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Biodiversität mariner Tintinnen (Protista, Ciliophora)

Biodiversity of Marine Tintinnids (Protista, Ciliophora)

Sabine Agatha (ORCID: 0000-0003-3083-9782)
  • Grant-DOI 10.55776/P20461
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.05.2008
  • Projektende 30.04.2011
  • Bewilligungssumme 248.590 €

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (100%)

Keywords

    Biodiversity, Biogeography, Taxonomy, Morphology, Marine Plankton, Phylogeny

Abstract Endbericht

Das vorliegende Projekt nimmt Bezug auf die wichtigsten aktuellen Fragen in der Alpha-Taxonomie der Ciliaten und die umstrittene Abschätzung ihrer Biodiversität. Die Ergebnisse werden völlig neue Einblicke in die Biogeographie einer artenreichen Protisten-Gruppe des marinen Planktons, nämlich der Tintinnen, erlauben. Tintinnen (Protozoa, Ciliophora, Oligotrichea) sind eine wichtige Organismengruppe im marinen Mikrozooplankton. Sie ernähren sich von autotrophen Nanoflagellaten und beeinflussen damit die Bindung von CO 2 durch Algen und die globale Klimaerwärmung. Einige Arten fressen sogar giftige und/oder Blüten bildende einzellige Algen. Zum Verständnis der Interaktionen eines Ökosystems ist es notwendig, die beteiligten Arten und ihre Ökologie genau zu kennen. Die "aktuellen" Revisionen der Tintinnen stammen jedoch aus den Jahren 1929 und 1939, da jüngere, umfassende Untersuchungen der Tintinnen-Morphologie und Diversität fehlen. Die Mehrzahl der etwa 1200 Tintinnen-Arten wurde basierend auf winzigen Unterschieden in der Form, Größe und Struktur ihrer Lorika (Haus) errichtet, obwohl diese Merkmale anscheinend eine enorme phänotypische Plastizität besitzen. Man nimmt daher an, dass die Anzahl der "echten" Arten weitaus geringer ist. Doch obgleich Zellmerkmale wohl die Unterscheidung von Hunderten von Arten gestatten werden, sind bisher lediglich 18 Arten dahingehend untersucht worden. Im vorliegenden Projekt soll daher eine außergewöhnlich umfangreiche Studie der Zellmorphologie von mehr als 30 Tintinnen-Arten durchführen werden. Weiters soll die innerartliche Variabilität der Zellmorphologie in Bezug auf die räumliche und zeitliche Verbreitung als auch in Beziehung zu Umweltfaktoren untersucht werden. Anhand der Resultate wird zu entscheiden sein, ob ein Formenkreis einige mittels ihrer Zellmorphologie unterscheidbare (pseudokryptische) Arten umfasst, oder ob eine einzige Art zahlreiche Lorika-Formen hervorbringen kann. Meine Ergebnisse werden auch eine Definition der Arten, eine Bewertung der tatsächlichen Tintinnen-Diversität und eine Abschätzung ihrer Biogeographie unter Einbeziehung von Literaturdaten erlauben. Im Gegensatz zu den üblichen Artbeschreibungen, werden meine jeweils auf der Lebendbeobachtung, Protargolimprägnation und elektronenmikroskopischen Untersuchung einer Reihe von Populationen beruhen. Die Zusammenarbeit mit einem bevorstehenden französischen und amerikanischen Projekt bietet die einzigartige Chance, morphologische, genetische, biochemische und ökologische Daten miteinander zu verknüpfen, um so die Artdefinitionen sowie die Diversität und Biogeographie der Tintinnen noch weit reichender zu ermitteln. Die morphologische Taxonomie als ein eigenständiges Forschungsgebiet ist von dem Aussterben bedroht, nimmt doch die Anzahl von Alpha-Taxonomen dramatisch ab. Das vorliegende Projekt wird daher die Bedeutung von Österreich für die Ciliaten-Taxonomie nicht nur unterstreichen, sondern auch eine Ausbildung von Studenten in den Grundlagen der Ciliaten-Taxonomie ermöglichen.

Das vorliegende Projekt nimmt Bezug auf die wichtigsten aktuellen Fragen in der Alpha-Taxonomie der Ciliaten und die umstrittene Abschätzung ihrer Biodiversität. Die Ergebnisse werden völlig neue Einblicke in die Biogeographie einer artenreichen Protisten-Gruppe des marinen Planktons, nämlich der Tintinnen, erlauben. Tintinnen (Protozoa, Ciliophora, Oligotrichea) sind eine wichtige Organismengruppe im marinen Mikrozooplankton. Sie ernähren sich von autotrophen Nanoflagellaten und beeinflussen damit die Bindung von CO 2 durch Algen und die globale Klimaerwärmung. Einige Arten fressen sogar giftige und/oder Blüten bildende einzellige Algen. Zum Verständnis der Interaktionen eines Ökosystems ist es notwendig, die beteiligten Arten und ihre Ökologie genau zu kennen. Die "aktuellen" Revisionen der Tintinnen stammen jedoch aus den Jahren 1929 und 1939, da jüngere, umfassende Untersuchungen der Tintinnen-Morphologie und Diversität fehlen. Die Mehrzahl der etwa 1200 Tintinnen-Arten wurde basierend auf winzigen Unterschieden in der Form, Größe und Struktur ihrer Lorika (Haus) errichtet, obwohl diese Merkmale anscheinend eine enorme phänotypische Plastizität besitzen. Man nimmt daher an, dass die Anzahl der "echten" Arten weitaus geringer ist. Doch obgleich Zellmerkmale wohl die Unterscheidung von Hunderten von Arten gestatten werden, sind bisher lediglich 18 Arten dahingehend untersucht worden. Im vorliegenden Projekt soll daher eine außergewöhnlich umfangreiche Studie der Zellmorphologie von mehr als 30 Tintinnen-Arten durchführen werden. Weiters soll die innerartliche Variabilität der Zellmorphologie in Bezug auf die räumliche und zeitliche Verbreitung als auch in Beziehung zu Umweltfaktoren untersucht werden. Anhand der Resultate wird zu entscheiden sein, ob ein Formenkreis einige mittels ihrer Zellmorphologie unterscheidbare (pseudokryptische) Arten umfasst, oder ob eine einzige Art zahlreiche Lorika-Formen hervorbringen kann. Meine Ergebnisse werden auch eine Definition der Arten, eine Bewertung der tatsächlichen Tintinnen-Diversität und eine Abschätzung ihrer Biogeographie unter Einbeziehung von Literaturdaten erlauben. Im Gegensatz zu den üblichen Artbeschreibungen, werden meine jeweils auf der Lebendbeobachtung, Protargolimprägnation und elektronenmikroskopischen Untersuchung einer Reihe von Populationen beruhen. Die Zusammenarbeit mit einem bevorstehenden französischen und amerikanischen Projekt bietet die einzigartige Chance, morphologische, genetische, biochemische und ökologische Daten miteinander zu verknüpfen, um so die Artdefinitionen sowie die Diversität und Biogeographie der Tintinnen noch weit reichender zu ermitteln. Die morphologische Taxonomie als ein eigenständiges Forschungsgebiet ist von dem Aussterben bedroht, nimmt doch die Anzahl von Alpha-Taxonomen dramatisch ab. Das vorliegende Projekt wird daher die Bedeutung von Österreich für die Ciliaten-Taxonomie nicht nur unterstreichen, sondern auch eine Ausbildung von Studenten in den Grundlagen der Ciliaten-Taxonomie ermöglichen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Salzburg - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • John R. Dolan, Observatoire Océanologique - Frankreich
  • Laura E. Katz, Smith College - Vereinigte Staaten von Amerika
  • George Mcmanus, University of Connecticut School of Medicine - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 267 Zitationen
  • 8 Publikationen
Publikationen
  • 2012
    Titel Reconciling Cladistic and Genetic Analyses in Choreotrichid Ciliates (Ciliophora, Spirotricha, Oligotrichea)
    DOI 10.1111/j.1550-7408.2012.00623.x
    Typ Journal Article
    Autor Agatha S
    Journal Journal of Eukaryotic Microbiology
    Seiten 325-350
  • 2011
    Titel Intraclass Evolution and Classification of the Colpodea (Ciliophora)
    DOI 10.1111/j.1550-7408.2011.00566.x
    Typ Journal Article
    Autor Foissner W
    Journal Journal of Eukaryotic Microbiology
    Seiten 397-415
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Global Diversity of Aloricate Oligotrichea (Protista, Ciliophora, Spirotricha) in Marine and Brackish Sea Water
    DOI 10.1371/journal.pone.0022466
    Typ Journal Article
    Autor Agatha S
    Journal PLoS ONE
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Redescription of Antetintinnidium mucicola (Claparède and Lachmann, 1858) nov. gen., nov. comb. (Alveolata, Ciliophora, Tintinnina)
    DOI 10.1111/jeu.12728
    Typ Journal Article
    Autor Ganser M
    Journal Journal of Eukaryotic Microbiology
    Seiten 802-820
    Link Publikation
  • 2010
    Titel A Light and Scanning Electron Microscopic Study of the Closing Apparatus in Tintinnid Ciliates (Ciliophora, Spirotricha, Tintinnina): A Forgotten Synapomorphy
    DOI 10.1111/j.1550-7408.2010.00490.x
    Typ Journal Article
    Autor Agatha S
    Journal Journal of Eukaryotic Microbiology
    Seiten 297-307
    Link Publikation
  • 2008
    Titel Redescription of the Tintinnid Stenosemella pacifica Kofoid and Campbell, 1929 (Ciliophora, Spirotricha) Based on Live Observation, Protargol Impregnation, and Scanning Electron Microscopy
    DOI 10.1111/j.1550-7408.2008.00309.x
    Typ Journal Article
    Autor Agatha S
    Journal Journal of Eukaryotic Microbiology
    Seiten 75-85
    Link Publikation
  • 2010
    Titel Updated hypothesis on the evolution of oligotrichid ciliates (Ciliophora, Spirotricha, Oligotrichida) based on somatic ciliary patterns and ontogenetic data
    DOI 10.1016/j.ejop.2010.09.001
    Typ Journal Article
    Autor Agatha S
    Journal European Journal of Protistology
    Seiten 51-56
    Link Publikation
  • 2008
    Titel Conjugation in the spirotrich ciliate Halteria grandinella (Müller, 1773) Dujardin, 1841 (Protozoa, Ciliophora) and its phylogenetic implications
    DOI 10.1016/j.ejop.2008.07.004
    Typ Journal Article
    Autor Agatha S
    Journal European Journal of Protistology
    Seiten 51-63
    Link Publikation

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