Befestigte Siedlungen des 9.-10. Jahrhunderts in Mitteleuropa
Fortified Settlements in Central Europe, 9-10th Centuries AD
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
-
Early Middle Ages,
Central Europa,
Settlement Archaeology,
Hillfort,
Gars-Thunau,
Curtis
Das vorliegende Projekt beschäftigt sich mit den befestigten Siedlungen des 9.-10. Jahrhunderts, die den frühmittelalterlichen gesellschaftlichen Eliten Mitteleuropas als Sitze dienten. Gesellschaftliche Eliten werden in diesem Zusammenhang als Personen oder Personengruppen verstanden, welche aufgrund ihrer sozialen Stellung Macht, Einfluss und Mittel besaßen, um überregional wirksam agieren zu können. Ihre Sitze, die befestigten Siedlungen, genießen im Vergleich zu den Gräberfeldern in der Frühmittelalterarchäologie Mitteleuropas weniger Aufmerksamkeit. Dies liegt auch darin begründet, dass die Aufarbeitung der meist jahrzehntelangen Ausgrabungen von befestigten Siedlungen eine nicht geringe Herausforderung darstellt. Ziel des vorliegenden Projektes ist es, aufzuzeigen, dass eine Bearbeitung der Grabungen an diesen Fundstellen mit interdisziplinären Methoden möglich und sinnvoll ist. Anhand der Ergebnisse der Bearbeitung sind weitreichende und auf anderem Wege nicht erzielbare Informationen für das Studium des Frühmittelalters in Mitteleuropa zu gewinnen. Im ersten Teil des vorliegenden Projektes werden, als Fallbeispiel für einen archäologisch erfassten Sitz der frühmittelalterlichen Eliten Mitteleuropas, Ausgrabungen der befestigten Siedlung von Gars-Thunau (Niederösterreich) bearbeitet. Die Ausgrabungen in Gars-Thunau (1965-2003) stellen ein Prestigeprojekt des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien dar und sind das größte archäologische Unternehmen der Ur- und Frühgeschichtsforschung Österreichs. Die Lage der Fundstelle im Osten des Ostfrankenreiches, im Grenzsaum zu Böhmen und Mähren bietet besonders für die Erforschung interkultureller Beziehungen hervorragende Möglichkeiten. Aus verschiedenen Gründen konnte mit einer umfassenden Aufarbeitung der frühmittelalterlichen Befunde und Funde erst nach dem Abschluss der Grabungen im Jahr 2003 begonnen werden. Im vorliegenden Projekt wird die Bearbeitung von Baubefunden, von Kleinfunden sowie von Keramikfunden durchgeführt. Letztere werden neben den archäologischen Analysen auch mit archäometrischen Methoden ausgewertet. Vorhandene Holzproben werden dendrochronologisch sowie mit 14C Analysen untersucht. Durch das vorliegende Projekt bietet sich erstmals seit dem Anfang der Ausgrabungen im Jahre 1965 die Möglichkeit, den Beitrag von Gars-Thunau zur Frühmittelalterforschung monographisch vorzulegen. Im zweiten Teil des Projektes werden die Untersuchungsergebnisse von Gars-Thunau in ihr mitteleuropäisches Umfeld integriert. Die bisherigen Forschungen der Antragstellerin zu Gars-Thunau werden zusammengefasst und unter anderem mit ihren bereits erfolgten vergleichenden Analysen am keramischen Fundmaterial ähnlicher Zentren (Zalavar/Mosaburg, Mikulcice, Breclav-Pohansko, Uherske-Hradiste) zusammengeführt. Aus diesen Untersuchungsergebnissen, durch ein umfassendes Studium der Fachliteratur sowie durch die Konsultation internationaler Kooperationspartner wird eine Synthese formuliert. Das Ziel dieser Synthese ist es, Fragen zur Lebensweise und zu den wirtschaftlichen und kulturellen Netzwerken der frühmittelalterlichen Eliten Mitteleuropas zu beantworten.
Im Projekt wurden befestigte Siedlungen des 9. und 10. Jahrhunderts aus Mitteleuropa untersucht, eine Region die sich im Grenzbereich Karolingischer und Byzantinischer Interessengebiete befand. Ein wichtiger Aspekt des Projekts war es, über die Darstellung dieser Periode in der archäologischen Forschung der heutigen Nationalstaaten zu reflektieren, und mögliche Interpretationsszenarien zu entwickeln, die für die gesamte mitteleuropäische Region gültig sind. Der Ausgangspunkt des Projekts war die Bearbeitung von Ausgrabungen von der Fundstelle Gars-Thunau in Niederösterreich. Diese groß angelegten Ausgrabungen, die über fast vier Jahrzehnte gedauert haben, stellen ein Prestigeprojekt des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien dar. Die Ergebnisse von Gars-Thunau wurden in der zweiten Projektphase in ihren weiteren Europäischen Kontext integriert. Projektergebnisse wurden bisher in Aufsätzen veröffentlicht, die in peer-reviewed Zeitschriften sowie in einem Sammelband erschienen sind, unter anderem in der Zeitschrift Medieval Archaeology (Fortified Settlements of the 9th and 10th Centuries AD in Central Europe: Structure, Function and Symbolism, 56, 2012, 60-84). Die monographische Publikation aller Projektergebnisse befindet sich zurzeit in Vorbereitung. Der Zeitplan des Projekts wurde modifiziert, weil der Projektleiterin ein Humboldt Forschungsstipendium für erfahrene Wissenschaftler durch die Alexander von Humboldt Stiftung zuerkannt wurde. Sie verbrachte dieses Stipendium an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg (D) und an der University of Oxford (GB). Das Thema des 18-monatigen Forschungsstipendiums war Wirtschaft, Identitäten und Herrschaftsstrukturen im Fränkischen Reich und in seinen Nachfolgestaaten im 9.-10. Jahrhundert als Grundlage für die Analyse ihrer südöstlichen Grenzregion. Das Projekt beim FWF pausierte für die Dauer des Humboldt Aufenthaltes von Oktober 2010 bis März 2012. Das Humboldt Stipendium brachte neue Perspektiven und neue Kooperationsmöglichkeiten für das FWF Projekt Projektergebnisse wurden von der Projektleiterin in zahlreichen eingeladenen Vorträgen sowie bei Konferenzen präsentiert. Eine Auswahl: International Medieval Congress, Leeds (GB, 2011, 2013), Medieval Archaeology Seminar, University of Oxford (GB, 2012), Medieval History Seminar, All Souls College, Oxford (GB, 2013), Medieval Research Seminar, University of Exeter (GB, 2013), Institut für Archäologische Wissenschaften, Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg (D, 2011), Institut für Archäologische Wissenschaften, J. W. Goethe Universität, Frankfurt/Main (D, 2009), Geisteswissenschaftliches Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas, Universität Leipzig (D, 2009), International Medieval Congress, Kalamazoo (USA, 2010), Medieval Institute, University of Notre Dame (USA, 2010), Institute for European and Mediterranean Archaeology, University of Buffalo (USA, 2010), European Association of Archaeologists Annual Meeting (Plzen, CZ, 2013).
- Universität Wien - 100%
- Hans Losert, Otto-Friedrich Universität Bamberg - Deutschland
- Vincent Serneels, Universität Freiburg - Schweiz
- Gabriel Fusek, Sonstige Forschungs- oder Entwicklungseinrichtungen - Slowakei
- Benjamin Stular, Research Centre of the Slovenian Academy of Sciences and Arts - Slowenien
- Andrej Pleterski, Sonstige Forschungs- oder Entwicklungseinrichtungen - Slowenien
- Jan Klapste, Karlsuniversität Prag - Tschechien
- Jiri Machacek, Masarykova Univerzita - Tschechien
- Lumir Polacek, Sonstige Forschungs- oder Entwicklungseinrichtungen - Tschechien
- Bela Mikos Szöke, Ung. Akademie der Wissenschaften - Ungarn
Research Output
- 15 Zitationen
- 4 Publikationen
-
2010
Titel The Ceramic 'Tableware' of the Carolingian Period in Zalavr, South-West Hungary, Antaeus. Typ Journal Article Autor Herold H Journal Communicationes ex Instituto Archaeologico Academiae Scientiarum Hungariae, Budapest -
2016
Titel The Natural Environment, Anthropogenic Influences and Supra-Regional Contacts at 9th- to 10th-Century Fortified Elite Settlements in Central Europe. Typ Book Chapter Autor Fortified Settlements In Early Medieval Europe: Defended Communities Of The 8Th-10Th Centuries. -
2012
Titel Fortified Settlements of the 9th and 10th Centuries ad in Central Europe: Structure, Function and Symbolism DOI 10.1179/0076609712z.0000000003 Typ Journal Article Autor Herold H Journal Medieval Archaeology Seiten 60-84 Link Publikation -
2011
Titel The Fortified Hilltop Site of Gars-Thunau and the Settlements of the 9th and 10th Centuries AD in Lower Austria. Typ Book Chapter Autor Herold H