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Beta-Tubuline in neuronaler Migration und Krankheit

The beta-tubulins in neuronal migration and disease

David A. Keays (ORCID: 0000-0002-8343-8002)
  • Grant-DOI 10.55776/P21092
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.07.2009
  • Projektende 30.06.2013
  • Bewilligungssumme 295.838 €

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (50%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (50%)

Keywords

    Neuroscience, Neuronal Migration, Tubulin, Knock In Mice, Lissencephaly, Genetics

Abstract Endbericht

Die Entwicklung des menschlichen Gehirns ist ein biologisches Phänomen. Ausgestattet lediglich mit der im Genom enkodierten Information, entsteht das Hirn aus einer dünnen Schicht von neuronalen Vorlaeuferzellen , welche anschliessend proliferieren, differenzieren und migrieren. Die Migration dieser neuronalen Zellen ist ein präziser Prozess, aus dem sich letztlich das Nervensystem mit einer Anzahl laminarer Strukturen entwickelt. Der Kortex zum Beispiel hat sechs eindeutig definierte Schichten, die sich in ihrer Zellzusammensetzung unterscheiden. Ererbte oder erworbene Mutationen, welche die Migrationsfähigkeit von Nervenzellen stören, führen zu schweren Stoerungen der Hirnentwicklung beim Menschen. . Lissenzephalie, was soviel bedeutet wie "glattes Hirn", ist ein Beispiel einer solchen Krankheit. Patienten, die an Lissenzephalie leiden, haben einen Kortex, der nur aus vier Schichten besteht und dem die charakteristischen Sulci und Gyri fehlen. Dies führt zu geistiger Behinderung, die oft mit Epilepsie einhergeht (Dobyns und Truwit, 1995). Lissenzephalie ist eine seltene Krankheit, jedoch werden Stoerungen der neuronalen Migration auch mit häufiger auftretenden Krankheiten in Verbindung gebracht, insbesondere mit Epilepsie und Legasthenie (Farrell, 1992). Um solche Krankheiten effektiv behandeln zu können, müssen wir zunächst ihre Ursprünge verstehen, und dazu wiederum ein Verständnis für die molekularen Mechanismen der Zellmigration entwickeln. Genetischen Studien in Mäusen und Menschen spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie haben Forschern geholfen ein Model zu erarbeiten, welches davon ausgeht, daß Zellkernmigration eine Schlüsselkomponente neuronaler Migration ist, und daß beide Vorgänge von der Dynamik der Proteinfasern des Zytoskeletts abhängig sind. Dies konnte ich auch mit meiner neuen Entdeckung aufzeigen, daß Mutationen im a-Tubulin (TUBA1A) Gen, welches fuer ein Protein des Zytoskeletts kodiert, zu neuronalen Migrationsdefekten in Mäusen und zu Lissenzephalie in Menschen führen können (Keays et al. 2007). Meine Bewerbung konzentriert sich auf die Bindungspartner von TUBA1A und von ß- Tubulinen, und auf deren Rolle in neuronaler Migration und Krankheit. Wir haben eine Probestudie durchgeführt, die zeigt, daß auch Mutationen von ß-Tubulinen zu neuronalen Migrationsdefekten in Menschen führen können. Wir möchten diese Studie in einer größeren Patientengruppe mit kortikalen Mißbildungen wiederholen und alle ß- Tubuline im Zentralnervensystem sequenzieren. Nachdem wir so die Patienten mit Mutationen identifiziert haben, können wir ein Verständnis für die Funktion dieser Mutationen entwickeln, indem wir funktionelle Studien druchführen, die sich auf Tubulinfaltung und die Interaktion zwischen ß- und ß-Tubulinen konzentrieren. Diese in vitro Studien sollen mit der Generierung von "knock-in" Mausmodellen ergänzt werden, welche die im Menschen gefundenen Mutationen reproduzieren. Umfassende Verhaltens-, Anatomie- und Zellstudien dieser Mäuse werden uns erlauben die Rolle von ß-Tubulinen in neuronaler Migration und Krankheit zu verstehen.

Ungefähr eines von zehntausend Kindern wird mit einem anormal kleinen Kopf geboren. Der Grund für diese Erkrankung, Mikrozephalie, ist eine defekte Entwicklung des embryonalen Gehirns. Mikrozephalie-Kinder leiden an geistiger Retardierung und einer verkürzten Lebenserwartung. Mehrere Gene wurden mit dieser Erkrankung in Verbindung gebracht. Beispiele sind ASPM, CDK5RAP2 und MICROCEPHALIN.Die Arbeitsgruppe um Dr. David Keays am Institut für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien hat ein neues Gen identifiziert, welches Mikrozephalie verursacht: TUBB5. Es gehört zu einer Gruppe von Genen, die dafür verantwortlich sind, Tubuline zu produzieren, die Bausteine für das interne Skelett einer Zelle. Immer dann, wenn eine Zelle sich bewegt oder teilt, benötigt sie diese Struktur, die als ein internes Gerüst dient.Die Forscher am IMP, in Zusammenarbeit mit einer Arbeitsgruppe an der Monash University in Melbourne, Australien, konnten die Funktion des TUBB5-Proteins in dem Gehirn von Mäusen beeinträchtigen. Dies führte zu Defekten in der Stammzellpopulation und der Migration von Nervenzellen. Beides, die Generierung einer großen Zahl von Neuronen aus dem Stammzell-Reservoir, sowie ihre korrekte Positionierung im Cortex, sind essentiell für die Entwicklung eines Säugetiergehirns. Um zu testen, ob diese Erkenntnisse auf den Menschen übertragbar sind, arbeiteten die Forscher um David Keays auch mit Klinikern des Institut Cochin in Paris zusammen. Das französische Team, unter der Aufsicht von Jamel Chelly, untersuchte Patienten mit pathologisch veränderter Gehirnstruktur und schwerer geistiger Behinderung. Drei dieser untersuchten Kinder hatten in der Tat eine Mutation im TUBB5-Gen. Die Entdeckung solcher Zusammenhänge ist wertvoll für die genetische Beratung der Familien solcher Patienten. Sie gibt wertvolle Anleitung für Entscheidungen der weiteren Familienplanung und wird uns möglicherweise eines Tages helfen Therapien für solche Erkrankungen zu finden.

Forschungsstätte(n)
  • Institut für Molekulare Pathologie - IMP - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Jamel Chelly, Institut Cochin - Frankreich
  • Nicholas J. Cowan, New York University School of Medicine - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 469 Zitationen
  • 13 Publikationen
Publikationen
  • 2011
    Titel Exome sequencing can detect pathogenic mosaic mutations present at low allele frequencies
    DOI 10.1038/jhg.2011.128
    Typ Journal Article
    Autor Pagnamenta A
    Journal Journal of Human Genetics
    Seiten 70-72
    Link Publikation
  • 2010
    Titel The Role of Tuba1a in Adult Hippocampal Neurogenesis and the Formation of the Dentate Gyrus
    DOI 10.1159/000319663
    Typ Journal Article
    Autor Keays D
    Journal Developmental Neuroscience
    Seiten 268-277
    Link Publikation
  • 2010
    Titel Tuba8 Is Expressed at Low Levels in the Developing Mouse and Human Brain
    DOI 10.1016/j.ajhg.2010.03.019
    Typ Journal Article
    Autor Braun A
    Journal The American Journal of Human Genetics
    Seiten 819-822
    Link Publikation
  • 2010
    Titel Response to Braun et al.
    DOI 10.1016/j.ajhg.2010.03.020
    Typ Journal Article
    Autor Sheridan E
    Journal The American Journal of Human Genetics
    Seiten 822-823
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Mutations in the murine homologue of TUBB5 cause microcephaly by perturbing cell cycle progression and inducing p53-associated apoptosis
    DOI 10.1242/dev.131516
    Typ Journal Article
    Autor Breuss M
    Journal Development
    Seiten 1126-1133
    Link Publikation
  • 2015
    Titel The expression of tubb2b undergoes a developmental transition in murine cortical neurons
    DOI 10.1002/cne.23836
    Typ Journal Article
    Autor Breuss M
    Journal Journal of Comparative Neurology
    Seiten 2161-2186
  • 2017
    Titel Brain-specific knockin of the pathogenic Tubb5 E401K allele causes defects in motor coordination and prepulse inhibition
    DOI 10.1016/j.bbr.2017.01.029
    Typ Journal Article
    Autor Breuss M
    Journal Behavioural Brain Research
    Seiten 47-55
    Link Publikation
  • 2015
    Titel The expression of tubb2b undergoes a developmental transition in murine cortical neurons
    DOI 10.1002/cne.23881
    Typ Journal Article
    Autor Breuss M
    Journal Journal of Comparative Neurology
  • 2018
    Titel Mutations in MAST1 Cause Mega-Corpus-Callosum Syndrome with Cerebellar Hypoplasia and Cortical Malformations
    DOI 10.1016/j.neuron.2018.10.044
    Typ Journal Article
    Autor Tripathy R
    Journal Neuron
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Mutations in the ß-Tubulin Gene TUBB5 Cause Microcephaly with Structural Brain Abnormalities
    DOI 10.1016/j.celrep.2012.11.017
    Typ Journal Article
    Autor Breuss M
    Journal Cell Reports
    Seiten 1554-1562
    Link Publikation
  • 2012
    Titel A novel nonsense CDK5RAP2 mutation in a Somali child with primary microcephaly and sensorineural hearing loss
    DOI 10.1002/ajmg.a.35558
    Typ Journal Article
    Autor Pagnamenta A
    Journal American Journal of Medical Genetics Part A
    Seiten 2577-2582
    Link Publikation
  • 2014
    Titel TUBB5 and its disease-associated mutations influence the terminal differentiation and dendritic spine densities of cerebral cortical neurons
    DOI 10.1093/hmg/ddu238
    Typ Journal Article
    Autor Ngo L
    Journal Human Molecular Genetics
    Seiten 5147-5158
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Cytoarchitectural disruption of the superior colliculus and an enlarged acoustic startle response in the Tuba1a mutant mouse
    DOI 10.1016/j.neuroscience.2011.08.035
    Typ Journal Article
    Autor Edwards A
    Journal Neuroscience
    Seiten 191-200
    Link Publikation

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