Mäzene des Kasperls
Kasperl´s Patrons
Wissenschaftsdisziplinen
Soziologie (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (80%)
Keywords
-
Geschichte des Kaperls,
Johann Josef La Roche,
Literatursoziologie,
Leopoldstädter Theater (Wien),
Kritische Edition,
Geschichte der Komik
Die kritisch edierte Sammlung von Theaterstücken aus dem Repertoire des Leopoldstädter Kasperls alias Johann Josef La Roche soll bislang in Vergessenheit geratene Raritäten, die auf der Marinellischen Schaubühne mit dem Kasperl als beliebtesten Protagonisten zur Aufführung kamen, beleben und diese der Forschung zugänglich machen. Die begleitende, ausführlich angelegte Studie wird ein differenziertes Bild des Darstellers La Roche und der Autoren, die ihm die Stücke "auf den Leib schrieben", zeichnen. Nach Kategorien der Feld-Theorie Pierre Bourdieus sollen die Autoren literatursoziologisch verortet und überdies die Spezifika des theatral-kulturellen Feldes in Wien bzw. im deutschsprachigen Österreich der damaligen Zeit rekonstruiert werden. Es steht zu vermuten, dass die Autonomisierung des künstlerischen Feldes um 1800 im Theaterbereich Wiens noch kaum, aber eben doch bereits in Ansätzen spürbar war - fürs erste eher text-heaterpragmatisch wie auch räumlich (hier das Hoftheater, dort das Unterhaltungstheater) wie auch von den Funktionen und dem dazugehörigen Rollenverständnis der Autoren (hie Mäzenatenkünstler, dort professionalisiertes, vom kommerziellen Erfolg abhängige Autoren). Obwohl die Leopoldstädter Schaubühne (von Karl v. Marinelli 1781 eröffnet) die wohl bedeutendste Spielstätte des Wiener Volksstücks genannt werden darf, fand das Repertoire des bekanntesten Schauspielers dieses Theaters, des Kasperldarstellers Johann Josef La Roche, in der literatur- wie theaterwissenschaftlichen Forschung kaum Beachtung. Die Ursache hierfür liegt in der Engstirnigkeit des wissenschaftlichen Horizonts der vergangenen zwei Jahrhunderte, welcher die Bühnenproduktionen, in denen der Kasperl auftrat, stets als ästhetisch minderwertig abtat und somit diese schlicht als Unterhaltungsliteratur zu bezeichnenden Stücke infolge mangelnden "ästhetischen Anspruchs", mangelnder "Innovation" und "Originalität" arg vernachlässigte. Rezeptionsbedingungen und (theater- )historische Kontexte dieser Bühne zeigen jedoch, dass die von dem Direktor Karl von Marinelli mit großem Geschick und Einfühlungsvermögen engagierten Theaterdichter, namentlich Ferdinand Eberl, Leopold Huber, Karl Friedrich Hensler und Joachim Perinet, eine Vielzahl bemerkenswerter, zu Unrecht vernachlässigter, auf La Roches Spielvermögen abgestimmte Theaterstücke (Lustspiele, Possen, Feenmärchen, (Zauber-)Opern u. Singspiele) kreierten. Die eigens für La Roche gedichteten bzw. umgearbeiteten Texte, deren Hauptdarsteller und Hauptpublikumsmagnet stets der Kasperl war, entzogen sich bereits zu lange dem literatur- und theaterwissenschaftlichen Zugriff. Über das Projekt "Mäzene des Kasperls" soll nun ein erster, nach speziellen Kriterien ausgewählter Teil dieser Werke der Hausautoren des Leopoldstädter Theaters kritisch ediert, kommentiert und einem breiten Forscherpublikum zugänglich gemacht werden, um die weitere wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Schaffen der genannten Theaterschriftsteller, der Entwicklung der Kasperlfigur am Leopoldstädter Theater und generell mit der Wiener Theatergeschichte des 18. Jahrhunderts zu gewährleisten. Überdies wird eine Studie auf der Basis der literatursoziologischen Feldtheorie P. Bourdieus die Spezifik dieses Theaterbereichs am "heteronomen Pol" der Gesellschaft, dem kulturellen Kommerz, in dessen Beziehungen und Wechselwirkungen zur "Kunst" und als "Kunst" beleuchten.
Die kritisch edierte Sammlung von Theaterstücken aus dem Repertoire des Leopoldstädter Kasperls alias Johann Josef La Roche soll bislang in Vergessenheit geratene Raritäten, die auf der Marinellischen Schaubühne mit dem Kasperl als beliebtesten Protagonisten zur Aufführung kamen, beleben und diese der Forschung zugänglich machen. Die begleitende, ausführlich angelegte Studie wird ein differenziertes Bild des Darstellers La Roche und der Autoren, die ihm die Stücke "auf den Leib schrieben", zeichnen. Nach Kategorien der Feld-Theorie Pierre Bourdieus sollen die Autoren literatursoziologisch verortet und überdies die Spezifika des theatral-kulturellen Feldes in Wien bzw. im deutschsprachigen Österreich der damaligen Zeit rekonstruiert werden. Es steht zu vermuten, dass die Autonomisierung des künstlerischen Feldes um 1800 im Theaterbereich Wiens noch kaum, aber eben doch bereits in Ansätzen spürbar war - fürs erste eher text-heaterpragmatisch wie auch räumlich (hier das Hoftheater, dort das Unterhaltungstheater) wie auch von den Funktionen und dem dazugehörigen Rollenverständnis der Autoren (hie Mäzenatenkünstler, dort professionalisiertes, vom kommerziellen Erfolg abhängige Autoren). Obwohl die Leopoldstädter Schaubühne (von Karl v. Marinelli 1781 eröffnet) die wohl bedeutendste Spielstätte des Wiener Volksstücks genannt werden darf, fand das Repertoire des bekanntesten Schauspielers dieses Theaters, des Kasperldarstellers Johann Josef La Roche, in der literatur- wie theaterwissenschaftlichen Forschung kaum Beachtung. Die Ursache hierfür liegt in der Engstirnigkeit des wissenschaftlichen Horizonts der vergangenen zwei Jahrhunderte, welcher die Bühnenproduktionen, in denen der Kasperl auftrat, stets als ästhetisch minderwertig abtat und somit diese schlicht als Unterhaltungsliteratur zu bezeichnenden Stücke infolge mangelnden "ästhetischen Anspruchs", mangelnder "Innovation" und "Originalität" arg vernachlässigte. Rezeptionsbedingungen und (theater- )historische Kontexte dieser Bühne zeigen jedoch, dass die von dem Direktor Karl von Marinelli mit großem Geschick und Einfühlungsvermögen engagierten Theaterdichter, namentlich Ferdinand Eberl, Leopold Huber, Karl Friedrich Hensler und Joachim Perinet, eine Vielzahl bemerkenswerter, zu Unrecht vernachlässigter, auf La Roches Spielvermögen abgestimmte Theaterstücke (Lustspiele, Possen, Feenmärchen, (Zauber-)Opern u. Singspiele) kreierten. Die eigens für La Roche gedichteten bzw. umgearbeiteten Texte, deren Hauptdarsteller und Hauptpublikumsmagnet stets der Kasperl war, entzogen sich bereits zu lange dem literatur- und theaterwissenschaftlichen Zugriff. Über das Projekt "Mäzene des Kasperls" soll nun ein erster, nach speziellen Kriterien ausgewählter Teil dieser Werke der Hausautoren des Leopoldstädter Theaters kritisch ediert, kommentiert und einem breiten Forscherpublikum zugänglich gemacht werden, um die weitere wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Schaffen der genannten Theaterschriftsteller, der Entwicklung der Kasperlfigur am Leopoldstädter Theater und generell mit der Wiener Theatergeschichte des 18. Jahrhunderts zu gewährleisten. Überdies wird eine Studie auf der Basis der literatursoziologischen Feldtheorie P. Bourdieus die Spezifik dieses Theaterbereichs am "heteronomen Pol" der Gesellschaft, dem kulturellen Kommerz, in dessen Beziehungen und Wechselwirkungen zur "Kunst" und als "Kunst" beleuchten.
- Universität Graz - 100%