Ostsyrisches Christentum entlang der Seidenstraße vor 1500
East Syriac Christianity along the Silk Road before 1500
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (15%); Philosophie, Ethik, Religion (85%)
Keywords
-
East Syriac Christianity,
Nestorians,
Tibet,
Celyon,
West China,
South Asia,
Inter-religious encounter,
Trade and Mission,
Inscriptions and Manuscripts
Die Apostolische Kirche des Ostens, d.h. das ostsyrische, sogenannte nestorianische Christentum, breitete sich entlang der Seidenstraße bis nach Zentral-, Ost-, Süd- und Südostasien aus. Spuren in der Form von literarischen (historischen Manuskripten, Reiseberichten, usw.) sowie archäologische Entdeckungen (Inschriften, Grabsteine) finden sich vor dem 16. Jahrhundert in Zentral-, Ost-, Süd- und Südostasien. Ostsyrische Christen waren gleichzeitig Händler und Missionare. Ihre erfolgreichste Mission war die Etablierung der Kirche in China während der Tang- (618-907) und Mongol-Yüan-Dynastien (12.-14.Jh.). Dies wird durch die berühmte Inschrift von Xi`anfu, durch chinesische Dokumente aus Dunhuang sowie durch Grabsteine in Nordwest- und Südostchina belegt. Was allerdings weniger bekannt ist, ist die weitere Ausbreitung des ostsyrischen Christentums in asiatischen Gebieten wie Tibet, Westchina, Ceylon und Südostasien. Vielfältige frühmittelalterliche Nachweise haben bisher auf eine verbreitete Anwesenheit in den genannten asiatischen Gebieten vor der Ankunft der Römisch- Katholischen und Protestantischen Mission hingewiesen: z.B. die Felsinschriften in Ladakh im Westen Tibets, tibetische Manuskripte aus Dunhuang, syrisch-türkische Epitaphe aus Westchina und mittelalterliche (europäische, arabische und chinesische) Reiseberichte über Südostasien. Diese bisher äußerst dürftig ausgewerteten Quellen sind Grundlage für die Untersuchung einer weiteren Ausbreitung des ostsyrischen Christentums in den genannten Regionen. Die Schwerpunkte liegen auf der Verbreitung des Christentums über die Handelswege und die interreligiösen Begegnungen zwischen Christen und Anhängern anderer Religionen wie Buddhisten, Manichaer, Zoroastrier, Taoisten und Muslime. Unter anderen wird folgenden Fragestellungen nachgegangen: In welchen Zusammenhang steht die Rolle der Ostsyrer als Kaufleute und Missionare? Wie wurden die christlichen Gemeinden entlang der Seidenstrassen durch die Errichtung von Handelsnetzen etabliert? Wie waren, wenn überhaupt, diese Gemeinden in die jeweiligen religiösen und kulturellen Kontexte integriert? Wie funktionierten interreligiöse Konfliktbewältigung und friedliche Koexistenz zwischen den Religionen? Das Ergebnis des Projektes wird in monographischer Form dargestellt.
Handel, Migration und Mission waren jene Kernelemente, die die Ausbreitung des syrischen Christentums entlang der Seidenstraße vorantrieben. Vor dem 13. Jahrhundert spielten Christen aus der Kirche des Ostens die sogenannten Nestorianer oder Ostsyrer eine bedeutende Rolle in der Verbreitung des syrischen Christentums von Mesopotamien ausgehend über die Karawanenstraßen nach China und über die maritimen Handelswege bis zum Persischen Golf und dem Indischen Ozean. Der Fernhandel stimulierte auch die Migration und erleichterte den kulturellen, religiösen und technologischen Austausch zwischen Ost und West.Im vorliegenden Projekt wurde untersucht, wie der Handel entlang der Seidenstraße mit der Ausbreitung der syrischen Christentum verbunden war und wie syrische Christen den Menschen anderer Glaubensgemeinschaften insbesondere Buddhisten, Muslime, Konfuzianer, Taoisten, Manichäer und Zoroastrier begegneten. Das Forschungsprojekt fokussierte auf primäre sowie sekundäre Quellen unter besonderer Berücksichtigung von Familienbiographien, Manuskripten, Inschriften, Epitaphe sowie Kirchen- und Klosterruinen. Die Studie zeigt, dass sowohl christliche Händler als auch das Mönchtum eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung des syrischen Christentums entlang der Seidenstraße spielten. Das Wachstum der syrischen Händler-Diaspora war einer der wichtigsten Voraussetzungen für die Expansion der syrischen Kirchen in östliche Richtung. Untern den Händlern entstanden die ersten christlichen Gemeinden, die die finanzielle Unterstützung für ihre Kirchen, Klöster und Geistlichen boten. Bisher zeigen archäologische Funde, die Standorte und Ausmaß der syrischen Klöster entlang der Handelswege vom Persischen Golf bis nach Süd- und Zentralasien und China nachweisen, wie sich die syrische monastische Bewegung ausbreitete und wie Klöster als Zentren der syrisch-christlichen Literatur, Theologie, Spiritualität und Mission dienten. Das syrische Mönchtum wurde auch im asiatischen Kontext gut aufgenommen, da die Gesellschaften Asiens aufgrund der weiten Verbreitung des Buddhismus mit der monastischen Tradition bereits vertraut waren.Die Adaptierungsstrategien Ostsyrischer Christen in einem multireligiösen Umfeld trugen vor dem 15. Jahrhundert zum Erfolg der kirchlichen Expansion bei. Obwohl syrische Christen mehrfach Verfolgungen im Römischen Reich, in Persien unter den Sassaniden oder sogar einmal in China erlebt hatten, trugen sie zum friedlichen Zusammenleben mit Muslimen, Buddhisten und anderen Glaubensgemeinschaften entlang der Seidenstraße bei. Z.B., kooperierten sie bei der Übersetzung religiöser Texte mit buddhistischen Gelehrten in China und Zentralasien; sie engagierten sich aktiv in der einheimischen Politik und transferierten griechische medizinische Kenntnisse zu den Arabern und umgekehrt die arabischen Medizin wiederrum zu den Mongolen und Chinesen. Einem religiösen Synkretismus ergab sich nicht, wie manche frühe Forschungen behaupteten, sondern viele syrische Theologen und Geistliche verteidigten ihren christlichen Glauben durch apologetische Schriften und der Teilnahme an inter-religiösen Debatten und Dialogen.Der Rückgang des syrischen Christentums nach dem 15. Jahrhundert wurde durch die Islamisierung, Marginalisierung und in manchen Fällen sogar Zwangskonvertierung der Christen in Persien, Arabien und Zentralasien verursacht. Das Schicksal der ostsyrischen christlichen Gemeinden in buddhistischen Hochburgen wie Sri Lanka, Ming-China und einigen anderen Regionen in Süd- und Südostasien verschlechterte sich durch ethnische Assimilation (z.B. in Nordchina) und Auswanderung der Christen.
- Universität Salzburg - 100%
Research Output
- 21 Publikationen
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2011
Titel A 13th century Chinese Source on a Certain Syrian Christian Ruler in Kollam, India. Typ Journal Article Autor Tang Bl Journal The Harp: A Review of Syriac and Oriental Ocumenical Studies -
2013
Titel Rediscovering the Ongut King George: Remarks on a Newly Excavated Archaeological Site. Typ Book Chapter Autor Li Tang & Dietmar W. Winkler -
2013
Titel Christianty in the Middle East: Some Historical Remarks and Preliminary Demographic Figures. Typ Book Chapter Autor Dietmar W. Winkler (Ed.) -
2013
Titel Die orthodoxen Kirchen im Orient und im Ostmittelmeerraum: Alexandria, Antiochia, Jerusalem und Zypern. Typ Book Chapter Autor Th. Bremer / H.R. Gazer (Ed.) -
2013
Titel East Syriac Christianity in Mongol-Yuan China. By Li Tang. (Orientalia Biblica et Christiana, 18.) Pp. xvii+169 incl. 8 maps and 20 ills. Wiesbaden: Harrassowitz, 2011. €58. 978 3 447 06580 1; 0946 5065 DOI 10.1017/s0022046913001395 Typ Journal Article Autor Borbone P Journal The Journal of Ecclesiastical History Seiten 842-843 -
2009
Titel A Preliminary Study on the Jingjiao Inscription of Luoyang: Text Analysis, Commentary and English Translation. Typ Book Chapter Autor Dietmar W. Winkler & Li Tang -
2009
Titel Neueste Forschungen zum ostsyrischen Christentum. Typ Journal Article Autor Winkler Dw Journal Information Christlicher Orient -
2009
Titel Turkic Christians in Central Asia and China (5th-14th centuries). Typ Journal Article Autor Tang Bl Journal Studies in Turkic Philology: Festschrift in Honour of the 80th Birthday of Prof. Geng Shimin -
2009
Titel A New Investigation into Some Nestorian Epitaphs Unearthed in Quanzhou: Commentary and Translation. Typ Journal Article Autor Tang Bl Journal Bibel, Byzanz und Christlicher Orient. Festschrift für Stephen Gerö -
2009
Titel Luoyang Jingjiao Jingchuang Chu Shi (On the Luoyang Jingjiao Inscription). Typ Book Chapter Autor Jingjiao Yizhen: Studies On The Luoyang Nestorian Inscription. Ge Chengyong -
2009
Titel Medieval Sources on the Nestorian Naiman Nation and on Their Prince Küchlüg. Typ Book Chapter Autor Dietmar W. Winkler & Li Tang -
2009
Titel Hidden Treasure and Inter-Cultural Encounters: Studies in East Syriac Christianity in China and Central Asia. Typ Book Chapter Autor Orientalia-Patristica-Oecumenica Vol. 1. Lit Verlag -
2012
Titel Nestorius (um 381.451/453). Typ Book Chapter Autor G.M. Hoff- U.H.J. Körtner (Hg.) -
2012
Titel Spätantiker Trinitätsglaube auf dem Prüfstand. Christlich-Muslimische Disputation im frühen Mittelalter. Typ Book Chapter Autor P. Ebenbauer - E. Renhart (Hg.) -
0
Titel East Syriac in Mongol-Yuan China. Orientalia Biblica et Christiana 18. Typ Other Autor Tang Bl -
0
Titel From the Oxus River to the Chinese Shores: Studies in East Syriac Christianity in China and Central Asia. Typ Other Autor Tang Bl -
0
Titel Syriac Churches Encountering Islam: Past Experiences and Future Perspectives. Typ Other Autor Winkler Dw -
2012
Titel Die Vielfalt des Christentums im Nahen Osten. Historische Entfaltung und demographische Daten. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Winkler Dw Konferenz P. Bsteh/W. Freistetter/A.Gruber (Hg.), Die Vielfalt der Religionen im Nahen Osten. Dialogkultur und Konfliktpotential an den Ursprüngen -
2010
Titel Christian Responses to Islam in the Ummayyad Period. Typ Book Chapter Autor Dietmar W. Winkler (Ed.) -
0
Titel Christlich-Muslimische Dispute im Mittelalter - Ein brauchbares Konzept für die Gegenwart? Typ Other Autor Winkler Dw -
0
Titel Hidden Treasures and Intercultural Encounters Studies on East Syriac Christianity in China and Central Asia. Typ Other Autor Winkler Dw