche Merkmale generell positive ästhetische Reaktionen hervorrufen, und ob massive Gewöhnung scheinbar stabile Antwortmuster verändert. Wir zeigten, wie diese Änderungen mit Gewöhnung, Generalisation (Übertragung auf Ähnliches) oder Suche nach Neuem in Einklang sind. Wir waren an Studien beteiligt, die untersuchten, warum Betrachtern moderne Kunst gefällt, in der ja auch Innovation besonders wichtig ist. Es zeigte sich, dass in der Kunst Zustände von Ambiguität nicht verwirren sondern sogar gefallen können, und dass durch Kunstexpertise spezielle Zugänge entstehen, den Künstlern als semantische Einheit eine besondere Rolle zukommt. Im Projekt zeigten wir auch, dass mit Gefallensänderungen auch physiologische Veränderungen einhergehen. Änderungen in Betrachtungsmustern (Augenbewegungen), systematische Veränderungen der Pupillengröße (und des Hautleitwiderstandes (beides Masse für Anregung) tragen zum Verständnis bei, warum Innovatives mit der Zeit und nach aktiver Gewöhnung besser gefällt. Zusammengefasst: Das Projekt hat wesentliche Beiträge zur Frage geleistet, warum Dinge ästhetisch gefallen, und besonders, wann und warum Innovation profitiert. Somit verstehen wir aufgrund der Befunde auch besser, wie sich Innovationen durchsetzen, in Konsumprodukten, Design und Kunst!

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Nationale Projektbeteiligte
  • Claus-Christian Carbon, Otto-Friedrich Universität Bamberg , assoziierte:r Forschungspartner:in

Research Output

  • 736 Zitationen
  • 8 Publikationen
Publikationen
  • 2012
    Titel How Art Is Appreciated
    DOI 10.1037/a0026396
    Typ Journal Article
    Autor Leder H
    Journal Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts
    Seiten 2-10
  • 2009
    Titel When a Picasso is a “Picasso”: The entry point in the identification of visual art
    DOI 10.1016/j.actpsy.2009.11.007
    Typ Journal Article
    Autor Belke B
    Journal Acta Psychologica
    Seiten 191-202
    Link Publikation
  • 2009
    Titel Just how stable are stable aesthetic features? Symmetry, complexity, and the jaws of massive familiarization
    DOI 10.1016/j.actpsy.2009.01.001
    Typ Journal Article
    Autor Tinio P
    Journal Acta Psychologica
    Seiten 241-250
  • 2009
    Titel Finding meaning in art: Preferred levels of ambiguity in art appreciation
    DOI 10.1080/17470210903038974
    Typ Journal Article
    Autor Jakesch M
    Journal Quarterly Journal of Experimental Psychology
    Seiten 2105-2112
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Faces Versus Patterns: Exploring Aesthetic Reactions Using Facial EMG
    DOI 10.1037/a0024154
    Typ Journal Article
    Autor Gerger G
    Journal Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts
    Seiten 241-250
  • 2011
    Titel Image Quality and the Aesthetic Judgment of Photographs: Contrast, Sharpness, and Grain Teased Apart and Put Together
    DOI 10.1037/a0019542
    Typ Journal Article
    Autor Tinio P
    Journal Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts
    Seiten 165-176
  • 2010
    Titel Priming semantic concepts affects the dynamics of aesthetic appreciation
    DOI 10.1016/j.actpsy.2010.06.006
    Typ Journal Article
    Autor Faerber S
    Journal Acta Psychologica
    Seiten 191-200
    Link Publikation
  • 2010
    Titel Cognitive Fluency: High-Level Processing Dynamics in Art Appreciation
    DOI 10.1037/a0019648
    Typ Journal Article
    Autor Belke B
    Journal Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts
    Seiten 214-222
    Link Publikation

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