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Österreichisch-sowjetische Beziehungen 1918-1938

Austrian-Soviet Relations 1918-1938

Verena Moritz (ORCID: 0000-0001-5574-5219)
  • Grant-DOI 10.55776/P20477
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.06.2008
  • Projektende 31.03.2013
  • Bewilligungssumme 268.136 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (85%); Wirtschaftswissenschaften (15%)

Keywords

    Austria, Diplomatic History, Soviet Union, Economic Relations, Bilateral Relations 1918-1938, Cultural Aspects

Abstract Endbericht

Mit dem Thema "Österreichisch-sowjetische Beziehungen 1918-1938" greift das Projekt ein von mehreren Historikern moniertes eklatantes Forschungsdesiderat in der Geschichte der Ersten Republik auf. Ungeachtet des neuen Quellenzugangs in Russland seit 15 Jahren repräsentiert immer noch eine 1975 in Österreich entstandene, unveröffentlichte Dissertation zu diesem Thema den diesbezüglichen Forschungsstand. In den letzten Jahren beschäftigt sich die Geschichtswissenschaft verstärkt mit Themen, welche die Zeit nach 1945 betreffen, wie etwa dem Kalten Krieg. Dessen Erforschung aber setzt jedoch nicht zuletzt die Berücksichtigung von Vorbedingungen und Entwicklungen voraus, die die Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg betreffen. Analog zu den intensiven Forschungen zu den österreichisch-sowjetischen Beziehungen für den Zeitraum 1945- 1955 der letzten Jahre, die im Umfeld der Feierlichkeiten zu "50 Jahre Österreichischer Staatsvertrag" und "60 Jahre Zweite Republik" zahlreiche Arbeiten hervorgebracht haben, wird das Projekt nun eine umfassende, systematische Studie zu den Beziehungen in der Zwischenkriegszeit durchführen. Dabei geht es aber nicht nur um einen Forschungszugang unter dem Motto "österreichisch-sowjetische Beziehungen 1918-1938 revisited": Das Projektteam stellt sich die notwendige Vertiefung und Erweiterung des Themenfeldes auf Basis umfangreicher Bestände in russischen Archiven, aber auch bislang unausgewerteter Ressourcen in Österreich zur Aufgabe. Erstmals gründlich erforscht werden sollen demnach nicht nur die Beziehungen in den Bereichen Diplomatie und Politik, sondern auch Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Exilfragen. Insbesondere werden die unterschiedlichen Phasen des österreichisch-sowjetischen Verhältnisses im Spannungsfeld von politischen und weltanschaulichen Grund- bzw. Gegensätzen, Realpolitik und Propaganda sowie inneren und internationalen Kräfteverhältnissen und - verschiebungen herausgearbeitet und charakterisiert. Die Studie wird durch eine Zusammenstellung von Kurzbiografien des diplomatischen Personals und die Veröffentlichung von Schlüsseldokumenten ergänzt. Von dieser umfassenden Gesamtdarstellung kann sowohl die Beantwortung bisher ungeklärter Fragen für die Wissenschaft als auch die Erschließung bisher unberücksichtigter Aspekte des österreichisch-sowjetischen Verhältnisses erwartet werden. Die Forschungsergebnisse werden auch eine wichtige Grundlage für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Österreichs Rolle im internationalen Kräfteverhältnis vor dem Hintergrund des Kalten Kriegs bilden.

Das Forschungsprojekt hat es sich zum Ziel gesetzt, eine klaffende Lücke in der wissenschaftlichen Erforschung der Ersten Republik und der Jahre von 1934 bis zum "Anschluss" zu füllen. Die bisherigen Untersuchungen des Verhältnisses zwischen Österreich und der UdSSR in der Zwischenkriegszeit mussten auf die Verwendung von unpublizierten russischen Archivmaterialien, welche die diplomatischen wie auch die kulturellen Beziehungen betreffen oder Fragen der Emigration sowie des Handels berühren, verzichten. Unterstützt von der Österreichisch-Russischen Historikerkommission, welche zeitweilig vorhandene Hürden beim Zugang zu den Archiven in Russland beseitigen half, konnte das Projektteam eine Reihe von Quellen vom Archiv des Außenministeriums, dem Staatlichen Archiv für Sozial-Politische Geschichte, dem Staatlichen Wirtschaftsarchiv und von anderen Institutionen in Russland heranziehen, um die sowjetische(n) Haltung(en) gegenüber Österreich zu rekonstruieren. Auf der anderen Seite wurde es im Rahmen des beim Österr. Staatsarchiv (ÖStA) in Wien angesiedelten Forschungsprojekts möglich, die österreichische(n) Position(en) gegenüber der Sowjetunion unter Zuhilfenahme der reichen Bestände des ÖStA gründlich zu untersuchen. Als Folge davon kann nicht nur gezeigt werden, wie die beiden Länder sich auf "staatlicher Ebene" gegenseitig betrachteten bzw. beurteilten, sondern es gelang beispielsweise auch, die Wechselwirkungen von offiziellen und (mehr oder weniger) inoffiziellen Haltungen in Bezug auf das Image der beiden Länder unter die Lupe zu nehmen. Das Forschungsteam wandte sich auch dem nichtdiplomatischen Einfluss auf die sowjetische und österreichische Außenpolitik zu, indem es u. a. politische Parteien (Österreich), die Komintern (UdSSR) oder die Presseberichterstattung in beiden Ländern berücksichtigte. Im Unterschied zu den üblichen Vergleichen zwischen dem "kleinen" Österreich und der "großen" Sowjetunion wurde Österreichs Bedeutung als Teil Mitteleuropas hervorgehoben und die sowjetische Österreich- bzw. Mitteleuropapolitik im Kontrast zur diesbezüglichen Politik in London und Paris analysiert. Die Ergebnisse des Forschungsprojektes legen offen, dass es im Unterschied zu vorherrschenden Interpretationen keine scharfen Zäsuren der österreichischen Sowjetpolitik in Bezug auf die Frage des "Anschlusses", der "Habsburgerrestauration" oder Österreichs möglicher Teilnahme an einer "Donauföderation" gab. Auszumachen sind vielmehr eine Schaukelpolitik und sich langsam entwickelnde Tendenzen sowie sich ändernde Wahrnehmungen. Letztere betreffen beispielsweise auch die sowjetische Akzeptanz von Österreichs Selbstdarstellung als Opfer, eine Haltung, die sich 1919 herausbildete und dann unter dem Eindruck des 2. Weltkriegs unter anderen Vorzeichen erneut Bedeutung erlangte. Während man schlüssige, systematische und geradlinige Änderungen in der Haltung des Kremls gegenüber Österreich vermisst, hat sich auf österreichischer Seite der Beginn des autoritären Regimes unter Kanzler Engelbert Dollfuß als einschneidend für die Sowjetunionpolitik dargestellt - trotz einer tendenziell vorsichtigen und weniger scharfen Haltung des Außenministeriums.

Forschungsstätte(n)
  • Österreichisches Staatsarchiv - 100%

Research Output

  • 1 Zitationen
  • 5 Publikationen
Publikationen
  • 2010
    Titel Skizzen zu den österreichisch-sowjetischen Beziehungen 1918-1938 : Forschungsbedingungen, Fragestellungen und Perspektiven.
    Typ Book Chapter
    Autor Linda Erker/Alexander Salzmann/Lucile Dreidemy/Klaudija Sabo (Hg.): Update! Perspektiven Der Zeitgeschichte. Zeitgeschichtetage 2010
  • 2012
    Titel Wirtschaftliche und kulturelle Neuorientierungsprozesse der österreichischen und russischen Film- und Kinobranchen angesichts des Übergangs vom Stumm zum Tonfilm.
    Typ Book Chapter
    Autor Linda Erker/Alexander Salzmann/Lucile Dreidemy/Klaudija Sabo (Hg.): Update! Perspektiven Der Zeitgeschichte. Zeitgeschichtetage 2010
  • 2012
    Titel Otto Neurath und die Sowjetunion.
    Typ Book Chapter
    Autor Köstenberger J
  • 2013
    Titel Gegenwelten. Aspekte der österreichisch-sowjetischen Beziehungen 1918-1938
    Typ Book
    Autor Köstenberger J.
    Verlag Residenz Verlag
  • 2013
    Titel Das Kriegswirtschaftliche Ermächtigungsgesetz ( KWEG ) vor dem Hintergrund der österreichischen Verfassungsentwicklung
    DOI 10.7767/boehlau.9783205789581.449
    Typ Book Chapter
    Autor Leidinger H
    Verlag Brill Osterreich
    Seiten 449-470

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