Edition der Kirchengeschichte des Xanthopoulos
Edition of the ecclesiastical history of Xanthopoulos
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (30%); Philosophie, Ethik, Religion (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (40%)
Keywords
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Byzanz,
Textedition,
Kirchengeschichte,
Mimesis/Paraphrasentechnik,
Palöographie,
Gelehrtengeschichte
Der vorliegende Antrag hat eine Neuedition der Historia ecclesiastica des Nikephoros Kallistos Xanthopoulos vom Anfang des 14. Jahrhunderts zum Inhalt. Mit dieser kritischen Edition soll eine wissenschaftlich ungenügende Erstedition ersetzt werden, die Henri Estienne im Jahre 1630 besorgt hat (und von Jean Paul Migne in seine Patrologia Graeca übernommen wurde). Für die auf drei Jahre beantragte Projektzeit ist aus der insgesamt 18 Bände umfassenden Kirchengeschichte die mittlere Trias ausgewählt, einerseits weil sie eine geschlossene zeitliche Einheit präsentiert, deren bislang erschlossenen Quellen in neueren Editionen und im Thesaurus Linguae Graecae vorliegen, andererseits weil sich die Bearbeitung in dieser Aufteilung ideal in die begonnene Gesamtedition einfügt, die zwischen den hauptverantwortlichen Editoren (Prof. Dr. Albrecht Berger, Byzantinische Kunstgeschichte und Neogräzistik der Universität München; Dr. Christian Gastgeber, Institut für Byzanzforschung, Österreichische Akademie der Wissenschaften) in drei Einheiten (Teil 1, Bd. I-VI: Berger; Teil 2, Bd. VII-XII: der vorgesehene Projektmitarbeiter Sebastiano Panteghini unter Mitarbeit von Christian Gastgeber; Teil 3, Bd. XIII- XVIII Gastgeber) gegliedert wurde. Der innovative Aspekt liegt nicht nur in einer modernsten Anforderungen entsprechenden textkritischen Edition (für das Corpus Fontium Historiae Byzantinae vorgesehen), sondern auch in einer ausführlichen Quellenanalyse. Letzterer Arbeitspunkt wird im Falle dieser Kirchengeschichte von besonderer philologischer Herausforderung sein, da Xanthopoulos, wie eine grundlegende Untersuchung von Friedhelm Winkelmann (aufbauend auf den Ergebnissen von Günter Gentz) gezeigt hat, verschiedene Ausleseverfahren in divergierenden Quellenüberlieferungen anwandte. Xanthopoulos` Grundprinzip ist eine Quellenadaption entsprechend der offiziellen Lehre der orthodoxen Kirche (um ca. 1300), sprachlich bedient er sich bei (auch handschriftlich nachweisbaren) Quellenvorlagen der Paraphrase mit morphologischer Anlehnung an das vorgegebene Vokabular, doch mit typisch byzantinischer Variatio (minima). Eigenständigkeit zeigt sich vornehmlich in denjenigen Partien, die seinem persönlichen Interesse gelten, d.h. der Liturgie und der Hagiographie. Das Projekt zielt neben der Edition weiters auf ein Networking zur Vermittlung und zum Austausch von wissenschaftlichen Informationen zu Person und Arbeitsweise des Xanthopoulos. Dazu sind nicht nur Treffen mit dem deutschen Kooperationspartner Prof. Berger geplant, sondern ab dem zweiten Projektjahr sollen die Ergebnisse in drei spezifischen Workshops bzw. Symposien präsentiert und diskutiert werden; zudem soll diese Forschung hierbei in ein breiteres wissenschaftlich Umfeld einer historisch-kulturgeschichtlichen Betrachtungen gestellt werden. Schließlich soll im Rahmen des Projektes die Methode einer paläographischen Prosopographie zur sozial-prosopographischen Einordnung des Mitarbeiterkreises um Xanthopoulos zur Anwendung kommen.
- Albrecht Berger, Ludwig-Maximilians-Universität München - Deutschland