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Neue Thiosemikarbazon-Derivate als Krebstherapeutika

New thiosemicarbazone-based anticancer drugs

Walter Berger (ORCID: 0000-0003-0014-1658)
  • Grant-DOI 10.55776/P22072
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.01.2010
  • Projektende 31.12.2014
  • Bewilligungssumme 387.168 €

Wissenschaftsdisziplinen

Chemie (20%); Klinische Medizin (30%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (50%)

Keywords

    New thiosemicarbazones, Tumor targeting, Anticancer drugs, Ribonucleotide reductase, Metal complexes, Overcoming resistance

Abstract Endbericht

Chemotherapie stellt in all ihren unterschiedlichen Varianten immer noch die wichtigste Behandlungsoption für Patienten mit metastasierender Krebserkrankung dar. Da proliferierende Tumorzellen einen hohen Bedarf an Eisen haben, reagieren sie besonders empfindlich auf Eisenentzug. Um diese Abhängigkeit auszunutzen, wurden verschiedenste eisenbindende Substanzen, sogenannte Eisenchelatoren, als Krebstherapeutika entwickelt. Eine der wichtigsten Gruppen stellen dahingehend Thiosemikarbazone (TSC) dar. Ein Hauptangriffspunkt der Eisenchelatierung ist die Ribonukleotid-Reduktase, ein eisenhältiges Enzym, das essentiell an der DNA-Synthese beteiligt ist. Zusätzlich vermutet man, dass auch andere Mechanismen, wie zum Beispiel Hemmung der Topoisomerase II, zur zytotoxischen Wirkung von TSC beitragen. Das erfolgversprechendste TSC, 3- Aminopyridin-2-Carboxaldehyd-Thiosemikarbazon (Triapine), wird inzwischen in mehreren klinischen Studien getestet. Trotz erster vielversprechender Ergebnisse an fortgeschrittenen Leukämieerkrankungen, zeigte sich jedoch, dass Triapine gegen solide Tumore nur bedingt wirksam ist. Schon seit mehreren Jahren besteht eine dynamische, dankenswerterweise auch vom FWF geförderte Zusammenarbeit (z.B. L12, L568, P18123, P20897, P20683) zwischen dem Institut für Krebsforschung/Klinik für innere Medizin I (Medizinische Universität Wien) und dem Institut für Anorganische Chemie (Universität Wien) mit dem Ziel, neue (metallhältige) Zytostatika zu entwickeln. Der Erfolg dieser Kooperation führte kürzlich zur Bildung einer interuniversitären Plattform zum Thema "Translational Cancer Therapy Research". Ziel des hier eingereichten Projekts ist es, die Aufnahme und Wirksamkeit von Triapine in soliden Tumoren durch gezielte strukturelle Veränderungen im Molekül zu verbessern. Dazu werden mehrere Strategien verfolgt: 1) Es wird versucht durch Einfügen von diversen Methylgruppen die Zytotoxizität der TSC zu erhöhen. 2) Es soll durch Bindung der TSC an Kupfer die Wirksamkeit in sauerstoffarmem Tumorgewebe verstärkt. 3) Es soll durch das Einfügen von speziellen funktionellen Gruppen (Folsäure, Bisphosphonate, Ethacryn-Säure, Phenoxazine) in das TSC Molekül, die Spezifität, Akkumulation und Aktivität speziell gegen schwer therapierbare, chemoresistente Tumorentitäten gesteigert werden. Diese Ansätze werden eine Reihe von neuen TSC liefern. Aus der Palette der so gewonnenen TSC werden dann die vielversprechendsten Kandidaten hinsichtlich der ihrer krebshemmenden Wirkung zugrundeliegenden molekularen und zellbiologischen Mechanismen untersucht und charakterisiert. Ein Schwerpunkt wird hierbei auf dem Einfluss klinisch relevanter Resistenzfaktoren auf die TSC Wirksamkeit liegen. Schließlich werden die besten Verbindungen in SCID-Maus Xenograft-Modellen auf ihre in vivo Wirksamkeit gegen eine Auswahl humaner solider Tumoren untersucht. Zusammenfassend werden im Rahmen dieses Projekts eine Reihe von neuen, verbesserten TSC entwickelt, die helfen sollten, die Wirk- und Resistenzmechanismen von TSC besser zu verstehen, und auf dieser Basis die Aktivität von Triapine gegen schwer therapierbare, solide Tumore zu erhöhen.

Aufgrund ihres erhöhten Wachstums sind Krebszellen gegen DNA-Synthese schädigende Substanzen besonders sensitiv. Auf der Basis ihrer antimetabolischen Wirkung, stellen Thiosemicarbazone eine Klasse vielversprechenden Krebstherapeutika dar. Das am besten untersuchte Thiosemicarbazon Triapin hat eine besonders starke Hemmwirkung gegen das Enzym Ribonukleotid-Reduktase, das essentiell an der DNA Synthese beteiligt ist. Trotz einer guten Wirksamkeit gegen Leukämie, waren die klinischen Studien mit Triapin in soliden Tumoren durchwegs enttäuschen. Dieses Projekt hatte daher zum Ziel, Ursachen für diese Triapin-Unwirksamkeit zu erforschen und neue Strategien zu einer verbesserten Nutzbarkeit von Thiosemicarbazonen in der Krebstherapie zu entwickeln. Schwerpunkte bildeten 1) ein besseres Verständnis der Wirkmechanismen; 2) die Synthese neuer Derivative mit erhöhter Aktivität und gezielter Anreicherung im Tumorgewebe; 3) die Aufklärung der beteiligten Resistenzmechanismen in soliden Tumoren und - basierend auf dem gewonnenen Wissen die Entwicklung von Umgehungsstrategien. Im Verlauf des Projekts konnten alle diese Forschungsziele bearbeitet und interessante neue Einsichten in die Wirkungsweise von Thiosemicarbazonen gewonnen werden. So konnten wir zwei Hauptgründe für das Therapieversagen mit Triapine entschlüsseln: 1) eine extrem schnelle Metabolisierung im Organismus und 2) der Induktion einer breiten Therapieresistenz auf Basis der massiven Aktivierung von Efflux-Pumpen und von zellulären Überlebenssignalwegen. Diese Erkenntnisse dienen derzeit als Grundlage zur Entwicklung neuer Behandlungsstrategien mit innovativen Substanzkombinationen. Weiters wurden im Projekt eine Vielzahl neuer Thiosemicarbazon-Derivative synthetisiert und umfassend charakterisiert. Dazu zählen Metallkomplexe und Verbindungen mit gezielter Krebsanreicherung über funktionelle Gruppen. Während sich einige Strategien als nicht zielführend entpuppten (Biotin-Derivative, Komplexe mit resistenz-revertierenden Gruppen) zeigten andere hohes Potential. So führten verschiedene Methylierungen des Thisemocarbazonkerns zur deutlich höheren Wirksamkeit und veränderten Resistenzprofilen. Kupfer- und Eisenkomplexe sowie knochenaffine Derivative zeigten interessante krebshemmende Wirkungen und werden derzeit weiter untersucht. Das Projekt führte somit erfolgreich zu neuen Ansätzen in der Verwendung von Thiosemicarbazonen in der Krebstherapie. Ein PhD Student und eine Diplomstudentin habe erfolgreich ihre Thesen im Projekt durchgeführt, während die beiden beteiligten Post Docs ihre Karrieren vorantrieben (eine fixe Stelle, eine Habilitation). Der Projektleiter wurde auf einen Lehrstuhl an der Medizinischen Universität Wien berufen. Weiters hat das Projekt entscheiden die permanente Einrichtung einer interdisziplinären Forschungsplattform für Experimentelle Krebstherapie zwischen der Medizinischen Universität und der Universität Wien gefördert.

Forschungsstätte(n)
  • Medizinische Universität Wien - 52%
  • Universität Wien - 48%
Nationale Projektbeteiligte
  • Bernhard Klaus Keppler, Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in

Research Output

  • 1061 Zitationen
  • 16 Publikationen
Publikationen
  • 2018
    Titel The thiosemicarbazone Me2NNMe2 induces paraptosis by disrupting the ER thiol redox homeostasis based on protein disulfide isomerase inhibition
    DOI 10.1038/s41419-018-1102-z
    Typ Journal Article
    Autor Hager S
    Journal Cell Death & Disease
    Seiten 1052
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Impact of terminal dimethylation on the resistance profile of a-N-heterocyclic thiosemicarbazones
    DOI 10.1016/j.bcp.2012.03.004
    Typ Journal Article
    Autor Heffeter P
    Journal Biochemical Pharmacology
    Seiten 1623-1633
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Vanadium(IV/V) complexes of Triapine and related thiosemicarbazones: Synthesis, solution equilibrium and bioactivity
    DOI 10.1016/j.jinorgbio.2015.08.023
    Typ Journal Article
    Autor Kowol C
    Journal Journal of Inorganic Biochemistry
    Seiten 62-73
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Differences in protein binding and excretion of Triapine and its Fe(III) complex
    DOI 10.1016/j.jinorgbio.2015.10.006
    Typ Journal Article
    Autor Pelivan K
    Journal Journal of Inorganic Biochemistry
    Seiten 61-69
  • 2015
    Titel Triapine-mediated ABCB1 induction via PKC induces widespread therapy unresponsiveness but is not underlying acquired triapine resistance
    DOI 10.1016/j.canlet.2015.02.049
    Typ Journal Article
    Autor Miklos W
    Journal Cancer Letters
    Seiten 112-120
  • 2015
    Titel The role of ABCB1 in the resistance against triapine and impact on other chemotherapeutics.
    Typ Journal Article
    Autor Heffeter P Et Al
  • 2016
    Titel Impact of Stepwise NH2-Methylation of Triapine on the Physicochemical Properties, Anticancer Activity, and Resistance Circumvention
    DOI 10.1021/acs.jmedchem.6b00342
    Typ Journal Article
    Autor Kowol C
    Journal Journal of Medicinal Chemistry
    Seiten 6739-6752
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Loss of phosphodiesterase 4D mediates acquired triapine resistance via Epac-Rap1-Integrin signaling
    DOI 10.18632/oncotarget.11821
    Typ Journal Article
    Autor Miklos W
    Journal Oncotarget
    Seiten 84556-84574
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Nanoformulations of anticancer thiosemicarbazones to reduce methemoglobin formation and improve anticancer activity
    DOI 10.1039/c6ra07659a
    Typ Journal Article
    Autor Fischer B
    Journal RSC Advances
    Seiten 55848-55859
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Triapine induces ER stress which is enhanced by dimethylation of the drug.
    Typ Journal Article
    Autor Keppler Bk Et Al
  • 2012
    Titel Complex-Formation Ability of Salicylaldehyde Thiosemicarbazone towards ZnII, CuII, FeII, FeIII and GaIII Ions
    DOI 10.1002/ejic.201200360
    Typ Journal Article
    Autor Enyedy É
    Journal European Journal of Inorganic Chemistry
    Seiten 4036-4047
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Triapine and a More Potent Dimethyl Derivative Induce Endoplasmic Reticulum Stress in Cancer Cells
    DOI 10.1124/mol.113.090605
    Typ Journal Article
    Autor Trondl R
    Journal Molecular Pharmacology
    Seiten 451-459
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Ribonucleotide reductase inhibition by metal complexes of Triapine (3-aminopyridine-2-carboxaldehyde thiosemicarbazone): A combined experimental and theoretical study
    DOI 10.1016/j.jinorgbio.2011.07.003
    Typ Journal Article
    Autor Popovic-Bijelic A
    Journal Journal of Inorganic Biochemistry
    Seiten 1422-1431
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Interaction of Triapine and related thiosemicarbazones with iron( iii )/( ii ) and gallium( iii ): a comparative solution equilibrium study
    DOI 10.1039/c0dt01835j
    Typ Journal Article
    Autor Enyedy É
    Journal Dalton Transactions
    Seiten 5895-5905
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Anticancer Activity of Metal Complexes: Involvement of Redox Processes
    DOI 10.1089/ars.2010.3663
    Typ Journal Article
    Autor Jungwirth U
    Journal Antioxidants & Redox Signaling
    Seiten 1085-1127
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Mechanisms underlying reductant-induced reactive oxygen species formation by anticancer copper(II) compounds
    DOI 10.1007/s00775-011-0864-x
    Typ Journal Article
    Autor Kowol C
    Journal JBIC Journal of Biological Inorganic Chemistry
    Seiten 409-423
    Link Publikation

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