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Die Dauer in der Zeit von Lebewesen und Artefakten

The Persistence of Living Beings and Artefacts

Edmund Runggaldier (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P20186
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.01.2008
  • Projektende 31.12.2012
  • Bewilligungssumme 262.343 €

Wissenschaftsdisziplinen

Gesundheitswissenschaften (10%); Philosophie, Ethik, Religion (90%)

Keywords

    Persistence, Sortal, Agency, Ontology, Function, Identity

Abstract Endbericht

Das Projekt "Die Dauer in der Zeit von Lebewesen und Artefakten" folgt auf das Projekt "Der Begriff der Person und die naturalistische Herausforderung". Im auslaufenden Projekt ging es darum, die ontologischen Voraussetzungen zu klären, die naturalistischen Zugängen zur menschlichen Person zugrunde liegen. Wir plädierten für eine umfassendere Ontologie als in naturalistischen Ansätzen üblich, indem wir auch die Voraussetzungen der praktischen Rationalität (Erste-Person-Perspektive, Indexikalität etc.) in unserem ontologischen Ansatz berücksichtigten. Die Ergebnisse des Projekts führten zur Frage nach der Persistenz und Identität durch die Zeit: Wann beginnt die menschliche Person und wann endet sie? Was garantiert unsere Identität? Wie unterscheidet sich die diachrone Identität der Lebewesen von der unbelebter Dinge? Im aktuellen Projekt beabsichtigen wir, die ontologischen Voraussetzungen der verschiedenen Zugänge zu diesen Fragen zu klären. Die unterschiedlichen Positionen bestimmen mit, wie Privatpersonen und öffentliche Institutionen (bio-)ethische Probleme wie Embryonen verbrauchende Stammzellenforschung oder Organtransplantation angehen und lösen. Im Projekt werden wir (a) auf die aktuelle Debatte zwischen Perdurantismus und Endurantismus in der Ontologie bzw. auf die parallel dazu verlaufende Debatte zwischen Äternalismus und Präsentismus in der Philosophie der Zeit eingehen. (b) Wir gehen der Frage nach, ob das individuelle Sortal (sortal token) die diachrone Identität eines Individuums garantiert. (c) Wir werden uns eingehend mit der These beschäftigen, dass die Spezifizierung des Sortals von der physischen Beschaffenheit und vom Verhalten der Individuen abhängt, welche unter das entsprechende Sortal fallen. Die Identität eines Individuums, seine physische Beschaffenheit und seine Verhaltensweisen gehen Hand in Hand. Wir setzen uns mit den dafür relevanten Begriffen "Disposition", "Fähigkeit" und "Funktion" auseinander. Ziel des Projekts ist eine eingehende Analyse der unterschiedlichen Auffassungen von Persistenz in ihren ontologischen Voraussetzungen und eine Berücksichtigung der Stärken und Schwächen der einzelnen Positionen. Wir sind davon überzeugt, dass eine solche Analyse einen wesentlichen Beitrag zur Klärung von Fragen leisten kann, die in der aktuellen philosophischen Diskussion in Bezug auf den Status menschlicher Personen, Lebewesen im allgemeinen und Artefakten gestellt werden. Durch eine umfassende Klärung des Begriffs der Identität durch die Zeit wollen wir schließlich zum Gelingen interdisziplinärer Forschung (Ontologie, Entwicklungsbiologie, Embryologie, angewandte Ethik) beitragen.

Was garantiert unsere Identität durch die Zeit? Wann beginnt die menschliche Person und wann endet sie? Ist die Frage nach unserer Identität rein theoretischer Art oder muss auch die praktische Perspektive handelnder Personen mitberücksichtigt werden? Im vorliegenden Forschungsprojekt haben wir uns mit diesen und damit zusammenhängenden Fragen auseinandergesetzt. Dabei sind wir insbesondere dem Zusammenhang einschlägiger metaphysischer Theorien mit praktischen Fragestellungen nachgegangen. Wesentlich für die aktuelle Debatte zu personaler Identität ist die Unterscheidung zwischen menschlicher Persistenz und personaler Identität. Menschliche Persistenz bezeichnet das Fortexistieren eines menschlichen Organismus in der Zeit. Personale Identität bezeichnet hingegen das Fortexistieren einer menschlichen Person in der Zeit. Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass der erste Begriff weiter gefasst ist als der zweite. Wir existieren während unserer gesamten Existenz als menschliche Organismen, aber nicht als menschliche Personen, da unser Personenstatus an gewisse kognitive bzw. psychologische Fähigkeiten geknüpft ist, die wir z. B. als Föten oder als komatöse Patienten noch nicht bzw. nicht mehr haben. Theorien menschlicher Persistenz, die unsere Identität auf biologisch-funktionale Relationen reduzieren, orientieren sich am Organismus-Begriff und führen den Begriff der Person als unerlässlichen praktischen Begriff für ethische, rechtliche und soziale Kontexte ein. Psychologische Identitätstheorien können für sich den Vorteil reklamieren, dass wir im Normalfall die Kontinuität unseres psychologischen Lebens höher einschätzen als ein bloßes Weiterexistieren als Organismus. Indem psychologische Identitätstheorien aber von einer theoretischen Perspektive ausgehend den Bewusstseinsstrom menschlicher Personen als Ausgangspunkt ihrer Analyse heranziehen, erfordern auch sie eine Rekonstruktion des Personenbegriffs unter praktischer Rücksicht. Die einfache Theorie personaler Identität bestimmt menschliche Personen hingegen als Bewusstseinssubjekte, die sich durch die Erste-Person-Perspektive und die Fähigkeit, auf sich selbst Bezug nehmen zu können, auszeichnen. Diese Vermögen sind unabhängig von biologischen oder psychologischen Sachverhalten und somit nicht auf diese reduzierbar. Ein entscheidender Nachteil dieser Theorie ist, dass personale Identität nur synchron, aber nicht mehr diachron rekonstruiert werden kann. Für praktische Überlegungen ist diachrone Identität aber unerlässlich, da viele Überlegungen unsere Zukunft betreffen. Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass alle drei Theorien personaler Identität auf unterschiedliche Weise den Zusammenhang zwischen metaphysischen und praktischen Überlegungen rekonstruieren können. Dass letztlich keiner Theorie ein eindeutiger Vorzug zu geben ist, hängt unserer Ansicht nach mit der Doppelnatur menschlicher Personen zusammen: Einerseits sind wir als Organismen biologischen Persistenzbedingungen unterworfen, die sich aus einer Beobachter-Perspektive untersuchen lassen; andererseits weisen wir ein psychologisches Leben und eine Innenperspektive auf. Diese Aspekte sind für unser Dasein als menschliche Personen charakteristisch. Die theoretische und praktische bzw. subjektive und objektive Perspektive lässt sich nicht in eine einzige übergeordnete Perspektive integrieren, welche diese unterschiedlichen Aspekte gleichzeitig zu erfassen, bzw. einen Aspekt auf den anderen zu reduzieren vermag. Es gilt daher in jedem Fall festzustellen, welche Frage zur Diskussion steht und welcher Aspekt der menschlichen Person in einer theoretischen Untersuchung näher unter die Lupe genommen werden soll. Naturalistisch-reduktionistische Ansätze scheinen auf jeden Fall nicht auszureichen, um die gesamte Bandbreite an Fragestellungen, die mit personaler Identität einhergehen, auf zufriedenstellende Weise zu beantworten.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Innsbruck - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Sergio Galvan, University of Milan - Italien
  • Günther Rager, Universität Freiburg - Schweiz
  • Barry Smith, University at Buffalo State University of New York - Vereinigte Staaten von Amerika
  • Lynne Rudder Baker, University of Massachusetts, Amherst - Vereinigte Staaten von Amerika
  • Michael C. Rea, University of Notre Dame - Vereinigte Staaten von Amerika
  • Michael Loux, University of Notre Dame - Vereinigte Staaten von Amerika
  • Ernest Jonathan Lowe, Durham University - Vereinigtes Königreich

Research Output

  • 41 Publikationen
Publikationen
  • 2012
    Titel Introduction: Personal Identity. Complex or Simple?
    Typ Book Chapter
    Autor Gasser G
  • 2011
    Titel Subjektivität und Naturalismus.
    Typ Journal Article
    Autor Wehinger D
  • 2011
    Titel Rezension zu: Giovanni Maio / Jens Clausen / Oliver Müller (Hg.), Mensch ohne Maß? Reichweite und Grenzen anthropologischer Argumente in der biomedizinischen Ethik, Freiburg/München: Alber 2008.
    Typ Journal Article
    Autor Gasser G
  • 2009
    Titel Wiederentdeckung der Dispositionen in der analytischen Philosophie.
    Typ Book Chapter
    Autor Erkennen Und Handeln. G. Kamp
  • 2009
    Titel Is Hylomorphism a Neglected Option in Philosophy of Mind?
    Typ Book Chapter
    Autor C. Kanzian
  • 2009
    Titel Against Conventionalism: Powers and Functions.
    Typ Book Chapter
    Autor Runggaldier E
  • 2009
    Titel Social Entities.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Kanzian C
    Konferenz Proceedings of the Conference "Language, Mind and Social Construction. IIT Mumbai 2009
  • 2009
    Titel Ding - Substanz - Person. Eine Alltagsontologie.
    Typ Book
    Autor Kanzian C
  • 2008
    Titel Lebewesen und Artefakte. Ontologische Unterscheidungen.
    Typ Journal Article
    Autor Gasser G
  • 2008
    Titel Seele und Unsterblichkeitshoffnung.
    Typ Journal Article
    Autor Runggaldier E
    Journal Theologie und Philosophie
  • 2008
    Titel Substanzen. Neue Perspektiven auf ein altes Thema.
    Typ Book Chapter
    Autor Kanzian C
  • 2008
    Titel Neue Manipulationstechniken am Horizont. Implikationen der Hirnforschung für Philosophie, Theologie und Ethik.
    Typ Journal Article
    Autor Quitterer J
    Journal Herder Korrespondenz - Monatshefte für Gesellschaft und Religion. Herder Korrespondenz Spezial/Oktober 2008
  • 2008
    Titel Substanzen in der analytischen Ontologie.
    Typ Book Chapter
    Autor Gutschmidt
  • 2007
    Titel Sortal Dependence of Persistence
    DOI 10.1515/9783110327052.119
    Typ Book Chapter
    Autor Runggaldier E
    Verlag De Gruyter
    Seiten 119-132
  • 2011
    Titel Can Intracerebral Interventions Change our Self? Neuroethical Implications of Ontological Assumptions.
    Typ Book Chapter
    Autor Fangerau
  • 2011
    Titel Zerfällt die Welt in Tatsachen?
    Typ Book Chapter
    Autor Kanzian C
  • 2011
    Titel Persistenzbedingungen der Dinge und Kontinuität der Vermögen (powers, potentialities).
    Typ Book Chapter
    Autor Runggaldier E
  • 2011
    Titel Zur Persistenz der Institutionen.
    Typ Book Chapter
    Autor Kanzian C
  • 2011
    Titel Rezension zu: Godehard Brüntrup, Matthias Rugel, Maria Schwartz (Hg.): Auferstehung des Leibes - Unsterblichkeit der Seele.
    Typ Journal Article
    Autor Gasser G
  • 2011
    Titel Concezioni ilemorfiche dell' anima.
    Typ Journal Article
    Autor Runggaldier E
  • 2011
    Titel Was leistet der Seelenbegriff zur Überwindung physikalistischer Deutungen personaler Identität?
    Typ Book Chapter
    Autor Knaup
  • 2013
    Titel Einleitung: Zum Verhältnis von personaler Identität und praktischer Rationalität.
    Typ Book Chapter
    Autor Gasser G
  • 2010
    Titel How can I survive? The Concept of the Soul and the Problem of Diachronic Personal Identity.
    Typ Book Chapter
    Autor C. Kanzian
  • 2009
    Titel Immortality and the Human Soul.
    Typ Journal Article
    Autor Runggaldier E
    Journal O Dom, a Verdade, e a Morte: Abordagens e Perspectivas/The Gift, Truth, and Death: Approaches and Perspectives. Revista Portuguesa de Filosofia
  • 2009
    Titel Anima e Speranza nell' Immortalità.
    Typ Book Chapter
    Autor La Differenza Umana - Riduzionismo E Antiumanesimo. Anthropologica - Annuario Di Studi Filosofici 2009. Luca Grion (Hg.).
  • 2009
    Titel M. Quante, Person.
    Typ Journal Article
    Autor Gasser G
  • 2011
    Titel Personale Identität, Vierdimensionalismus und unsere eigene Identität.
    Typ Journal Article
    Autor Stefan M
  • 2011
    Titel Die einfache Theorie personaler Identität und die Erste- Person-Perspektive.
    Typ Journal Article
    Autor Stefan M
  • 2010
    Titel Hylomorphism and the Constitution View.
    Typ Book Chapter
    Autor Gasser
  • 2010
    Titel On Subjects.
    Typ Book Chapter
    Autor C. Kanzian
  • 2010
    Titel Introduction to Personal Identity and Resurrection.
    Typ Book Chapter
    Autor Gasser G
  • 2010
    Titel Eingeschränkte Sichtweisen: Mucks Antwort auf die naturalistische Herausforderung,
    Typ Book Chapter
    Autor Metaphysische Integration. Essays Zur Philosophie Von Otto Muck. W. Löffler (Hg.).
  • 2010
    Titel The simple view of personal identity and its implications on substance dualism.
    Typ Book Chapter
    Autor C. Kanzian
  • 2010
    Titel Ausführliche Buchbesprechung mit Kritik zu Katja Wagner- Westerhausen, Die Statusfrage in der Bioethik.
    Typ Journal Article
    Autor Gasser G
  • 2012
    Titel Unsterblichkeitshoffnung und die hylemorphische Einheit von Leib und Seele.
    Typ Book Chapter
    Autor Karl-Ludwig Koenen / Josef Schuster Sj (Hgg.)
  • 2012
    Titel Rezension zu: Johnston, Mark, Surviving Death.
    Typ Journal Article
    Autor Gasser G
    Journal Theologie und Philosophie
  • 0
    Titel Personale Identität und die Sorge um sich selbst.
    Typ Other
    Autor Gasser G
  • 0
    Titel Personale Identität, Narrativität und Praktische Rationalität. Die Einheit der Person aus metaphysischer und praktischer Perspektive.
    Typ Other
    Autor Gasser G
  • 0
    Titel Personal Identity. Complex or Simple?
    Typ Other
    Autor Gasser G
  • 0
    Titel Personal Identity and Resurrection.
    Typ Other
    Autor Gasser G
  • 0
    Titel Unity and Time in Metaphysics.
    Typ Other
    Autor Runggaldier E

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