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Wh-Konstruktionen bei SLI im Deutschen

Wh-constructions in German specific language impairment

Hubert Haider (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P20464
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.03.2008
  • Projektende 31.01.2014
  • Bewilligungssumme 199.106 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Psychologie (5%); Sprach- und Literaturwissenschaften (95%)

Keywords

    Specific Language Impairment (Sli), German, Wh-Movement, Acquisition, Relative Clauses, Wh-Questions

Abstract Endbericht

Das beantragte Forschungsprojekt zielt auf die Untersuchung des Erwerbs von Wh-Bewegungskonstruktionen (W- Fragen, Relativsätzen) bei monolingualen deutschsprachigen Kindern mit Spezifischer Sprachentwicklungsstörung im Volksschulalter (ca. 6-10 Jahre) ab. Es wird in enger internationaler Kooperation und Koordination mit den an der COST-Aktion A33 `Cross-linguistically robust stages of children`s linguistic performance with applications to the diagnosis of specific language impairment` (Koordinator Ulrich Sauerland, Zentrum für Allgemeine Sprachwissenschaft Berlin; URL: http://www.zas.gwz-berlin.de/cost; finanziert durch die EU) beteiligten ForscherInnen durchgeführt. Die Kooperation im Rahmen der COST-Aktion zielt auf vereinheitlichte Erforschung der Spezifischen Sprachentwicklungsstörung ab, indem vergleichbare Selektionskriterien für ProbandInnen zugrunde gelegt, Homogenität der Testmethoden etabliert und arbeitsteilig die jeweiligen Konstruktionen in unterschiedlichen Sprachen untersucht werden. Dies ermöglicht es, über die Sprachen hinweg robuste Charakteristika des gestörten Spracherwerbs zu isolieren. Die Spezifische Sprachentwicklungsstörung (SLI) ist eine Störung des Spracherwerbs bei Kindern, die keine anderen offensichtlichen kognitiven Defizite aufweisen, und betrifft ca. 7% der Kinder (Leonard 1998). Für deutschsprachige Kinder mit (grammatischem) SLI wird vorhergesagt, dass sie Defizite im Erwerb, dem Verständnis sowie der Produktion von Wh-Konstruktionen (W-Fragen, Relativsätzen) aufweisen, da diese Konstruktionen alle zentralen Eigenschaften der Syntax und Morphosyntax aufweisen: Kongruenzmorphologie, Kasusmorphologie, Bewegung des finiten Verbs in nicht eingebetteten Sätzen (Verbzweit-Phänomen), Bewegung einer Phrase aus ihrer Grundposition in die höchste funktionale Spezifikatorposition des Satzes (Wh-Bewegung) und eine Antezedens-Lücken-Beziehung zwischen der bewegten Phrase und ihrer Grundposition. Evidenz für diese Vorhersagen kommt von Erkenntnissen aus der SLI-Forschung zu anderen Sprachen. Obwohl in den letzten Jahre eine starke Zunahme an Studien zu Kindern mit SLI zu beobachten ist, liegt nach wie vor nur eine sehr begrenzte Anzahl von Studien zum Erwerb (Verständnis und Produktion) von Wh- Bewegungskonstruktionen bei deutschsprachigen Kindern mit SLI vor. Existierende Studien zu Matrix-wh- Konstruktionen bei deutschsprachigen Kindern mit SLI fokussieren hauptsächlich auf deren Semantik oder auf den Erwerb der Verbzweit-Eigenschaft (V2) des Deutschen. Über den Erwerb von Relativsätzen bei deutschsprachigen Kindern mit SLI sind bisher kaum Forschungsarbeiten verfügbar. Unsere Forschung zielt darauf ab, diese Lücke zu schließen. Konkret werden wir die Produktion und das Verständnis von Subjekt- und Objekt-w-Fragen (sowohl wer- als auch welche(r,s)-Fragen), medialen Konstruktionen bei langer Wh-Extraktion sowie Subjekt- und Objektrelativsätzen bei deutschsprachigen Kindern mit SLI im Volksschulalter untersuchen und dabei stets die Effekte morphosyntaktischer Kasus- bzw. Kongruenzmarkierung berücksichtigen.

Das abgeschlossene Forschungsprojekt ist Teil eines koordinierten interuniversitären Forschungsverbundes zur sprachenübergreifenden Diagnostik von SSES (= Spezifische Sprachentwicklungsstörung; engl. SLI = Specific Language Impairment im Rahmen der COST Action A33, working group 3. URL: http://www.zas.gwz-berlin.de/828.htmlDas vorliegende Projekt untersuchte den Erwerb von Fragesätzen und Relativsätzen bei muttersprachlich deutsch-sprechenden Kindern im Alter von 5 bis 10 Jahren und bei deutsch-sprachigen Kindern mit Spezifischer Sprachentwicklungsstörung (SSES bzw. SLI) im Alter von 5;2 bis 11;3 Jahren. Syntaktisch sind Frage- und Relativsätze konstruktionsgleiche Satztypen, die durch denselben syntaktischen Voranstellungsprozess (genannt W- Bewegung) gebildet werden.Das erste unerwartete Ergebnis war, dass unbeeinträchtigte Kinder sowohl bei Produktions- als auch bei Satzverständnisaufgaben in der gesamten Altersspanne anhaltende Verarbeitungsprobleme bei Objekt-bezogenen Relativsätzen im Unterschied zu Subjekt-bezogenen zeigten. Ähnliches Bild verhielt es sich auch bei W-Fragen.Wie erwartet unterschieden sich Kindern mit spezifischer Sprachentwicklungsstörung (SLI) signifikant von gleichaltrigen sprachunauffälligen Kindern, sowohl was die Bildung und das Verständnis von Relativsätzen betrifft als auch beim Verständnis von W-Fragen unterschiedlichen Typs.Eine detaillierte Strukturanalyse der Antwortmuster in Relativsatz-Elizitations-Aufgaben zeigt, dass sich sprachunauffällige Kinder und Kinder mit SLI hinsichtlich der produzierten Antwortmuster voneinander sowie von Erwachsenen mit deutscher Muttersprache vorhersagbar unterscheiden, was die Abweichungen von der Zielstruktur (Subjekt- bzw. Objektrelativsätze) betrifft.Diese Forschungsergebnisse schließen eine Lücke in der Spracherwerbsforschung zum Deutschen, indem der Erwerb von W-Bewegungskonstruktionen (W-Fragen, Relativsätzen) bei sprachunauffälligen Kindern im Grundschulalter sowie bei deutschsprachigen Kindern mit Spezifischer Sprachentwicklungsstörung (SLI) systematisch untersucht und damit verlässlich vergleichbar gemacht wurde.Die Ergebnisse erlauben es, den Deutscherwerb beim Erwerb von W-Sätzen sowohl sprach- vergleichend als auch hinsichtlich Spezifischer Sprachentwicklungsstörung präziser zu verorten. Es gebrach bisher an repräsentativen Untersuchungen zum unbeeinträchtigten Verlauf im Vergleich zum beeinträchtigten anhand derselben Stimuli und derselben Methode. Ein genaueres Verständnis des Störungsbildes der Spezifischen Sprachentwicklungsstörung ist nicht nur für die psycholinguistische Forschung von besonderem Interesse, sondern auch für andere Disziplinen aus dem Bereich der Human- und Sozialwissenschaften (z.B. Entwicklungspsychologie, Erziehungswissenschaft, Sprachtherapieforschung), insbesondere aber auch für die Entwicklung von Screening-Methoden im schulischen Umfeld.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Salzburg - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Celia Jakubowicz, Université Rene Descartes - Paris V - Frankreich
  • Stavroula Stavrakaki, Aristotle University of Thessaloniki - Griechenland

Research Output

  • 13 Zitationen
  • 5 Publikationen
Publikationen
  • 2009
    Titel Small is beautiful: The processing of the left periphery in German
    DOI 10.1016/j.lingua.2008.04.007
    Typ Journal Article
    Autor Roehm D
    Journal Lingua
    Seiten 1501-1522
  • 2013
    Titel Symmetry breaking in syntax.
    Typ Book Chapter
    Autor Cambridge Studies In Linguistics
  • 2016
    Titel How do 5-year-olds understand questions? Differences in languages across Europe
    DOI 10.1177/0142723716640236
    Typ Journal Article
    Autor Sauerland U
    Journal First Language
    Seiten 169-202
    Link Publikation
  • 2010
    Titel The Syntax of German
    Typ Book Chapter
    Autor Cambridge Syntax Guides
  • 2010
    Titel Einführung in die allgemeine Linguistik.
    Typ Book Chapter
    Autor Kainhofer J

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