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Musikkultur der Wiener Tschechen 1840-1939

The Musical Culture of Czechs in Vienna 1840-1939

Theophil Antonicek (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P20098
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.03.2008
  • Projektende 31.12.2011
  • Bewilligungssumme 177.384 €

Wissenschaftsdisziplinen

Kunstwissenschaften (70%); Politikwissenschaften (10%); Soziologie (20%)

Keywords

    Musikkultur, Minderheit, Identität, Musikgeschichte Wiens, Nationalismus, Migration

Abstract Endbericht

Das Projekt "Musikkultur der Wiener Tschechen 1840-1939" gehört thematisch zur Erforschung der Musikkultur von Metropolen, einem der traditionellen Themen der Musikwissenschaft. Dieses wichtige Kapitel der Musikgeschichte Wiens ist völlig unbekannt, obwohl die Wiener Tschechen als die größte nationale Minderheit gegen 1900 ca. ein Fünftel der allen Bewohner Wiens bildeten. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelten sich sowohl eine innere Vereinsstruktur als auch national motivierte kulturelle und politische Ziele. Die Einordnung solcher Minderheitskulturen sowohl in die Kultur der Metropole als auch in die eigene Kultur ist im Bezug auf Identität sehr kompliziert und man muss für jede nationale Gruppe eigene spezifische Kriterien wählen. Es fehlt bis jetzt die kritische Bewertung der ganzen Epoche des Musiklebens, das vor allem in den Vereinen, Chören und Kirchen konzentriert war. Bis 1918 wurde das Musikleben hauptsächlich von begeisterten Laien reflektiert, danach nur fragmentarisch auch von Musikern und Komponisten, nach dem 2. Weltkrieg aus politischen Gründen gar nicht mehr. Die "Zielgruppe" des Projektes sind die "Wiener Tschechen", die nationalbewusste und koordinierte Enklave mit einer klaren Verbindung zur tschechischen Nationalen Wiedergeburt mit Prag als Zentrum. Dabei geht es um den Zeitraum der nationalen Konsolidierung der Tschechen im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert (die "Tschechen in Wien" der Zeitalter des Barock, des Klassizismus und der frühen Romantik und ihre herausragenden kosmopolitischen Persönlichkeiten sind nicht Gegenstand des Projektes). Der kritischen Bewertung des Projektthemas soll eine ausführliche "Entdeckungsphase" der Archivmaterialen und Bearbeitung der Nachrichten aus Wien, die in der tschechischen (Musik)Presse und in der Presse der Wiener Tschechen zerstreut sind, vorangehen. Auf Grund dessen ist es möglich die Hauptziele des Projektes zu realisieren: 1. Chronologische Übersicht über die Aktivitäten und Akteure der Musik der Minderheit; 2. Ordnung und Dokumentation der Musikalien in Archiven tschechischer Vereine in Wien; 3. ein Katalog der Kompositionen der tschechischen Komponisten in Wien; 4. ein Lexikon der tschechischen Komponisten und Musiker in Wien. Das vorliegende Projekt ist bemüht, bestehende Lücken, die in der tschechischen und österreichischen Musiklexikonliteratur, in den Musikgeschichten beider Länder und auch in der Dokumentation der Archive der Wiener Tschechen bestehen, auszufüllen. Die Geschichte der Wiener Tschechen ist ein gemeinsames Erbe beider Republiken und die Erforschung muss in tschechischen und österreichischen Bibliotheken und Archiven durchgeführt werden. Wichtig für die Realisierung ist die angeknüpfte Zusammenarbeit mit Archiven der Wiener Tschechen, wie z. B. dem Chor "Lumr" oder dem Schulverein "Komensk", und mit der heutigen Presse der Wiener Tschechen. Mag. Viktor Velek besitzt durch seine eingehenden Forschungen zur Musik der Sorben (Wenden) in der Lausitz einschlägige Erfahrung. Er hat auch bereits größere Vorarbeiten zum vorliegenden Projekt geleistet und Ergebnisse in Aufsätzen publiziert.

Das Projekt stellt die erste komplexe Bearbeitung eines Themas dar, das sowohl ein Bestandteil der tschechischen wie auch der österreischischen Musikwissenschaft ist (Musikkultur von Auslandstschechen bzw. Musikgeschichte Wiens). Teilergebnisse wurden bereits im Rahmen von wissensch. Konferenzen, Vorträgen für Wiener Tschechen, in der Presse wie im Rundfunk präsentiert. www.musikkulturderwienertschechen.poddubem.com ist der Link zum Online-Portal, das in einigen Sektionen die gewonnenen Forschungsergebnisse vorstellt: 1. Musikarchiv "Tschechisches Wien" und Audioarchiv "Tschechisches Wien" 2. Musiklexikon der Personen und Institutionen "Tschechisches Wien" 3. "Musikgeschichte der Wiener Tschechen 1840-1939" 4. Sammlung der Werke wiener-tschechischer Komponisten Ad 1: Das Musikarchiv (es befindet sich in der Partnerinstitution Forschungszentrum für historische Minderheiten in Wien) versammelt die geschenkten bzw. kopierten Archivalien (Korrespondenz, Notenmaterial, Fotografien, Diplome, Plakate-Programme etc.) an einem Ort. Es enthält einige Hundert Exemplare. Dank der Kontakte zur tschechischen Minderheit in Wien wächst das Archiv stetig an, für die raren Audio-Aufnahmen entstand die Sektion Audioarchiv. Ad 2: Das Musiklexikon ist ein spezielles zweisprachiges Online-Lexikon, wobei ein größerer Teil der Schlagworte (inkl. dem hinzugefügten ikonographischen Material) derzeit nur auf Tschechisch vorliegt. Erfasst wurden Personen und Institutionen der Musikkultur der Minderheit, wie auch nichttschechische Künstler, die an ihr beteiligt waren. Ad 3: Periodika- und Literaturrecherchen zum Thema Wiener Tschechen (samt der Bearbeitung von Konzertprogrammen, Jahresberichten etc.) waren nicht nur für die Gewinnung von Angaben für den lexikalischen Teil unerlässlich, sondern auch für die Sektion Musikgeschichte. Die vorgesehene chronologische Retrospektive wird auf der Grundlage von mehr als 1600 Seiten von "Word-Recherchen" entstehen: diese wurden zur Basis für die Publikationstätigkeit (komplett im Web). Ad 4: Die Musiksammlung ist eine virtuelle Bibliothek von Werken wiener-tschechischer Autoren. Die Forschungsarbeit führte zur Entdeckung und des Öfteren auch zur Rettung vieler Quellen, wodurch nun eine weitaus bessere Übersicht der bislang wenig bekannten Quellenbasis gegeben ist. Die gesammelten Daten wurden bislang nur teilweise ins Online-Format überführt: Terrainforschung, Recherchen und die nachfolgende Bearbeitung nahmen mehr Zeit in Anspruch, einige tschechische Institutionen bedingten die Online-Präsentation ihrer Archivalien durch die Zweisprachigkeit der Präsentation. Dies führt grundsätzlich zu hochwertigerem Benutzerservice, andererseits verdoppelt es den Arbeitsaufwand an den Schlagworten. Die Autorenrechte konnten in den meisten Fällen gewonnen werden, einige Verhandlungen laufen noch. Die Änderung des Zeitplans machte die ursprünglich angedachte umfassende Retrospektive (Musikgeschichte) unmöglich, eine Art Ersatz bildet die Publikationstätigkeit (.pdf) auf dem Portal. Das Musikarchiv wird laufend katalogisiert und seine wertvollsten Exemplare nach und nach digitalisiert.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

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