Die Besatzung der Ukraine durch die Mittelmächte 1918
The 1918 Occupation of the Ukraine by the Central Powers
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
-
First World War,
Russian Revolution,
Russian Civil War,
Central Powers,
Entente,
Occupation
Zwischen Mitte Februar und Anfang November 1918 besetzten die Mittelmächte die Ukraine. Nachdem sie mit der jungen Ukrainischen Volksrepublik - die sich Ende Jänner 1918 für unabhängig erklärt hat - den ersten Friedensvertrag von Brest-Litowsk geschlossen hatten, rief die von den Bolševiki bedrängte Rada-Regierung in Kiew die neuen Bündnispartner zu Hilfe. Diese kamen vor allem um sich die in Brest-Litowsk versprochenen Lebensmittellieferungen für ihre hungernde Bevölkerung zu sichern. Außerdem sollten durch eine Stärkung der eigenen Interessensgebiete - wie das deutsche "Ober Ost" - im Westen des ehemaligen zarischen Russland die Bol ševiki in Moskau geschwächt werden. Die Strategie ging nur teilweise auf: Sowjetrussland wurde zwar von seinen Lebensmittellieferungen und den wichtigen industriellen Regionen der Ostukraine abgeschnitten, die bürgerkriegsähnlichen Zustände konnten aber nie richtig beruhigt werden. So verwickelten sich die Mittelmächte in einen brutalen Bandenkrieg, sie wurden damit Teil des Russischen Bürgerkrieges. Im Sommer trat zwar durch einen Strategiewechsel in der Besatzungspolitik eine gewisse Beruhigung ein, doch standen lokale Aufstände weiterhin auf der Tagesordnung. Die rasche Entmachtung des vom Deutschen Reich abhängigen Hetmanat, unter Pavlo Skoropadskyj, nach dem Abzug der Mittelmächte zeigte die Schwäche des von den Mittelmächten gestützten Regimes. So war die Besatzung der Ukraine für sie ein völliger Fehlschlag: Die in Aussicht genommene eine Million Tonnen Getreide konnte wegen der andauernden Unruhen nicht abgeschoben, aufgrund der Aufstände konnten nicht genug Truppen für andere Fronten abgezogen und die Ukraine konnte (vorerst) nicht aus Sowjetrussland herausgelöst werden. In dem Forschungsprojekt werden anhand des oben beschriebenen Themas mit einem eng kooperierenden internationalen Forschungsnetzwerk zahlreiche in der Wissenschaft noch wenig bearbeitet Fragestellungen der Geschichte Mittel- und Osteuropas zwischen 1917 und 1922 neu bearbeitet. Im Mittelpunkt stehen dabei Recherchen in osteuropäischen und russischen Archiven. Thematisch sollen die Besatzungsstruktur und -politik der Mittelmächte, sowie die genauen Abläufe und Zahlen der Exporte aus und der Importe in die Ukraine untersucht werden. Auch die innerukrainische Reaktion auf die Besatzung ist ein zentrales Untersuchungsthema: Wie reagierte die Bevölkerung, wie reagierten die russischen und ukrainischen Bolševiki auf die Besatzung? Gab es von letzteren konkrete Strategien zur Bekämpfung der Mittelmächte bzw. Wiedereroberung der Ukraine? Hatte diese erste internationale Intervention im Russischen Bürgerkrieg Auswirkungen auf die weitere Entwicklung dieses Konflikts? Wie reagierte die Entente auf die Erweiterung des Machtraumes der Mittelmächte in Osteuropa? Die Ergebnisse des zweijährigen Projektes sollen im Rahmen einer internationalen Konferenz in Form einer Publikation der Öffentlichkeit und der Scientific Community vorgestellt werden.
Zwischen Mitte Februar und Anfang November 1918 besetzten die Mittelmächte die Ukraine. Nachdem sie mit der jungen Ukrainischen Volksrepublik - die sich Ende Jänner 1918 für unabhängig erklärt hat - den ersten Friedensvertrag von Brest-Litowsk geschlossen hatten, rief die von den Bol`ševiki bedrängte Rada-Regierung in Kiew die neuen Bündnispartner zu Hilfe. Diese kamen vor allem um sich die in Brest-Litowsk versprochenen Lebensmittellieferungen für ihre hungernde Bevölkerung zu sichern. Außerdem sollten durch eine Stärkung der eigenen Interessensgebiete - wie das deutsche "Ober Ost" - im Westen des ehemaligen zarischen Russland die Bol`ševiki in Moskau geschwächt werden. Die Strategie ging nur teilweise auf: Sowjetrussland wurde zwar von seinen Lebensmittellieferungen und den wichtigen industriellen Regionen der Ostukraine abgeschnitten, die bürgerkriegsähnlichen Zustände konnten aber nie richtig beruhigt werden. So verwickelten sich die Mittelmächte in einen brutalen Bandenkrieg, sie wurden damit Teil des Russischen Bürgerkrieges. Im Sommer trat zwar durch einen Strategiewechsel in der Besatzungspolitik eine gewisse Beruhigung ein, doch standen lokale Aufstände weiterhin auf der Tagesordnung. Die rasche Entmachtung des vom Deutschen Reich abhängigen Het`manat, unter Pavlo Skoropad`skyj, nach dem Abzug der Mittelmächte zeigte die Schwäche des von den Mittelmächten gestützten Regimes. So war die Besatzung der Ukraine für sie ein völliger Fehlschlag: Die in Aussicht genommene eine Million Tonnen Getreide konnte wegen der andauernden Unruhen nicht abgeschoben, aufgrund der Aufstände konnten nicht genug Truppen für andere Fronten abgezogen und die Ukraine konnte (vorerst) nicht aus Sowjetrussland herausgelöst werden. In dem Forschungsprojekt werden anhand des oben beschriebenen Themas mit einem eng kooperierenden internationalen Forschungsnetzwerk zahlreiche in der Wissenschaft noch wenig bearbeitet Fragestellungen der Geschichte Mittel- und Osteuropas zwischen 1917 und 1922 neu bearbeitet. Im Mittelpunkt stehen dabei Recherchen in osteuropäischen und russischen Archiven. Thematisch sollen die Besatzungsstruktur und -politik der Mittelmächte, sowie die genauen Abläufe und Zahlen der Exporte aus und der Importe in die Ukraine untersucht werden. Auch die innerukrainische Reaktion auf die Besatzung ist ein zentrales Untersuchungsthema: Wie reagierte die Bevölkerung, wie reagierten die russischen und ukrainischen Bol`ševiki auf die Besatzung? Gab es von letzteren konkrete Strategien zur Bekämpfung der Mittelmächte bzw. Wiedereroberung der Ukraine? Hatte diese erste internationale Intervention im Russischen Bürgerkrieg Auswirkungen auf die weitere Entwicklung dieses Konflikts? Wie reagierte die Entente auf die Erweiterung des Machtraumes der Mittelmächte in Osteuropa? Die Ergebnisse des zweijährigen Projektes sollen im Rahmen einer internationalen Konferenz in Form einer Publikation der Öffentlichkeit und der Scientific Community vorgestellt werden.
- George-Henri Soutou, Université de Paris IV - Frankreich
- Alexei Miller, Russian Academy of Sciences - Russland