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Die Hafen-Nekropole von Ephesos

The Harbour Necropolis of Ephesus

Martin Steskal (ORCID: 0000-0002-2964-3953)
  • Grant-DOI 10.55776/P22083
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.01.2010
  • Projektende 31.12.2014
  • Bewilligungssumme 282.434 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Bauwesen (5%); Geowissenschaften (10%); Geschichte, Archäologie (85%)

Keywords

    Necropolis, Ephesus, Burial, Tomb, Archaeology, Antiquity

Abstract Endbericht

Während die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Nekropolen antiker Städte seit jeher ein vorrangiges Forschungsziel auf den unterschiedlichen Ausgrabungsplätzen darstellte, ist die systematische Erforschung der Nekropolen von Ephesos nach wie vor ein Desiderat. Unser aktueller Wissensstand beruht in erster Linie auf oberflächlichen Beobachtungen, die großteils in das 19. Jahrhundert zurückreichen, auf Rettungsgrabungen im Zuge von Baumaßnahmen oder von Sarkophag-Bergungen nach Raubgrabungen. Lediglich in den Nekropolen entlang der Damianosstoa und auf der Oberen Agora bzw. im Areal von Kirchen wurden bis dato punktuelle Untersuchungen vorgenommen, die unsere Kenntnis der ephesichen Bestattungssitten erweiterten. Zudem werden die in Ephesos gefundenen Sarkophage zur Zeit einer kunsthistorischen Analyse unterzogen, die weitreichende Ergebnisse erwarten lässt. Seit dem Jahr 2005 hat der Antragsteller insgesamt drei Grabungen im Bereich der nahezu unerforschten Nekropole am Hafenkanal vorgenommen. Diese Arbeiten waren nötig, da in diesem entlegenen Areal fernab von den Touristenströmen immer wieder Raubgrabungen vorgenommen wurden. Diese illegalen Eingriffe führten bereits zu erheblichen Beschädigungen und einem großen Informationsverlust. Es war daher der ausdrückliche Wunsch des Ministeriums für Kultur und Tourismus in Ankara, aber auch der Grabungsleitung von Ephesos, systematische archäologische Untersuchungen in dieser Nekropole zu beginnen, um ihre Ausdehnung, ihre historische Entwicklung, ihren Aufbau und ihr Aussehen nach modernen wissenschaftlichen Kriterien zu erforschen. Diese erste systematische Erforschung einer ephesischen Nekropole wird durch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Wissenschaftern aus den Bereichen Archäologie, Altertumskunde, Geophysik, Geoarchäologie und Anthropologie nicht nur die Chronologie, die topographische Einbindung, das Aussehen und den architektonischen Aufbau dieser Nekropole beleuchten, sondern auch grundsätzliche Themen wie Bestattungssitten und -riten sowie die Sozialstruktur der Bevölkerung der Hauptstadt der römsichen Provinz Asia diskutieren. Das geplante Projekt konzentriert sich auf ein nahezu unerforschtes Gebiet von Ephesos, in dem noch viele grundsätzliche Fragen zu Topographie, Chronologie und Nutzungsgeschichte ungelöst sind. Die Ergebnisse dieser Arbeiten werden unser Wissen in diesen Fragen entscheidend bereichern und sind daher als wesentlicher Beitrag zum Verständnis kultur-, sozial- und bauhistorischer Prozesse innerhalb der römischen Provinzen zu bewerten.

Ausgehend vom größten Bestattungsareal von Ephesos, der westlich der Stadt gelegenen Hafennekropole, wurde im Rahmen des FWF-Projektes ein Konzept zur vollständigen Erfassung der ephesischen Nekropolenlandschaft quer durch die Jahrhunderte entwickelt. Thematisch sollte das Kernthema Tod in der Antike in all seinen Facetten und ohne chronologische Einschränkung erfasst werden. Folgende Aspekte standen dabei im Mittelpunkt des Forschungsinteresses: Ausdehnung der Nekropolen, Nutzungsgeschichte der Nekropolen, Typologie der Grabarchitekturen, Genese der Grabhaus-Typen, strukturelle Organisation der Nekropolen, Inszenierung des Todes, rituelles Verhalten, Bevölkerung und Sozialstruktur sowie Gesundheitszustand, Lebenserwartung, Todesursachen, Familienzusammengehörigkeit und Herkunft der Ephesier. Zur Klärung unserer Fragen kam ein Methodenmix aus den Bereichen Klassische Archäologie, Epigraphik, Numismatik, Geoarchäologie, Geophysik, Archäozoologie, Anthropologie, Biochemie und Genetik zur Anwendung. Die beste Evidenz für konzentrierte Bestattungsareale bot die römische Zeit. So können wir heute für Ephesos von zumindest 90 ha dicht bebauter Nekropolenflächen mit mehr als 1200 Grabkomplexen ausgehen. Die Grabkomplexe wurden von der Kaiserzeit bis weit in die Spätantike genutzt und dabei immer wieder neu belegt. Betrachtet man die im Durchschnitt 8 m großen Grabhäuser (zumeist Familiengräber), so fällt ihre Gleichartigkeit auf. Sie unterscheiden sich kaum hinsichtlich Größe, architektonischem Aufbau und äußerer Erscheinung. Der soziale Rang einer Person oder die Bilanz eines Lebens ließen sich bei dieser gleichgeschalteten Architektur nur noch bedingt deklarieren. Es war offenbar der erhebliche Aufwand um die Aufbahrung, den Leichenzug und die Totenfeiern, der den Status einer Person in der Gesellschaft bestimmte. Ein Ziel unserer Nekropolenforschungen war es, die soziale Struktur der ephesischen Gesellschaft besser zu verstehen sowie Fragen nach dem antiken Menschen und seinem Lebensumfeld zu beantworten. In Zusammenarbeit mit der biologischen Anthropologie (Analyse der menschlichen Überreste), Genetik und Biochemie (DNA- und Isotopenanalysen) wurden dabei wichtige Einblicke in die Lebensbedingungen der römischen Kaiserzeit gewonnen. So konnte die durchschnittliche Lebenserwartung der Erwachsenen mit fast 40 Jahren bestimmt werden; zugleich wurden individuelle Krankheitsbiographien der Ephesier erstellt. Ernährungsprofile zeigten ein eklatantes Überwiegen terrestrischer, tierischer Nahrung gegenüber pflanzlicher Nahrung und der Ausbeutung des Meeres. Die erzielten Ergebnisse wurden in einen chronologisch wie topographisch breiten Kontext gestellt und gehen somit weit über den Befund Ephesos hinaus.

Forschungsstätte(n)
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 100%

Research Output

  • 89 Zitationen
  • 15 Publikationen
Publikationen
  • 2018
    Titel Ephesos, the Metropolis of Roman Asia - a City at the Crossroads of East and West, in: G. Krist - L. Zhang (eds.), Archaeology and Conservation along the Silk Road, Konservierungswissenschaft, Restaurierung, Technologie 16 (Wien 2018) 123-134.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Bjørnstad G
    Konferenz 2nd Silk Road Conference
  • 2017
    Titel Reflections on the mortuary landscape of Ephesus: The archaeology of death in a Roman metropolis, in: J. R. Brandt - E. Hagelberg - G. Bjørnstad - S. Ahrens (eds.), Life and death in Asia Minor in Hellenistic, Roman, and Byzantine times. Studies in Archaeology and Bioarchaeology, Studies in Funerary Archaeology 10 (Oxford 2017) 176-187.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Steskal M
  • 2017
    Titel Defying Death in Ephesus. Strategies of Commemoration in a Roman Metropolis, in: E. Mortensen - B. Poulsen (Hrsg.), Cityscapes and Monuments of Western Asia Minor. Memories and Identities (Oxford 2017) 229-236.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Steskal M
  • 2012
    Titel Hafennekropole.
    Typ Journal Article
    Autor Steskal M
    Journal Wissenschaftlicher Jahresbericht des Österreichischen Archäologischen Instituts
  • 2011
    Titel Hafennekropole.
    Typ Journal Article
    Autor Steskal M
    Journal Wissenschaftlicher Jahresbericht des Österreichischen Archäologischen Instituts
  • 2011
    Titel Psalmenzitat, Paradieskreuze und Blütenmotive. Zu zwei neu entdeckten Grabhäusern mit spätantiker Malerei in der Hafennekropole von Ephesos.
    Typ Journal Article
    Autor Steskal M
  • 2010
    Titel Bericht über eine Sarkophagbergung in der Oberstadt von Ephesos.
    Typ Journal Article
    Autor Ladstätter S
    Journal Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes
  • 2009
    Titel Hafennekropole.
    Typ Journal Article
    Autor Steskal M
    Journal Wissenschaftlicher Jahresbericht des Österreichischen Archäologischen Instituts
  • 2014
    Titel M. Steskal, Ephesos and its Harbors: A City in Search of its Place, in: S. Ladstätter - F. Pirson - T. Schmidts (eds.), Häfen und Hafenstädte im östlichen Mittelmeerraum. Harbors and Harbor Cities in the Eastern Mediterranean from Antiquity to the Byzantine Period: Recent Discoveries and Current Approaches, BYZAS 19 = SoSchrÖAI 52 (Istanbul 2014) 325-338.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Steskal
  • 2013
    Titel Die Nekropolenlandschaft von Ephesos.
    Typ Journal Article
    Autor Steskal M
    Journal Wissenschaftlicher Jahresbericht des Österreichischen Archäologischen Instituts
  • 2013
    Titel Wandering Cemeteries. Roman and Late Roman Burials in the Capital of the Province of Asia.
    Typ Book Chapter
    Autor O. Henry (Ed.)
  • 2016
    Titel Human impact on Holocene sediment dynamics in the Eastern Mediterranean – the example of the Roman harbour of Ephesus
    DOI 10.1002/esp.3914
    Typ Journal Article
    Autor Stock F
    Journal Earth Surface Processes and Landforms
    Seiten 980-996
  • 2008
    Titel Hafennekropole.
    Typ Journal Article
    Autor Steskal M
    Journal Wissenschaftlicher Jahresbericht des Österreichischen Archäologischen Instituts
  • 2015
    Titel Demise of a harbor: a geochemical chronicle from Ephesus
    DOI 10.1016/j.jas.2014.10.002
    Typ Journal Article
    Autor Delile H
    Journal Journal of Archaeological Science
    Seiten 202-213
    Link Publikation
  • 2010
    Titel Hafennekropole.
    Typ Journal Article
    Autor Steskal M
    Journal Wissenschaftlicher Jahresbericht des Österreichischen Archäologischen Instituts

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