Die Dialektlieder Peter Gottlieb Lindemayrs (1741-1799)
The dialect poems of Peter Gottlieb Lindemayr (1741-1799)
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (5%); Kunstwissenschaften (15%); Sprach- und Literaturwissenschaften (80%)
Keywords
-
Lindemayr,
Mundartdichtung,
Dialektliteratur,
Volkslied
Im Gegensatz zu seinem Bruder Maurus, der als bedeutendster österreichischer Mundartdichter des 18. Jahrhunderts Eingang in die Literaturgeschichten fand, ist der beinah eine Generation jüngere Peter Gottlieb Lindemayr kaum noch bekannt. Doch nicht die mangelnde Qualität seiner lyrischen Arbeiten ließ die Erinnerung an den Stadelschreiber` verblassen. Immerhin zeigt er in seinen Liedern, vor allem im anakreontischen Genre, eine für einen Gelegenheitsdichter erstaunliche Bildkraft und technische Souveränität. Seine Betonung des Subjektiven und Privaten führt weg von der typisierenden Rollenlyrik spätbarocker Prägung hin zu einer Innerlichkeit, wie sie Jahrzehnte später in der oberdeutschen Mundartdichtung bestimmend werden sollte. Die situations- bzw. personenspezifische Fixierung eines Großteils seines Werks verhinderte allerdings ein ähnlich intensives Weiterwirken, wie es die Lieder seines Bruders zeigen. So gelangte bislang auch lediglich ein Fünftel seiner durchweg vertonten Gedichte in oberösterreichischer Mundart in den Druck, zum Teil unter falschem Namen. Der Rest blieb unbekannt. Ziel des Projekts ist die erstmalige wissenschaftliche Erfassung und Untersuchung des Gesamtkorpus der Dialektlieder Peter Gottlieb Lindemayrs, die bemerkenswerte Dokumente der Alltagskultur im oberösterreichischen ländlichen Raum sind und Einblick geben in das Volksleben angesichts einer Umbruchszeit. Als authentische Belege für die zeitgenössischen Sprachgewohnheiten vermitteln sie einen repräsentativen Eindruck vom Forminventar der Mundartdichtung, von Entstehungs-, Aufführungsbedingungen und Überlieferungswegen zur Zeit des Josephinismus und der Restauration. Dass sie derart - wie die Lieder des P. Maurus Lindemayr - nicht nur ein ergiebiges Untersuchungsfeld für Literatur- und Musikwissenschaft darstellen, sondern auch für andere Disziplinen wie Dialektologie, Ethnologie und Regionalgeschichte von hohem dokumentarischen Wert sind, liegt auf der Hand. Darüber hinaus führt die vollständige Erfassung des Werks eines kleineren` Meisters vor Augen, dass die Dialektdichtung des 18. Jahrhunderts im oberdeutschen Sprachraum eben nicht (nur) aus großartigen Einzelleistungen der Vaterfiguren` wie Ignaz Anton Weiser, Maurus Lin-demayr oder - im Fall des Schwäbischen - Sebastian Sailer besteht, sondern eine ungleich größere Bandbreite mit Ahnen`, Zeitgenossen und Nachfolgern` aufweist, als längst überholte, doch nach wie vor zu Rate gezogene literatur- und musikwissenschaftliche Darstellungen ver-muten lassen.
Im Gegensatz zu seinem Bruder Maurus, der als bedeutendster österreichischer Mundartdichter des 18. Jahrhunderts Eingang in die Literaturgeschichten fand, ist der beinah eine Generation jüngere Peter Gottlieb Lindemayr kaum noch bekannt. Doch nicht die mangelnde Qualität seiner lyrischen Arbeiten ließ die Erinnerung an den "Stadelschreiber" verblassen. Immerhin zeigt er in seinen Liedern, vor allem im anakreontischen Genre, eine für einen Gelegenheitsdichter erstaunliche Bildkraft und technische Souveränität. Seine Betonung des Subjektiven und Privaten führt weg von der typisierenden Rollenlyrik spätbarocker Prägung hin zu einer Innerlichkeit, wie sie Jahrzehnte später in der oberdeutschen Mundartdichtung bestimmend werden sollte. Die situations- bzw. personenspezifische Fixierung eines Großteils seines Werks verhinderte allerdings ein ähnlich intensives Weiterwirken, wie es die Lieder seines Bruders zeigen. So gelangte bislang auch lediglich ein Fünftel seiner durchweg vertonten Gedichte in oberösterreichischer Mundart in den Druck, zum Teil unter falschem Namen. Der Rest blieb unbekannt. Ziel des Projekts ist die erstmalige wissenschaftliche Erfassung und Untersuchung des Gesamtkorpus der Dialektlieder Peter Gottlieb Lindemayrs, die bemerkenswerte Dokumente der Alltagskultur im oberösterreichischen ländlichen Raum sind und Einblick geben in das Volksleben angesichts einer Umbruchszeit. Als authentische Belege für die zeitgenössischen Sprachgewohnheiten vermitteln sie einen repräsentativen Eindruck vom Forminventar der Mundartdichtung, von Entstehungs-, Aufführungsbedingungen und Überlieferungswegen zur Zeit des Josephinismus und der Restauration. Dass sie derart - wie die Lieder des P. Maurus Lindemayr - nicht nur ein ergiebiges Untersuchungsfeld für Literatur- und Musikwissenschaft darstellen, sondern auch für andere Disziplinen wie Dialektologie, Ethnologie und Regionalgeschichte von hohem dokumentarischen Wert sind, liegt auf der Hand. Darüber hinaus führt die vollständige Erfassung des Werks eines "kleineren" Meisters vor Augen, dass die Dialektdichtung des 18. Jahrhunderts im oberdeutschen Sprachraum eben nicht (nur) aus großartigen Einzelleistungen der "Vaterfiguren" wie Ignaz Anton Weiser, Maurus Lindemayr oder - im Fall des Schwäbischen - Sebastian Sailer besteht, sondern eine ungleich größere Bandbreite mit "Ahnen", Zeitgenossen und "Nachfolgern" aufweist, als längst überholte, doch nach wie vor zu Rate gezogene literatur- und musikwissenschaftliche Darstellungen vermuten lassen.
- Universität Graz - 100%