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Das Atriumhaus von Aguntum

The ´Atrium House´ of Aguntum

Michael Tschurtschenthaler (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P20846
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.11.2008
  • Projektende 31.10.2013
  • Bewilligungssumme 170.754 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Naturwissenschaften (15%); Geschichte, Archäologie (85%)

Keywords

    Atriumhaus, Wirtschaftsgeschichte, Noricum, Keramik, Römische Architektur, Mineralogie

Abstract Endbericht

Das Atriumhaus von Aguntum stellt ein archäologisches Unikum im inneralpinen Bereich dar. Seine außerordentliche Größe von annähernd 6000m2 und die hellenistisch-römische Form seines Herrschaftstraktes machen es zu einem herausragenden innerstädtischen Wohn- und Repräsentationskomplex. Im Rahmen dieses Projektes sollen die Befunde und Funde der nunmehr abgeschlossenen, äußerst umfangreichen Grabungen des Instituts für Archäologien, Abteilung Klassische und Provinzialrömische Archäologie der Universität Innsbruck am Atriumhaus von Aguntum (1994-2006) mit den älteren Ergebnissen aus den Grabungen von F. Miltner (1953-54) und W. Alzinger (1955-58) abgeglichen und wissenschaftlich einheitlich bewertet werden. Die Vorlage der Kleinfunde, die sowohl archäologisch als auch archäometrisch untersucht werden, in Zusammenhang mit den Befunden des vom ersten bis zum sechsten nachchristlichen Jahrhundert genützten Atriumhauses soll zu neuen Erkenntnissen in der Wirtschafts- und Sozialgeschichte der römische Provinz Noricum und der Chronologie lokaler, provinztypischer Keramik führen. Dabei stehen neben der Chronologie der einzelnen Nutzungsphasen des Atriumhauses vor allem auch die Fragen nach der Herkunft und dem sozialen Hintergrund des Eigentümers dieses repräsentativen Wohnkomplexes im Vordergrund. In diesem Zusammenhang wird auch die Frage nach der Motivation des Bauherrn, ein deutlich römisch-hellenistisches Wohnhaus im für diese Art von Architektur nur bedingt geeigneten alpinen Raum zu bauen, behandelt. Hier ist es vor allem die wirtschaftliche Funktion des Atriumhauses, die im Mittelpunkt des Interesses steht und mittels archäometrischer Keramik-, Schlacken- und Tierknochenanalysen näher erforscht werden soll. Zur Frage nach der wirtschaftlichen Orientierung des Atriumhauses, und damit wohl des gesamten Municipium Claudium Aguntum wird auch die Auswertung der im Atriumhaus gefundenen Importkeramik beitragen. Neben diesen, die Provinzgeschichte in engerem Sinne betreffenden Fragen, ist auch die Architektur des Atriumhauses ein wesentlicher Teil des hier vorgestellten Projektes. So ist dieser Bautyp in den südlichen Gegenden des Imperium Romanum sehr beliebt, wird aber in den nördlichen Provinzen kaum verwendet. Im Fall von Aguntum handelt es sich um einen in seiner ersten Phase sehr kanonisch errichteten Bau, der erst im Laufe der Zeit durch An- und Umbauten den lokalen (v.a. klimatischen) Gegebenheiten angepasst wurde. Somit liegt hier ein architekturhistorisches Musterbeispiel für die Adaption mediterran-römisch-hellenistischer Architektur für das rauere Klima der Nordprovinzen vor.

Das Atriumhaus von Aguntum stellt ein archäologisches Unikum im inneralpinen Bereich dar. Seine außerordentliche Größe von annähernd 6000m2 und die hellenistisch-römische Form seines Herrschaftstraktes machen es zu einem herausragenden innerstädtischen Wohn- und Repräsentationskomplex. Im Rahmen dieses Projektes wurden die Befunde und Funde der Grabungen des Instituts für Archäologien, Abteilung Klassische und Provinzialrömische Archäologie der Universität Innsbruck, am Atriumhaus von Aguntum (1994-2006) mit den älteren Ergebnissen aus den Grabungen von F. Miltner (1953-54) und W. Alzinger (1955-58) abgeglichen und wissenschaftlich einheitlich bewertet. Insbesondere die Analyse der Kleinfunde aus den modernen Grabungen erbrachten wertvolle Hinweise auf die Datierung der einzelnen Bauteile wie auch auf die Lebensweise der Bewohner des Atriumhauses.Neben den Ergebnissen, die unmittelbar Auskunft zu den Bewohnern des Atriumhauses geben, stand auch die Frage nach regional typischen Produkten im Vordergrund. Hier konnte anhand archäometrischer Keramikanalysen eine lokale Produktpalette festgestellt werden, die in Form und Dekor der provinztypischen Keramik entspricht. Ob und über welche Distanzen die Aguntiner Produkte auch exportiert wurden, kann nur anhand entsprechender Analysen an anderen Fundorten geklärt werden.Im Vordergrund des Projektes stand die Frage nach dem sozialen Hintergrund des Eigentümers dieses repräsentativen Wohnkomplexes. Es konnte anhand des Fundmaterials eine starke Anbindung der Bewohner des Atriumhauses an den italisch-mediterranen Raum nachgewiesen werden. Bis etwa um die Mitte des 2. Jh. n. Chr. sind vor allem Güter aus dem Süden importiert worden. Dies betrifft besonders Speisen und Getränke (in Form von Amphoren nachweisbar), aber auch Tafel- und Kochgeschirr sowie Schmuckgegenstände. Auf dem Speiseplan der Atriumhaus-Bewohner standen neben Kälbern, Schweinen und Hühnern auch eine Vielfalt von Wildtieren sowie importierte Muscheln und Schnecken. Während sich der Speiseplan im späteren 2. Jh. n. Chr. bis ins 3. Jh. n. Chr. zusehends vereinfacht, ist es besonders bemerkenswert, dass Speiseabfälle aus dem 4. Jh. n. Chr. auf eine erneut zu großem Wohlstand gelangte Bewohnerschaft hinweisen.Die architektonische Gestaltung des Gebäudes, die importieren Speisen und auch der anhand der Tierknochen-Abfälle rekonstruierbare Fleischkonsum weisen darauf hin, dass die wohl mit politischen oder wirtschaftlichen Aufgaben befassten Errichter des Atriumhauses der italischen Oberschicht angehörten.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Innsbruck - 95%
  • Universität Salzburg - 5%
Nationale Projektbeteiligte
  • Michael Unterwurzacher, Universität Salzburg , assoziierte:r Forschungspartner:in

Research Output

  • 6 Publikationen
Publikationen
  • 2012
    Titel Late Roman local production in southwestern Noricum. Municipium Claudium Aguntum - a case study.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Auer M
    Konferenz Congressus vicesimus septimus Rei Cretariae Romanae Fautorum Singiduni habitus MMX. Bonn: Rudolf Habelt (= Acta RCRF, 42)
  • 2014
    Titel Das 'Atriumhaus'. Zu den Ursprüngen eines Bautyps.
    Typ Journal Article
    Autor Auer M
    Journal Forum Archaeologiae - Zeitschrift für klassische Archäologie 63/VI, online
  • 2011
    Titel Das Atriumhaus von Aguntum.
    Typ Journal Article
    Autor Auer M
    Journal Zentrum für Alte Kulturen: Jahresbericht 2010. Aktuelle Forschungen. Innsbruck: Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
  • 2012
    Titel Die Firmalampen aus dem Municipium Claudium Aguntum.
    Typ Journal Article
    Autor Auer M
    Journal Chrzanovski, Laurent: Le Luminaire antique. Lychnological Acts 3. Actes du 3e Congrès International d´études de l´ILA. Université d´Heidelberg , 21-26.IX.2009. Montagnac: éditions Monique Mergoil (= Monographies Instrumentum)
  • 2012
    Titel Überlegungen zur lokalen Keramikproduktion im Umfeld des Municipium Claudium Aguntum.
    Typ Book Chapter
    Autor Auer M
  • 2013
    Titel 100 Jahre wissenschaftliche Ausgrabungen in Aguntum.
    Typ Journal Article
    Autor Auer M
    Journal Osttiroler Heimatblätter

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