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Der Oberleiserberg - eine spätantike Höhensiedlung

Oberleiserberg - a late antique hilltop settlement

Alois Stuppner (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P20044
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 15.06.2007
  • Projektende 14.12.2011
  • Bewilligungssumme 241.308 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (100%)

Keywords

    Höhensiedlung, Spätantike, Herrschaftszentrum, Völkerwanderungszeit, Akkulturation, Wirtschaft

Abstract Endbericht

Der mit 457 m Meereshöhe landschaftsbeherrschende Oberleiserberg liegt im niederösterreichischen Weinviertel im Zentrum der Leiserberge, etwa 40 km nördlich von Wien nahe der Ortschaft Ernstbrunn. Er zählt in der österreichischen Frühgeschichtsforschung zu den bekanntesten und wichtigsten Fundplätzen im mittleren Donauraum. Seit Jahren finden dort systematische Ausgrabungen statt, deren Ergebnisse einen wesentlichen Beitrag zur Römischen Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit im mittleren Donauraum darstellen. Durch den Nachweis von römischen Gebäuden und Siedlungsstrukturen erkannte man schon am Beginn des 20. Jhs. in ihm einen neuralgischen Punkt im Rahmen der römisch-germanischen Auseinandersetzungen und Beziehungen. Lange Zeit wurde der Oberleiserberg im wissenschaftlichen Schrifttum als römische Station geführt und galt als militärischer Stützpunkt zur Zeit der Markomannenkriege. Die Forschungen der letzten Jahre aber ergaben, dass der Oberleiserberg als spätantike Höhensiedlung mit repräsentativen Gehöften Träger eines bedeutenden Herrschaftszentrums der Völkerwanderungszeit im mittleren Donauraum ist. Das Anliegen und Ziel des Projektes ist die spätantike Höhensiedlung am Oberleiserberg. Durch die Forschungen am Berg sollen, auch unter Berücksichtigung der historischen Quellen, die Art und Funktion der Höhensiedlung, die Struktur und Innenbebauung der Höhensiedlung, die Funktion und innere Gliederung der Gebäude, Chronologie, wirtschaftliche Grundlagen der Höhensiedlung, Akkulturationsprozesse, Ethno- und Sozialstrukturen der spätantiken Gesellschaft am Oberleiserberg untersucht werden. Als Forschungsschwerpunkt des folgenden Projektes wurde der Siedlungsbereich "Südost" auf dem Oberleiserberg ausgewählt, wo weitere repräsentative Gebäude und Wirtschaftsbauten des Handwerks vermutet werden. Durch diese Forschungen werden wichtige Hinweise für die wirtschaftlichen Grundlagen der Siedlung erwartet.

Höhensiedlungen sind im nördlichen Niederösterreich, in der Südwestslowakei, in Mähren und Böhmen eine charakteristische Erscheinung der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts. Gegenstand des Projektes ist die spätantike Höhensiedlung auf dem Plateau des Oberleiserberges, von der ein Herrenhof am nordwestlichen Plateaurand und Teile einer Siedlung mit Ständer- und Pfostenbauten sowie Backöfen östlich des Herrenhofes freigelegt worden sind. In den Jahren 2007 bis 2009 wurde im Rahmen des FWF-Projektes P20044-G02 das Siedlungsareal "Südost" und der sogenannte valentinianische Wachturm beim Osttor der Ringwallanlage archäologisch untersucht. Es können zwei Siedlungsphasen unterschieden werden: eine aus der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts und eine zweite um die Mitte bis zweite Hälfte des 5. Jahrhunderts. Der ersten Siedlungsphase, deren Beginn noch nicht exakt fassbar ist, gehören hangseitig eingetiefte Pfostenbauten, Öfen und Gruben an. Webgewichte und Bruchstücke von Drehmühlen aus der Verfüllung des freigelegten Pfostenbaues weisen auf eine Textil- und Nahrungsmittelproduktion hin. Die Öfen bestehen aus einer Beschickungsgrube und einer Grube mit gebrannter Lehmplatte oder nur aus der Grube mit gebrannter Ofenplatte. Sie sind in den Felsen bzw. gewachsenen Boden eingetieft und können als Backöfen angesprochen werden. Da datierende Funde in der Verfüllung der Ofenobjekte fehlen ist die zeitliche Einordnung nicht eindeutig gesichert. Um die Mitte des 5. Jahrhunderts wird das gesamte Siedlungsareal planiert und neu strukturiert. Charakteristisch sind nun repräsentative hölzerne Ständerbauten in unterschiedlicher architektonischer Gestaltung mit Schwellbalkenriegeln in den Fundamentgräben, Dachgeschossen, offenen Vestibülen. In einem Ständerbau - 10,75 m breit und über 12 m lang - mit bis zu 1,20 m eingetieften Fundamentgräben im Inneren und seitlichen Annexen, der wahrscheinlich als repräsentativer Wohnbau genutzt wurde, wurden zwei Funde mit frühchristlichen Motiven (Ziegelbruchstück mit crux ansata, und ein bronzenes, rhombisches Amulett mit kreuzförmigem Ornament) gefunden. Sie könnten die religiöse Auffassung der Bewohner des Ständerbaues widerspiegeln und belegen, dass der Oberleiserberg eine wesentliche Rolle in der Missionierung der "gentes" entlang der Mittleren Donau gespielt hatte. Der sogenannte "valentinianische" Wachtturm wurde schon im Jahre 1929 von H. Mitscha-Märheim untersucht und damals als spätrömischen Wachtturm interpretiert. Die Ausgrabungen 2007 ergaben eine 3 x 2 m große frühneuzeitliche Kapelle, die nach den historischen Quellen 1839 an der äußeren Geländekante des Plateaus des Oberleiserberges als Station des mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bußweges errichtet wurde.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

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